FCK-Trainer im Interview Penzkofer: "Müssen ruhig und bodenständig bleiben"

Ben Penzkofer übernahm den 1. FC Bad Kötzting in der Winterpause und schaffte den Klassenerhalt. Foto: Fabian Roßmann

Ben Penzkofer hat im Winter das Traineramt beim abstiegsbedrohten 1. FC Bad Kötzting übernommen. Mit sieben Siegen aus zwölf Spielen hat der junge Coach eine beachtliche Statistik vorzuweisen und führte den FCK zum Klassenerhalt. Im idowa-Interview spricht Penzkofer über diese Saison, über die Entwicklung der Mannschaft und blickt auf die kommende Spielzeit voraus.

Herr Penzkofer, wie groß ist die Erleichterung, den Klassenerhalt direkt geschafft zu haben?
Ben Penzkofer: Sehr groß natürlich. Es war nicht leicht und der Druck im Umfeld hat es noch ein bisschen schwieriger gemacht. Es kann niemand behaupten, dass wir Glück gehabt hätten. Im Gegenteil: Wir mussten uns den Klassenerhalt hart erarbeiten.

Wie war der Weg bis zum Klassenerhalt?
Penzkofer: Ich hatte mir drei Ziele gesetzt, als ich den Trainerjob angetreten bin. Das erste war, weniger Gegentore zu bekommen. Dann wollte ich Mentalität in die Mannschaft bringen, dass man sich von Rückschlägen nicht umwerfen lässt. Der dritte Punkt war, dass wir uns spielerisch verbessern. Dass wir diese drei Punkte auf einem solchen Level wie zuletzt umsetzen konnten, hatte ich ehrlich gesagt selbst nicht gedacht.

Waren diese drei Punkte entsprechend auch entscheidend für den Klassenerhalt?
Penzkofer: Sicherlich. Im Abstiegskampf zählen zunächst die ersten beiden Punkte: kompakter stehen und Mentalität zeigen. Beim Punkt Mentalität war unser Spiel in Schwarzenfeld sehr entscheidend. Da hat die Mannschaft selbst gesehen, dass man so wie in der ersten Halbzeit nicht auftreten kann. Ich habe auch in der ersten Halbzeit zwei Spieler ausgewechselt und in der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel dann noch gedreht. In spielerischer Hinsicht war das Spiel gegen Ettmannsdorf trotz der Niederlage wichtig, gerade die letzte halbe Stunde hat uns da Selbstvertrauen gegeben. Die Spiele gegen Bogen oder Neukirchen, die wir unglücklich verloren haben, hätten auch der Knackpunkt in die andere Richtung sein können. Dass wir da aber jeweils gleich darauf die richtige Antwort gegeben haben, zeigt, dass wir uns stabilisiert haben.

Wie schwierig war der Spagat, sich gerade in der Kürze der Zeit zu stabilisieren, sich aber dennoch auch fußballerisch weiterzuentwickeln?
Penzkofer: Das war nicht leicht. Am Anfang war das große Ziel, dass es defensiv besser wird. Weil das relativ schnell geklappt hat, konnten wir dann auch das Offensivspiel noch mehr trainieren. Zum Schluss mussten wir dann wirklich aufpassen, dass wir bei all dem Ballbesitz nicht vergessen, aggressiv auch gegen den Ball zu arbeiten.

Sie haben mit Bogen und Bad Kötzting nun zwei Jahre in Folge gegen den Abstieg gespielt. Wie hart ist das als Trainer?
Penzkofer: Das schlaucht natürlich sehr. Du denkst jeden Tag an Fußball. Letztes Jahr mit der Relegation am Ende war es wirklich hart. Dieses Jahr war es mental nicht ganz so schlimm, weil wir doch immer wieder die Siege eingefahren haben und man das Gefühl hatte, dass sich die Mannschaft stabilisiert hat. Aber zweimal in Folge Abstiegskampf, das braucht kein Trainer.

Dennoch haben Sie entschieden, als Trainer in Bad Kötzting zu bleiben. Was waren die Gründe dafür?
Penzkofer: Es macht natürlich trotzdem großen Spaß. Ich sehe die Entwicklung hier auch noch nicht als abgeschlossen. Ich habe in den letzten Spielen kaum eine spielerisch bessere Mannschaft gesehen als uns. Das ist das, was ich mir vorstelle als Trainer. Es macht einfach Spaß, wenn man sich weiterentwickelt. Wenn man sich wie zuletzt gegen Kareth einen klaren Plan zurechtlegt und die Mannschaft den super umsetzt und alle Tore so entstehen, dann ist das ein Traum für jeden Trainer. Auch die Charaktere in der Mannschaft passen einfach. Deshalb fiel mir die Entscheidung nicht schwer.

Was nehmen Sie für sich persönlich aus diesem halben Jahr in Bad Kötzting mit?
Penzkofer: Zum einen, dass ich mich nicht mehr so schnell stressen lasse. Ich bin um einiges ruhiger geworden. Ich habe auch einfach neue Charaktere kennengelernt und mit jedem Charakter muss man anders umgehen. Allgmein lernt man gerade als junger Trainer im Punkt Mannschaftsführung ständig dazu.

Rechnet man ihren Punkteschnitt auf eine ganze Saison hoch, dann wären Sie in den Top fünf gelandet. Sieht man daran, was doch an Potenzial in der Mannschaft steckte?
Penzkofer: Ja, sicher. Man muss auch sagen, dass die Punkte, die wir geholt haben, eigentlich alle verdient waren. Wir hätten sogar noch den einen oder anderen Punkt mehr holen können. Wir haben am Ende ein paar sehr gute Spiele gemacht, es hat aber auch alles gepasst. Gerade von unseren Stützen im Mittelfeld war keiner verletzt. Man hat schon gesehen, dass diese Mannschaft sicher auch eine gute Rolle in dieser Liga spielen kann.

Nach der Saison ist vor der Saison: Wie blicken Sie der kommenden Saison entgegen?
Penzkofer: Wenn man den Kader betrachtet, dann müssen wir schon noch die eine oder andere Position besetzen. Dann muss man auch hoffen, dass Verletzte wie Christoph Schambeck oder Filip Trantina wieder zurückkommen. Wenn alles passt und sich die Mannschaft findet, dann kann schnell auch nach vorne in der Tabelle wieder etwas gehen. Aber wir tun nach dieser Saison sehr gut daran, ruhig und bodenständig zu bleiben. Die Erwartungen müssen realistisch bleiben, die Mannschaft war in dieser Saison monatelang auf einem Relegationsplatz. Es wird sicher kein Selbstläufer.

Mit der Verpflichtung von Michael Faber hat der Verein auf dem Transfermarkt für Aufsehen gesorgt. Wie schätzen Sie den "Königstransfer" ein?
Penzkofer: Sportlich muss man über die Qualitäten von Michael Faber überhaupt nicht reden, da hilft er uns sicherlich weiter. Wir müssen schauen, dass wir seine Stärken bestmöglich einsetzen können. Man merkt jetzt schon, dass durch den Wechsel eine Euphorie ausgebrochen ist. Diese wollen wir natürlich mitnehmen und umsetzen.

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