Corona-Erkrankung Teil zwei der Geschichte

– SEPTEMBER 2020 –

Am 15. September beginnt Jakobs Reha in Schömberg im Schwarzwald. Die vier Wochen mit anderen Corona-Patienten helfen ihm enorm: „Wir haben viel Sport gemacht und einiges über das Krankheitsbild gelernt.“ Jakob ist einer der jüngsten und merkt, dass Corona bei ihm – trotz allem – recht harmlos verlaufen ist. An zwei Patienten erinnert er sich: Ein Mann, Ende 30, hobbymäßiger Rennradfahrer, hat durch sein geschwächtes Immunsystem neben Corona eine weitere Krankheit aufgeschnappt. „Er konnte nur mit dem Rollator gehen, er hat Nervenschäden an den Füßen, jeder Schritt tat ihm weh“, sagt Jakob. Dem Gedächtnis einer Frau, Mitte 30, hat Corona so zugesetzt, dass sie sich aufschreiben musste, wenn sie sich vormittags für den Nachmittag verabredet hat. „Sie konnte sich nichts mehr merken.“ Jakob hält kurz inne, dann sagt er: „Man hat die Verzweiflung der Leute wirklich gemerkt. Die waren vorher alle gesund, jetzt ist kaum Aussicht auf Besserung.“

– OKTOBER 2020 –

Trotz dieser Begegnungen kommt Jakob zuversichtlich und bestärkt nach Hause, in der Reha hat er viele Fortschritte gemacht. Am 26. Oktober ist er das erste Mal wieder in der Arbeit. Endlich. „Ich habe mir gesagt: Wenn ich arbeiten kann, bin ich gesund.“ Jakob macht eine Wiedereingliederung, er stockt Woche für Woche auf, arbeitet erst zwei Stunden am Tag, dann vier, dann sechs. Seine Kollegen helfen ihm: „Sie haben alles versucht, mir den Einstieg zu erleichtern. Da war ich echt dankbar.“ Doch die Arbeit strengt ihn zunehmend an, zu Hause ist er entkräftet, schläft meist gleich ein. Dass er noch nicht so weit ist, will er noch nicht wahrhaben.

– NOVEMBER 2020 –

Am 17. November muss Jakob die Wiedereingliederung abbrechen. Die Arbeit hat seinen Körper zu sehr angestrengt, der Husten ist wieder da. „Das war das deutliche Zeichen, dass ich noch nicht so weit bin.“ Jakob ist niedergeschlagen, die Angst kehrt zurück: „Das macht psychisch etwas mit einem. Wenn man so lange daheim sitzt und merkt, dass es immer noch nicht reicht.“ Er gibt nicht auf: „Die erste Woche habe ich regeneriert, dann habe ich wieder angegriffen.“

– DEZEMBER 2020 –

Anfang Dezember fühlt sich Jakob sogar so fit, dass er Joggen probiert. „Die ersten zehn Minuten gingen ganz gut, aber dann habe ich mit jedem Atemzug gemerkt, dass ich weniger Luft bekomme.“ Er muss abbrechen.

Doch beim Spazierengehen zeigen sich nun Fortschritte. Eineinhalb oder zwei Stunden sind kein Problem mehr, selbst wenn es hügeliger ist. Auch seinen Vorlesungen kann er konzentriert folgen. Das ist wichtig: Im Januar ist Prüfungsphase.

– JANUAR 2021 –

Die Prüfungen finden wie die Vorlesungen online statt. Seine Gefühle danach sind gemischt: „Ich war bisher immer relativ gut, nun habe ich das erste Mal daneben gelangt, glaube ich. Aber wenn ich alles bestehe, bin ich zufrieden.“

Mitte Januar hat Jakob einen Termin beim Lungenfacharzt. Dieser stellt fest: Seine Lunge hat eine Dysfunktionsstörung. Das heißt, Sauerstoff wird nicht besonders gut in sein Blut aufgenommen, Jakob ist schneller müde und weniger belastbar. Alle drei Monate stehen nun Kontrolltermine an. Trotzdem gibt sich der 27-Jährige zuversichtlich: „Die Hoffnung ist da, dass es sich bessert.“ Auch wenn es – wie so oft – keine Erfahrungswerte gibt.

– NACHTRAG –

Nach seinen Begegnungen in der Reha ist Jakob unglaublich dankbar, dass es ihn nicht schlimmer erwischt hat. Trotzdem kann er sich seinen schweren Verlauf nicht erklären, er hat keine Vorerkrankungen. Besonders dankbar ist Jakob seinen Ärzten, allen voran seinem Hausarzt aus Oberschneiding.

Seine zweite Wiedereingliederung startet am 1. Februar. „Ich fühle mich gut“, sagt er, schließt dann aber an: „Das habe ich beim ersten Mal auch gesagt.“ Jakobs Wunsch ist so simpel wie groß: Er möchte seinen Alltag vor Corona zurück.

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