Experteninterview Thomas Witzgall über "Der Dritte Weg": „Der Stützpunkt Ostbayern ist der aktivste“

Thomas Witzgall mit seinem wichtigsten Werkzeug - der Spiegelreflexkamera. Foto: as

Am Freitagabend gab es eine Kundgebung von „Der Dritte Weg“ in Straubing. Was dabei passiert ist und wer die Partei vertreten hat, das hat er genau im Bild festgehalten: Thomas Witzgall. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung hält er als Experte Vorträge an Schulen über Rechtsextremismus und schreibt Beiträge für das Portal „Endstation Rechts.Bayern“, das von der bayerischen SPD unterstützt wird. Im Interview mit idowa erklärt er die Strategien der Rechtsextremen und die Hintergründe.

Wenn man das erste Mal so einen Auftritt von Rechten wie am Freitagabend in Straubing sieht, dann wirkt es bestürzend und bedrohlich. War das eine normale Kundgebung oder hatte das eine andere Qualität?

Thomas Witzgall: Es war eine normale Kundgebung, wie sie „Der Dritte Weg“ schon zigmal abgehalten hat – gerade auch der Stützpunkt Ostbayern mit dem Strohmeier, der ja letztes Jahr durch die Städte und Dörfer des Bayerischen Waldes getingelt ist mit einer Kampagne. Der Aufbau mit dem Pavillon, mit dem Pult, mit der Rückwand, mit Leuten, die Banner und Fahnen halten, ist normal. Sie hatten aber eine relativ gute Anlage mit einem guten Mischpult im Wagen. Sie haben es auch ausgenutzt, dass sie scheinbar keine Beschränkung hatten, was die Lautstärke betrifft.

Besonders bestürzend war die Wortwahl, die sich praktisch nicht von derjenigen unterschieden hat, die die Nazis verwendet haben. Da wurde etwa von „Volksverrätern“ gesprochen, die sich in der Zukunft vor „Volksgerichten“ verantworten müssten, und gemeint waren damit die Politiker unserer Regierung.

Thomas Witzgall: Das ist allerdings auch nicht überraschend. „Der Dritte Weg“ ist zusammen mit der Partei „Die Rechte“ – eine andere neonazistische Kleinstpartei –, wirklich die Gruppierung, die noch am stärksten nationalsozialistisch auftritt. Wenn Sie Bilder verwenden, dann kommt da beispielsweise eine Arno Breker Statue [Anm. d. Red.: Bildhauer und Architekt im Nationalsozialismus] zum Einsatz. Die Partei hat ja auch die Selbstbezeichnung „national, revolutionär, sozialistisch“. Es trennt also gerade noch das „revolutionär“ das „national“ vom „sozialistisch“.

Wie ist diese Bewegung größenmäßig einzuschätzen – im Hinblick auf die Mitglieder und den Dunstkreis?

Thomas Witzgall: „Der Dritte Weg“ hat eine relativ seltsame Konstruktion. Man kann nicht direkt Mitglied werden, sondern erst einmal nur Fördermitglied. Wenn man sich bewährt hat, kann man als Vollmitglied aufgenommen werden. Die Partei kann so genau kontrollieren, wer reinkommt. Die Leute, die sie unterstützen wollen, können das zunächst mit Geld machen. Es gibt Rituale wie von Burschenschaften oder Rockergangs, Stichwort „prospects“ [Anm. d. Red.: Probemitglieder]. Was aber eigentlich zählt, ist: Wie viele Leute kann die Partei ansprechen? Wie ist der Dunstkreis gelagert? Bei einem großen Neonazi-Konzert waren wohl hundert Leute vom „Dritten Weg“ aus Bayern, wie ich gelesen habe. Zu Demonstrationen, mit dem Zuzug aus anderen Bundesländern, können es 120 werden, in Wunsiedel kommen teils auch 200, 250 Personen. Das ist das, was die Partei mobilisieren kann. Das Unterstützerumfeld dürfte allerdings größer sein. Von der Größenordnung her war das am Freitagabend für eine stehende Kundgebung schon etwas mehr als sonst. Man hat gesehen, dass Ihnen die Kundgebung in Straubing schon etwas bedeutet hat – auch an dieser ganzen Aufmachung mit dem eingesprochenen Text.

Was ist dieser Stützpunkt Ostbayern?

Thomas Witzgall: Der Stützpunkt ist die niedrigste Untergliederung, die es in der Partei gibt – wie bei anderen Parteien etwa Kreisverbände oder Ortsverbände. Der Stützpunktleiter heißt Strohmeier, er hat bei der Kundgebung auch weitestgehend geredet.

 
 

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