Deutschland Schlechte Sicht: Luftretter setzen auf Pilotprojekt

Ein Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung steht am Flughafen Hannover-Langenhagen. Foto: Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild/dpa

Nebel und tief hängende Wolken verhindern oftmals Rettungsflüge von Hubschraubern. Satellitengestützte Navigation könnte das ändern. In Deutschland fehlt hierfür jedoch die Genehmigung - noch.

Regensburg (dpa/lby) - Bislang dürfen Rettungshubschrauber in Deutschland bei schlechter Witterung nicht starten - das will die DRF Luftrettung ändern, und zwar mithilfe satellitengestützter Navigation. In einem Pilotprojekt soll die sogenannte Point in Space-Technik (PinS) in zwei Hubschraubern genutzt werden. Diese würde einen Rettungseinsatz via Instrumentenflug bei schlechter Sicht ermöglichen. Das Uniklinikum Regensburg soll Teil des Projektes werden. Für den Standort Rendsburg (Schleswig-Holstein) läuft laut DRF bereits das Genehmigungsverfahren.

Der in Regensburg stationierte Hubschrauber könnte bereits nach PinS fliegen, sagte am Dienstag der DRF-Vorstandsvorsitzende, Krystian Pracz. Die technischen Voraussetzungen seien gegeben und die Piloten entsprechend geschult. Das Projekt müsse lediglich genehmigt werden. Anders als in der Schweiz und in Norwegen, wo mit PinS geflogen werde, dürften Hubschrauber in Deutschland unterhalb einer bestimmten Wolkenuntergrenze - mindestens 400 Meter in der Nacht - nicht im Instrumentenflug starten. Bei Nutzung des PinS-Verfahrens könnte die Wolkenuntergrenze deutlich reduziert werden.

Bernhard Graf, der stellvertretende Ärztliche Direktor des Uniklinikums, verwies auf die Statistik, nach der innerhalb eines Jahres knapp 90 Rettungsflüge witterungsbedingt hätten abgelehnt werden müssen. Etwa 50 Prozent davon hätten mit PinS-Instrumentenflug dennoch geflogen werden können.

Der Zeitfaktor spiele bei zahlreichen Rettungseinsätzen eine ganz erhebliche Rolle, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Es gehe darum, Menschenleben zu retten. Deswegen unterstütze er die Initiative der DRF. Allerdings könne er nicht alleine entscheiden, sagte Scheuer. Für den Bereich der Flugsicherung etwa sei zwar das Bundesverkehrsministerium zuständig, es müsste aber unter anderem auch das bayerische Innenministerium einbezogen werden. Hier stehe man bereits in Kontakt.

Der Anstoß, Regensburg in das Pilotprojekt einzubinden, kam vom Bundestagsabgeordneten Peter Aumer (CSU). Er habe aus Informationsgesprächen am Klinikum gewusst, dass es immer wieder Probleme wegen schlechten Wetters, insbesondere wegen Nebels, gebe, sagte Aumer. Regensburg als zweiter Standort für das Pilotprojekt wäre sinnvoll - als Gegenpol zu dem in Küstennähe gelegenen Rendsburg.

© dpa-infocom, dpa:210817-99-871868/4

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading