Freischreiben Gina Baumann über "Overtourism" in Amsterdam

Vor dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam ist der "Overtourism" deutlich zu spüren. Hier stehen Urlauber reihenweise an, um sich dann durch das Haus zu drängen. Foto: Andreas Heimann/dpa

Amsterdam ist seit Jahren ein beliebtes Ziel für Reisen. Für die Stadt bringt das aber nicht nur Vorteile. Sie leidet unter dem Phänomen "Overtourism". Gina Baumann (21) aus Straubing über ein Problem, das sie selbst erlebt hat.

Backsteinhäuser, viele Brücken, malerische Grachten und Käseläden ohne Ende: Kein Wunder, dass Amsterdam ein beliebtes Reiseziel ist. Pro Jahr besuchen laut der Süddeutschen Zeitung rund 19 Millionen Menschen die Hauptstadt der Niederlande. Aber der Erfolg als beliebter Touristenort hat auch seine Schattenseiten. Die Stadt leidet unter den großen Menschenmassen. Man spricht von "Overtourism". Amsterdam ist nur eine von vielen Städten, die damit zu kämpfen haben.

"Overtourism" bedeutet, dass ein Reiseziel von Touristen überflutet wird. Das Phänomen gibt es erst seit wenigen Jahren. Warum ist das so? In den vergangenen Jahren sind Kreuzfahrten immer beliebter geworden. Die Schiffe werden größer und luxuriöser, sie können mehrere Tausend Personen transportieren. Ein anderes Problem sind die Billigflüge. Dadurch können sich viele Menschen kurze Trips leisten und die betroffenen Orte werden überrannt. Mittlerweile haben viele Städte dieses Problem: Amsterdam, Barcelona, Dubrovnik, Rom oder Venedig. Es gibt bereits Maßnahmen, um dagegen anzukämpfen. In Venedig beispielsweise müssen Tagesbesucher Eintritt für die Stadt zahlen. In Barcelona dürfen keine neuen Hotels gebaut werden.

Amsterdam wird überflutet

In Amsterdam machen sich die Menschenmassen schnell bemerkbar. Das Zentrum der Stadt ist relativ klein. Egal ob am berühmten Platz Dam, beim Rijksmuseum oder bei der Rembrandtstatue - die Touristen sind überall. Die meisten Menschen tummeln sich aber vor dem Anne-Frank-Haus. Die Tickets dafür sind wegen der großen Nachfrage nur noch online erhältlich. Im Haus kann man sich die Gegenstände nicht mehr in Ruhe anschauen, weil alles voll von Touristen ist. Es gibt auch viel Gedränge in den kleinen Räumen. Man hat außerdem den Eindruck, dass es vielen Menschen nicht wirklich um die Geschichte von Anne Frank geht. Sie besuchen das Haus vermutlich nur, damit sie es von ihrer To-do-Liste streichen können. Das Gleiche gilt für andere Museen. Ein weiterer beliebter Ort für Touristen ist der Amsterdam-Schriftzug. Die Buchstaben sind dauerhaft von Menschen besetzt, die dort Fotos machen.

Noch ein Problem, mit dem Amsterdam und viele beliebte Städte zu kämpfen haben, ist die Vermietung von Privatwohnungen. Über Internetportale wie "Airbnb" können Wohnungen und sogar Hausboote an Besucher vermietet werden. Touristen dringen dadurch in die Wohnviertel ein und stören die Einheimischen. Bei Hausbooten wird es außerdem schnell gefährlich, wenn sich die Besucher nicht benehmen. Auf einer Grachtenfahrt erfährt man zum Beispiel, dass Jugendliche ein Boot bei einer Party zum Sinken gebracht haben.

Was tun gegen "Overtourism"?

Auch Amsterdam kämpft bereits gegen die Situation. Bierbikes und Alkohol auf der Straße trinken wurden schon verboten. Seit einiger Zeit dürfen in der Innenstadt keine neuen Touristenläden mehr eröffnen. Außerdem ist geplant, die Vermietung über "Airbnb" einzuschränken. Bürger sollen ihre Wohnung nur noch für maximal 30 Tage im Jahr vermieten dürfen. Weil in den Kanälen viel Verkehr ist, sollen auch die Bootstouren in Zukunft stärker reguliert werden. Für die nächsten Jahre sind weitere Maßnahmen geplant: Gruppenführungen im Rotlichtviertel sollen verboten werden und Reiseleiter brauchen eine Genehmigung. Wer in der Nacht herumschreit und sich nicht benimmt, muss eine Strafe zahlen.

Außerdem versucht Amsterdam, Touristen auf das Umland aufmerksam zu machen. Dafür wurde der Strand der Stadt Zandvoort in "Amsterdam Beach" umbenannt. Er soll Touristen anlocken und Amsterdam entlasten.

Trotz allem ist Amsterdam eine wunderschöne Stadt, die eine Reise wert ist. Wenn man sie außerhalb der Hauptsaison besucht, kann man den großen Menschenmassen entgehen und das Phänomen "Overtourism" vermeiden. Vor allem im Herbst bietet sich eine Reise an: Die Blätter fallen von den Bäumen und die Grachten spiegeln die Herbstsonne. Aber manchmal lohnt es sich auch, das Umland einer Hauptstadt zu bereisen oder einen weniger bekannten Ort. Dadurch sieht man etwas ganz Neues. Und das Beste: Man wird nicht von Tausend anderen Touristen gestört.

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