Der "Wurzelgarten" in Kößnach Viel mehr als nur Melonen

Lydia Wiethaler führt mit viel Herz den "Wurzelgarten" - besonders stolz ist sie auf ihre Wassermelonen. Foto: Falk

Lydia und Martin Wiethaler betreiben seit über zehn Jahren ihren „Wurzelgarten“ mit Selbsternte-Feld bei Kößnach. Neben einer Unzahl von teils regionalen, teils exotischen Obst- und Gemüsesorten gibt es dort sogar Wassermelonen zu kaufen. Ein Reporter der idowa-Redaktion hat sich dort umgeschaut.

Nicht nur irgendwo in Bayern, nein, direkt im Straubinger Umland bauen die beiden passionierten Landwirte, die 1983 mit Schafen, Kartoffeln und etwas Dinkel begannen, viel regionales Gemüse, Salat, Kürbisse, 80 Tomatensorten und eben auch Wassermelonen an.

Funktioniert das denn, im doch manchmal rauen niederbayerischen Klima? "Durchaus", sagt Lydia Wiethaler, denn bei der gelbfleischigen Sorte „Golden Russian“ stammt das Saatgut aus Russland, die Frucht kommt hier also gut zurecht. Die sandigen Böden der Gegend seien sehr gut für den Anbau geeignet, so Wiethaler - nur möglichst sonnig sollte der Sommer dann doch sein, damit die russische Sorte, aber auch eine Variante mit rotem Fruchtfleisch, die „Sweet Lady“, in Kößnach optimal gedeihen können. Der dauerwarme Sommer 2018 war demnach der perfekte „Melonen-Sommer“. 2019 hatten die Pflanzen im Mai Startschwierigkeiten, aber geklappt hat es dann doch. Selbst Anfang September sind noch einige der saftig-grünen Kugeln vorrätig.

Tomaten auf die Augen

Die Saison im Wurzelgarten beginnt, recht klassisch-bayerisch, im Frühjahr mit den Erdbeeren. "Die sind hier der Renner“, erzählt Lydia Wiethaler stolz. Es folgen Himbeeren, verschiedene Kürbisarten, zahlreiche Chili- und Paprikasorten, mehrere Kartoffelsaaten, Gurken, und im Hochsommer eben die Wassermelonen. Ende August haben die Tomaten Hochsaison, die in mehreren offenen Gewächshäusern in langen Reihen wuchern dürfen. Wiethaler ist sich selbst nicht sicher, wie viele Sorten genau wachsen, es sind wohl um die 80. Der „Supermarkt“-gewöhnte Kunde kann hier Tomaten aller Formen und Farben bestaunen – von winzigen Johannisbeer-Tomaten über „Ochsenherzen“, Romatomaten und eher klassische Formen bis hin zu gelben, grünen, schwarzen und sogar gestreiften Arten.

Weiter geht es mit großen Augen durch lange Reihen von Gurken, die sich wie Schlangen winden, Stacheln tragen oder winzig sind wie eine Haselnuss; Bohnen, die einen Meter lang werden können, Kürbissen, die lang und gebogen wie Jagdhörner sind, Popcorn-Mais, exotischen Inka-Knollen, Mini-Zucchinis, feurig-scharfen Chilis und indonesischem Spinat, der wie Efeu an den Wänden wächst.

Ein Ort der Begegnung

Es ist ein kleines Wunderland, das die Wiethalers hier gebaut haben. "Es kommen auch oft Schulklassen, Ausflugsgruppen oder Familien vorbei, um selbst zu ernten, Brotzeit zu machen und einfach Zeit zu verbringen“, erzählt die Landwirtin freudig. Nicht nur aus der Gegend, auch von Regensburg, aus Viechtach und aus dem fernen München kommen die Kunden. Lydia Wiethaler scheint jeden zu kennen, den sie während des Rundgangs durch die Gewächshäuser trifft, grüßt freundlich und „ratscht“ hier und da. Eine rüstige Seniorin, die vor allem wegen der Tomaten regelmäßig in den Wurzelgarten kommt, erklärt strahlend: „Ohne den Wurzelgarten is‘ ned richtig Sommer!“

Der „Wurzelgarten“ ist ein strikter Bio-Betrieb, der auch Öko-Großhändler wie „Bioland“ beliefert. Darum sind Kunstdünger und chemische Schädlingsbekämpfung absolut tabu. Ersterer wird durch die sogenannte „Gründüngung“ ersetzt, bei der aussortierte oder kaputte Früchte in die Anbauflächen eingeackert werden. Dort dienen sie dem Regenwurm als Futter und versorgen den Boden mit Nährstoffen. Um den Schädlingen zu Leibe zu rücken, braucht es die „Nützlinge“. Das sind zum Beispiel Marienkäfer oder Hummeln, aber auch verschiedene Fliegen-Arten, die die Wiethalers in sogenannten „Brutbeuteln“ als Eier im Internet bestellen und an die Pflanzen hängen, wo sie schlüpfen und auf ganz natürliche Weise Milben und Blattläuse dezimieren.

Der "Wurzelgarten" hat noch viel vor

Wo der frühherbstliche Tag zu Beginn des Besuchs noch trübe und kalt war, bricht mittlerweile die Sonne durch die Wolkendecke und schickt ihre warmen Strahlen auf den Kößnacher Paradiesgarten im Herzen des Gäubodens, um seine exotische Vielfalt zu erhalten und, mit etwas Glück, noch zu erweitern.

Für die Zukunft wünscht sich Lydia Wiethaler nämlich, sich neben der Lieferungen an den Großhandel noch mehr auf den Wurzelgarten und das Selbsternte-Feld konzentrieren zu können. Aber jetzt muss sie los - es ist viel zu tun, das Handy klingelt andauernd. Die 60-Jährige ist eine echte Business-Frau. „Bis zum nächsten mal“, sagt sie zum Abschied. Gerne doch.

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