Freischreiben Was soll ich werden? Leonie Stoffels über die Berufswahl

Wie wär's mit dem Job Golfballtaucher? Das ist einer von vielen verrückten Berufen, die es heutzutage gibt. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Wie geht's nach der Schule weiter? Wer fast volljährig ist, wird immer öfter mit dieser Frage konfrontiert. Wichtig ist, dass man bei der Suche nach dem passenden Job Ruhe bewahrt, betont die Straubingerin Leonie Stoffels (17). Ihre Gedanken zur Berufswahl.

Was will ich werden? Wir Jugendlichen haben doch eigentlich ziemliches Glück, uns diese Frage stellen zu können. Im 19. Jahrhundert wurde zwar die Berufsfreiheit gesetzlich festgelegt, jedoch gab es immer wieder zeitgenössische Einschränkungen und Vorgaben - wie zum Beispiel in Ostdeutschland bis zur Wende. Da hieß die Frage viel eher: Was darf ich werden?

Nicht nur Beruf, auch Berufung

Heute ist das anders: Wir haben größtenteils die Freiheit und Möglichkeit, aus Tausenden Berufszweigen zu wählen, um genau diesen einen Job zu finden, der uns bis ins Rentenalter bereichern soll. Wir sollten Spaß haben in dem, was wir tun. Und nicht nur das: Wir sollten auch all unsere Leidenschaft hineinstecken. Der eigene Beruf soll im wahrsten Sinne des Wortes unsere Berufung sein.

Aber wie finden wir den einen perfekten Beruf? Eine innere Stimme sollte uns alle zu einer bestimmten Lebensaufgabe drängen. Das wäre das Best-Case-Szenario für jeden von uns, so wird es uns von außen immer eingeredet. Kaum steuert man, wenn auch ganz gemächlich, auf die Volljährigkeit zu, wird von allen Seiten neugierig gefragt, was man denn werden möchte. Doch Stress ist an dieser Stelle eher unangebracht, denn man soll es sich ja ganz genau überlegen. Doch die Tatsache, dass der eigene Beruf einen der größten Lebensinhalte darstellt, übt enormen Druck auf junge Menschen aus. Man will, beziehungsweise ist darauf angewiesen, ein stabiles Einkommen zu beziehen. Man will ja auch eine Wohnung haben, Feiern gehen, sich auch mal was leisten können. Irgendwie hat ja jeder einen Lebensplan für sich, dem er nachgeht.

Ich weiß, was gut für mich ist

Sollten Jugendliche also bloß keine Zeit verlieren und schnell den Traumjob finden? Ich denke, das Wichtigste ist es, ein gesundes Maß zwischen der Beeinflussung der Eltern und Bekannten und den eigenen Wünschen zu finden. Letztlich weiß nur ich, was gut für mich ist und nicht meine Eltern. Die Arbeit soll ja für jeden von uns Sinn machen und uns erfüllen, vielleicht auch mal das Gefühl vermitteln, mehr zu geben als zu nehmen.

Mit anderen zusammenarbeiten, aber auch mal verschiedene Meinungen vertreten. Abends fix und fertig ins Bett fallen, aber stolz an die erledigten Aufgaben denken. Das Gefühl entwickeln, etwas für die Gemeinschaft beigetragen zu haben. Nicht mehr nur für theoretische Szenarien aus der Schule lernen, sondern auch praktische Erfahrungen machen und dabei festzustellen, dass man sich die meisten Dinge doch noch mal selber aneignen muss. Das alles gehört zum Arbeitsalltag dazu.

Mathegenie oder Handwerker?

Der Beruf spiegelt in großen Teilen auch unseren Charakter wider: Bin ich eher handwerklich begabt oder ein Mathegenie? Bin ich eine Quasselstrippe oder ein leises Mäuschen? Nicht umsonst ist eine der ersten Fragen, wenn man jemand Neues kennenlernt: "Was machst du eigentlich beruflich?"

Was aber, wenn ich trotz jeglicher Persönlichkeitstests keinen Schimmer habe, was mich eigentlich ausmacht? Vielleicht liegt eine Hürde, wie so oft in unserer Welt, im Bereich der Hülle und Fülle. Es kann zwischen Hunderten Studiengängen, Ausbildungsplätzen und Wohnorten entschieden werden - man kann sogar auf einem anderen Kontinent arbeiten. Es gibt die ausgefallensten Jobs - Fachkraft für Speiseeis, Steinmetz oder Destillateur, Fruchtsafttechniker, Kürschner, Sattler oder Edelsteinschleifer. Genauso gibt es Studiengänge für Getränketechnologie, Sorabistik, Space Master und Byzantistik. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Austausch und Praktika helfen

All diese Punkte zu erkennen und auf die eigene Situation der Berufswahl zu übertragen, dauert jedoch bei jedem von uns unterschiedlich lang. Genau deshalb habe ich mir als jemand, der sich wirklich oft und viel Stress macht, vorgenommen, mich nicht von anderen beeinflussen zu lassen, die vielleicht schon einen genauen Plan haben. Ich denke, das Beste für uns "Suchende" ist der Austausch mit denen, die schon lange in der Berufswelt tätig sind. Und natürlich einfach mal so viel wie möglich in Praktika auszutesten. Denn bekanntlich geht Probieren ja über Studieren. Vielleicht flüstert uns dann doch irgendwann eine kleine allwissende Stimme, was unsere Berufung für die Zukunft ist und wir sind am Ende unserer Suche angekommen.

 

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