Kommentar Paula Schießl über die Jugend von heute

Jugendliche sind unpolitisch? Die „Fridays for Future“-Bewegung beweist das Gegenteil. Foto: Florian Wende

Unpolitisch, unselbstständig und handysüchtig – das wird jungen Menschen häufig vorgeworfen. Paula Schießl (18) aus Straubing hält von diesen Unterstellungen nichts. Eine Meinung.

Über sie wird viel geredet, gemutmaßt, sie wird von allen Seiten beurteilt, auch verurteilt, sie gilt als ungelöstes Mysterium und ist natürlich durch und durch verdorben: die Jugend von heute. Als Mitglied jener hatte ich noch nie das Bedürfnis, mir einen derartigen Kopf über uns zu machen. Ganz anders aber geht es denen, die nicht mehr dazugehören: den älteren Semestern. Als Experte, schließlich habe ich auch zwei dieser Sorte zu Hause, traue ich mich, ganz parteiisch, subjektiv und voreingenommen zu allerhand Unterstellungen, die uns jungen Leuten nachgesagt werden, zu äußern.

Wir sind unpolitisch

Politik von reichen alten Männern für reiche alte Männer zieht – Überraschung – bei Jüngeren nicht. Und wenn gewisse Politiker, die kurz vor der Rente stehen, beispielsweise in Österreich die Vierzigstundenwoche auflösen, denn schließlich soll jeder so lange arbeiten dürfen, wie er will, zeigt das immer mehr, dass wir von der älteren Generation in eine Gesellschaft gepackt werden, in der wir gar nicht sein wollen. Sie schaffen eine Welt, in der es nur um Leistung, schnellen Erfolg, schnelles Geld und noch mehr Leistung geht. Und uns ist das angeblich egal. Unpolitisch werden wir genannt und wenn wir auf die „Fridays for Future“-Demos gehen, uninformiert. Natürlich gibt es neben den politisch Interessierten auch welche, die es eben nicht sind. Genauso, wie es damals auch solche gab, die bei den Anti-WAA-Demos nicht vor, sondern hinter den Wasserwerfern standen.

In unserer liberaleren, feministischeren, moderner vernetzten, gebildeteren Zeit mit unendlichem Zugang zu Informationen verschwimmen die Grenzen im Schwarz-Weiß-Denken. Die Vereinsmeierei hört auf und somit werden die großen, radikalen, gefährlichen und extremen politischen Gruppierungen in der Jugendszene weniger. Dadurch verlieren die Jugendlichen jedoch an Aufmerksamkeit.

Wir sind unselbstständig

Unselbstständigkeit ist ein Zustand, der einen nicht aus heiterem Himmel befällt, sondern man eignet sich ihn an oder viel mehr: Er wird einem angeeignet. Denn in Zeiten der Helikoptereltern, die ihre Kinder auf Händen tragen, ist es kein Wunder, dass die Jugend unselbstständig wirkt. Wahrscheinlich sieht es aber einfach nur so aus, weil wir überfordert sind, weil uns nach dem Schulabschluss die Welt offen steht. Deshalb trifft es eher das Wort Orientierungslosigkeit. Und im Grunde ist das was Gutes, dass wir mittlerweile so individuell unter Tausenden von Möglichkeiten wählen können. Früher ist der Bub vom Schuster eben Schuster geworden. Ich aber will keine Finanzbeamtin werden.

Wir sind handysüchtig

Wenn den Älteren sonst nichts mehr einfällt, um die Jugend zu kritisieren, wird die gut bewährte Handykeule gezückt. Die Jugendlichen sitzen nur noch vor dem Handy, während die ältere Generation zur damaligen Zeit ausschließlich tiefschürfende Gespräche führte, am besten im Wald, versteht sich ja von selbst. Das ist aber keine große Leistung, wenn man bedenkt, dass es damals schlichtweg noch keine Handys gab. Was ehemals an technischen Errungenschaften zur Verfügung stand – Fernsehen, Telefon, Radio – wurde aus Vernunftgründen natürlich nur in Maßen genossen.

Das Aufwachsen mit digitalen Medien ist nicht nur positiv – ganz klar! Es ermöglicht uns aber ein besseres Bewusstsein für diese zu entwickeln. Dämliche Katzenvideos, Weihnachtsvideos oder unlustige Witzevideos sind ein Phänomen, das nur bei Ü30-Menschen vorkommt. Selbige sind es auch, die beim Essengehen telefonieren, die Lesebrille rausholen, um Nachrichten schreiben zu können und unglaublich unscharfe Fotos herzeigen. Aber wir sind es, die kritisiert werden, wenn wir uns an der Bushaltestelle mit dem Handy die Zeit vertreiben.

Fazit

Dass die Gesellschaft Probleme mit den Jungen hat, ist nichts Neues. Schon Sokrates und Aristoteles lamentierten über die verdorbene Jugend. Doch überleg’ mal: Wo wären wir jetzt, wäre jede Generation seit der Antike tatsächlich noch schlimmer geworden als die vorherige? Es wird sich herausstellen, ob auch meine Generation mal so über die Jugend sprechen wird. Denn auch wir sind nicht sicher vor der Zeit.

 

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