Fit für Olympia Das muss man zu den Peking-Spielen wissen

Skiläufer üben während einer Trainingseinheit im "National Cross-Country Skiing Centre" in Zhangjiakou. Foto: Xinhua

Als erster Olympia-Gastgeber richtet Peking nach Sommerspielen auch Winterspiele aus. Geplant sind 109 Entscheidungen mit knapp 2900 Sportlerinnen und Sportlern. Auf den Wettbewerben aber liegen schwere Schatten.

Knapp sechs Monate nach der Schlussfeier in Tokio wird am Freitag schon wieder das olympische Feuer entzündet. In Peking messen sich die besten Wintersportler der Welt bei den Wettbewerben auf Schnee und Eis.

China und Wintersport - wie passt das zusammen?

2008 war Peking noch Gastgeber der Sommerspiele. Jetzt ist die Hauptstadt die erste Metropole, die zudem Winterspiele ausrichten darf. Bis 2025 will die Regierung 300 Millionen Chinesen für den Wintersport begeistern und einen riesigen Markt für die Branche aufbauen. Dafür sind landesweit zahlreiche Ski-Ressorts und Eishallen entstanden. Mit großem Aufwand wurden auch die olympischen Wettkampfstätten in den Bergen von Zhangjiakou und Yanqing hergerichtet. Die rund 200 Kilometer nach Peking überbrückt ein Hochgeschwindigkeitszug in 47 Minuten. Für den sportlichen Erfolg seines Teams hat China eine Reihe ausländischer Trainer engagiert und massive Förderprogramme für den Nachwuchs aufgelegt.

Was lässt sich China die Spiele kosten?

Chinas Präsident Xi Jinping hat "einfache Spiele" versprochen. Offiziell beträgt das Budget rund 3,5 Milliarden Euro, das wäre die geringste Summe für Winterspiele seit rund 20 Jahren. Viele Ausgaben wie die hohen Investitionen für das neue Skigebiet und den Bau neuer Bahnstrecken und Straßen sind aber nicht eingerechnet. Manche Experten schätzen die Gesamtkosten daher eher auf das Zehnfache, auch wenn einige der Wettkampfstätten der Sommerspiele 2008 erneut genutzt werden. Einen Teil der Kosten wollen die Olympia-Macher durch den Verkauf der Wohnungen in den olympischen Dörfern wieder einspielen. Dagegen fallen die erhofften Einnahmen durch den Ticketverkauf durch die Corona-Pandemie wohl weitgehend aus.

Wie geht Olympia eigentlich mitten in der Omikron-Welle?

Für Chinas knallharte Null-Covid-Strategie ist die hoch ansteckende Virus-Variante der absolute Härtetest. Das Gastgeber-Land selbst hat das Virus bislang besser im Griff als andere Länder. Deshalb soll unbedingt vermieden werden, dass Olympia-Beteiligte in Kontakt mit der chinesischen Bevölkerung kommen. Die Organisatoren haben einen geschlossenen Kreislauf eingerichtet, in dem sich Sportler, Funktionäre und Helfer wie in einer Parallelwelt bewegen. In detaillierten Handbüchern sind Verhaltensregeln für alle Mitwirkenden festgehalten. Tägliche PCR-Tests und Masken sind Pflicht. Infizierte müssen sich in Quarantänehotels begeben. Ausländische Zuschauer sind nicht zugelassen. Auch in China gibt es keine Karten im freien Verkauf, nur ausgewählte Menschen dürfen auf die Tribünen.

Warum ist China als Gastgeber so umstritten?

Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Uiguren und Tibetern, die Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong und Drohungen gegen Taiwan - Vorwürfe gegen die Machthaber in Peking gibt es reichlich. Umweltschützer kritisieren den Protz beim Bau der Wettkampfstätten in der Bergregion und die Verschwendung von Strom und Wasser für die seit Wochen laufenden Schneekanonen. Dass ein hochrangiger Funktionär des Organisationskomitees für den Fall von Kritik aus dem Kreis der Sportlerinnen und Sportler mit "Bestrafung" drohte, sorgte für zusätzliche Irritationen. Bei der Vergabe der Spiele allerdings hatte das Internationale Olympische Komitee kaum eine andere Wahl, nur Almaty im autoritär geführten Kasachstan stand als Alternative bereit. München und eine Reihe anderer Bewerber hatten sich vorzeitig aus dem Rennen um die Winterspiele 2022 zurückgezogen.

Wie viele Teilnehmer gehen an den Start und wie viele Wettbewerbe gibt es?

Knapp 2900 Athletinnen und Athleten aus mehr als 90 Nationen sollen dabei sein, dies sind weniger als beim Teilnehmerrekord vor vier Jahren in Pyeongchang. 45 Prozent davon werden weiblich sein, nach Angaben des IOC der höchste Frauenanteil der Winterspiele-Geschichte. Für Deutschland sind 149 Sportlerinnen und Sportler nominiert, fünf weniger als 2018. In 109 Wettbewerben werden Medaillen vergeben, sieben sind neu im Programm: Mixed-Events mit Teams aus Frauen und Männern gibt es im Skispringen, Snowboard-Cross, Shorttrack und beim Sprung der Ski Freestyler. Dazu debütiert Monobob der Frauen und Big Air der Ski Freestyler.

Wann können deutsche Fans die Wettbewerbe verfolgen?

Durch die Zeitverschiebung von sieben Stunden müssen vor allem die Fans der Alpinen sehr früh aufstehen, auch viele Medaillenentscheidungen beim Eiskunstlauf, Snowboard und Ski Freestyle fallen in der deutschen Nacht. Dagegen können die Zuschauer unter anderem beim Biathlon, Skispringen, Langlauf, der Nordischen Kombination und den Wettkämpfen im Eiskanal am Vormittag und frühen Nachmittag einschalten. Die Vorrundenspiele des deutschen Eishockey-Teams starten um 9.40 Uhr und 14.10 Uhr MEZ.

Wer überträgt Olympia im Fernsehen?

Olympia-Bilder gibt es bei Eurosport, ARD und ZDF zu sehen. Eurosport zeigt insgesamt 300 Stunden Live-Programm im Free-TV, dazu sind beim Bezahlangebot Joyn Plus alle Wettbewerbe verfügbar. Die öffentlich-rechtlichen Sender übertragen im Wechsel täglich bis zu 16 Stunden live, dazu kommen jeweils insgesamt 500 Stunden Livestream auf jeweils sechs Kanälen. ARD und ZDF haben von der Eurosport-Mutter Discovery, die die Olympia-Übertragungsrechte besitzt, Sublizenzen erhalten.

 
 
 

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