Corona Das Virus-Tagebuch eines 26-jährigen Regensburgers

Obwohl Jakob mit 26 Jahren jung ist, hat ihm das Coronavirus zu schaffen gemacht. (Symbolbild) Foto: Jonas Güttler/dpa

Es beginnt mit einem Kratzen im Hals und endet mit starker Atemnot in einer Lungenklinik. Jakob ist 26 Jahre alt und hatte Corona. Sein Virus-Tagebuch.

– AUFTAKT –
Samstag, 14. März

Jakob (alle Namen von der Redaktion geändert) ist bei einem Spieleabend in der WG seines Bruders. Alle Personen, die da waren, wird Jakob wenige Tage später melden müssen. Er könnte sie mit Corona angesteckt haben.

– TAG 1 –
Montag, 16. März

Es kratzt im Hals, Jakob bekommt Husten. Doch er denkt sich nicht viel dabei. Über den Tag wird es schlechter. Er ist verschleimt und bekommt Gliederschmerzen. In Bayern sind die Schulen den ersten Tag geschlossen, in Deutschland gibt es gut 9 000 bestätigte Corona-Erkrankte. Jakob wird bald dazugehören.

– TAG 4 –
Donnerstag, 19. März

Die vergangenen Tage hat Jakob im Bett verbracht. Er isst wenig, trinkt viel Tee und fühlt sich schlapp. Nun kommt das Fieber. Es steigt auf über 39 Grad. In der Nacht schwitzt Jakob stark. Der 26-Jährige wohnt mit seiner Freundin Marie zusammen in Regensburg. Die beiden gehen auf Abstand. Schwierig in einer Wohnung, die nur 50 Quadratmeter groß ist. Jakob schläft ab sofort im Wohnzimmer.

Auch Theresa hatte Corona. Ihre Infektion verlief glimpflicher. Doch ihre Familie musste sich stark umstellen. Theresas Geschichte liest du hier.
Einen Kommentar zum Thema gibt es hier.

– TAG 5 –
Freitag, 20. März

In der Nacht bekommt Jakob schlecht Luft: „Ich habe geschnauft, geschnauft, geschnauft. Aber es hat einfach nicht gereicht.“ Um drei Uhr steht Marie bei ihm im Wohnzimmer. Sie hat Angst, dass Jakob erstickt. Jakob verfolgt Corona schon länger in den Medien. Er überlegt, ob er sich infiziert haben könnte. Die Symptome passen. Er möchte sich testen lassen und ruft Ärzte in Regensburg an. Sie verweisen ihn an den ärztlichen Notdienst. Dort wird er gefragt, ob er in einem Risikogebiet war oder mit einem Infizierten Kontakt hatte. Beides verneint er. Er schildert, dass er sehr schlecht Luft bekommt. Doch Jakob wird nicht getestet. Er ist mit 26 Jahren nicht in der Risikogruppe, soll daheim bleiben und sich auskurieren. Jakob will das nicht wahrhaben, er sucht Hilfe. Ihm fällt sein früherer Hausarzt aus dem Landkreis Straubing-Bogen ein. Ohne große Hoffnung ruft er ihn an. Doch der ist bereit, Jakob zu testen.

– TAG 8 –
Montag, 23. März

Marie fährt Jakob am Morgen auf einen Parkplatz. Der Treffpunkt mit Jakobs früherem Hausarzt. Dieser erscheint in voller Schutzmontur und macht einen Abstrich. Seit Samstag gelten in Bayern Ausgangsbeschränkungen, in Deutschland gibt es über 33 000 Corona-Erkrankte.

– TAG 10 –
Mittwoch, 25. März

Das Ergebnis ist da und damit die Gewissheit: Jakob hat Corona. Er meldet alle Personen, mit denen er seit zwei Tagen vor seinen ersten Symptomen Kontakt hatte. Das Atmen fällt Jakob immer schwerer, er lässt sich ins Krankenhaus bringen. Im Uniklinikum Regensburg entdecken die Ärzte, dass seine Lunge von Corona befallen ist. Sie stellen acht kleine Lungenentzündungen fest. Jakobs Sauerstoffsättigung im Blut liegt bei nur 90 Prozent. Eine Ärztin sagt ihm später, das sei das Level eines 85-Jährigen. Bei Gesunden liegt der Wert meist zwischen 97 und 100 Prozent. Von da an bekommt Jakob über einen Schlauch zusätzlichen Sauerstoff durch die Nase. Beatmet werden muss er nicht. Gegen 21 Uhr wird Jakob nach Donaustauf gefahren. Die dortige Klinik ist auf Lungenkrankheiten spezialisiert.

– TAG 11 –
Donnerstag, 26. März

Jakob bekommt die ersten Tage in Donaustauf wenig mit: Er ist kaputt. Immer wieder wird ihm Blut abgenommen, Tests werden gemacht, Ärzte besuchen ihn. Und Jakob schläft viel. „Das war alles ein wenig verschwommen und mir ist es wirklich dreckig gegangen“, sagt er. Marie zeigt erste Corona-Symptome: Sie fühlt sich schlapp und hat Halsweh.

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