Deutschland Opernhaus auf Nazi-Gelände: "Nicht nur Interimsspielstätte"

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besichtigt den Kongresshallenbau auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände. Foto: Daniel Löb/dpa/dpa

Die Nürnberger Oper zieht übergangsweise auf das ehemalige NS-Reichsparteitagsgelände - eine umstrittene Entscheidung. Die nächste Debatte steht schon bevor: Was passiert, wenn die Oper wieder in die Innenstadt zieht?

Nürnberg (dpa/lby) - Die Nürnberger Oper zieht während einer Sanierung aufs NS-Reichsparteitagsgelände - die geplante Spielstätte könnte laut Stadt und Staatsregierung auch darüber hinaus genutzt werden. "Das sollte man nicht nur als Interimsspielstätte verstehen", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag bei einem Besuch der Kongresshalle. Wenn ein solches Projekt angegangen werde, mache es - auch aus Sicht der Steuerzahler - keinen Sinn, den Bau nach einigen Jahren wieder abzureißen.

Die Betriebsgenehmigung für das marode Opernhaus in der Innenstadt läuft 2025 aus. Der Stadtrat stimmte im Dezember mit großer Mehrheit dafür, dass während der Sanierung der denkmalgeschützte Monumentalbau als Ausweichquartier dienen soll. "Backstage"-Räume sollen in die Kongresshalle, die Spielstätte soll auf dem Gelände gebaut werden.

Söder sagte, er denke, es werde am Ende so wie bei vielen Interimsstätten sein: "Sie werden dauerhaft von der Bevölkerung und vom Publikum gemocht." Nürnbergs Kulturbürgermeisterin Julia Lehner (CSU) sagte: "Wir planen ein Operninterim." Sie betonte aber, der Stadtrat habe nicht festgelegt, was damit geschehen solle, wenn das Opernhaus wieder ausziehen werde. Darüber könne man in den nächsten Jahren diskutieren.

"Mit der Information, die ich jetzt habe, fordere ich nicht den Rückbau eines Gebäudes, von dem ich noch gar nicht weiß, wie es aussieht und wie es genutzt wird", sagte Bayerns Generalkonservator Mathias Pfeil. Die Diskussion darüber müsse man gesellschaftlich führen, das Landesamt für Denkmalpflege werde sie eng begleiten.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte über eine Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege vom Oktober berichtet, wonach man die "fachlichen Bedenken" zurückstellen könne, wenn "der tatsächliche Rückbau nach der Interimszeit gewährleistet ist". "Das ist eine Aussage, die ich heute nicht mehr trage", sagte Pfeil am Freitag.

Mögliche Standorte der Spielstätte sind im Innenhof oder neben der Kongresshalle. "Wir halten es für falsch, das Opernhaus in den Innenhof zu stellen", sagte der Geschäftsführer des Vereins für Geschichte, Bernd Windsheimer. Der Verein hält das Gelände nach wie vor nicht für den richtigen Ort für die Oper. Man akzeptiere aber natürlich die Entscheidung des Stadtrats, sagte Windsheimer.

Die Entscheidung war wegen der NS-Vergangenheit des Geländes umstritten gewesen. 50 000 Menschen sollten nach den Plänen der Nationalsozialisten dort während Reden jubeln. Der Bau wurde aber nie fertiggestellt, statt der geplanten etwa 70 Meter wurde er nur knapp 40 Meter hoch. Der hufeisenförmige Torso, der einmal Treppen und Garderoben hätte beherbergen sollen, steht zu großen Teilen leer.

Karl Freller, der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, sagte, es sei wichtig, Konzentrationslager wie in Flossenbürg und Dachau als "steinerne Zeugen der Verbrechen" authentisch zu erhalten. "Orte der NS-Propaganda" wie die Kongresshalle seien etwas Anderes. "Hier ist kein Beweischarakter vorhanden für die NS-Verbrechen." Man könne die Gebäude anderweitig nutzen. Söder sagte, er sei am Anfang noch etwas zurückhaltend gewesen, sei aber mittlerweile von den Ideen beeindruckt - insbesondere, da es von der jüdischen Community als akzeptabel angesehen werde. Der Freistaat werde das Projekt finanziell begleiten - in welcher Höhe steht noch nicht fest.

© dpa-infocom, dpa:220211-99-83111/4

 
 
 

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