Cham Es waren keine K.O.-Tropfen

Der Zug aus einer E-Zigarette hat sieben junge Männer umgehauen. Die Polizei weiß jetzt warum. Foto: Science Photo Library

Es sind keine K.O.-Tropfen gewesen, teilt Stefan Fischer von der Polizei in Cham mit. Der stellvertretende Inspektionsleiter gibt die jüngsten Erkenntnisse in einem Fall weiter, der im Dezember für Aufruhr in der Clubgänger-Szene gesorgt hatte.

Insgesamt sieben Jugendliche brachen in der Disko zusammen und mussten medizinisch behandelt werden. Die Ermittler haben nun herausgefunden, was passiert ist.

Wie berichtet, kämpften mehrere junge Männer in der Nacht von Freitag, 14., auf Samstag, 15. Dezember, mit zum Teil schweren gesundheitlichen Problemen, nachdem sie an einer E-Zigarette gezogen hatten.

Diese hatte ihnen ein Landkreisbürger zum Konsum angeboten. Einige der Heranwachsenden brachen danach bewusstlos zusammen, einer erlitt sogar einen Krampfanfall. Die Bilanz der Polizei: Insgesamt sieben verletzte junge Männer mussten behandelt werden. Eine 18-jährige Frau lehnte den Konsum ab.

Umgehend gingen die Beamten den Ermittlungen nach und noch in der selben Nacht entdeckten sie etwas beim Tatverdächtigen: eine E-Zigarette und ein Fläschchen mit Liquid.

Sie stellten diese sicher, im Rahmen der Untersuchungen fanden die Kriminologen heraus, dass der Täter den Verletzten ein synthetisches Cannabinoid verabreichte. Stefan Fischer erläutert: "Die Wirkstoffe werden oftmals ersatzweise für Cannabisprodukte konsumiert und als vorgebliche Kräutermischungen oder Badesalze vertrieben."

Im vorliegenden Fall handele es sich um ein Cannabinoid, das in der Vergangenheit wiederholt Anlass für notfallmedizinische und psychiatrische Behandlungen gewesen sei. Deswegen schließe die Polizei auf eine - im Vergleich zum Wirkstoff THC in Cannabisprodukten - auf eine erhöhte Giftigkeit.

Und doch: Es lässt sich nicht den landläufig als K.O.-Tropfen bekannten Stoffen zurechnen. Diese kommen zum Einsatz, um einen willenlosen Zustand beim Opfer zu erreichen, um Folgehandlungen wie Sexual- oder Eigentumsdelikte zu begehen.

Die Polizei Cham weiß von insgesamt zehn Fällen in den Kalenderjahren 2017/2018 wegen denen Ermittlungen aufgenommen wurden, bei denen der Anfangsverdacht einer Verabreichung von K.O.-Tropfen bestand.

Doch während der Ermittlungen stellte sich in der Mehrzahl der Fälle heraus: Die aufgetretenen Symptome oder körperlichen Beeinträchtigungen der Betroffenen waren auf zuviel Alkohol in Verbindung mit Medikamenteneinnahme zurückzuführen, führt Fischer aus. In wenigen Fällen wiesen die Beamten bei vermeintlichen Opfern eigenverantwortlichen Rauschgiftkonsum nach.

Die Ausflucht in eine Anzeige kommt dann zustande, wenn sie gegenüber Angehörigen und Lebensgefährten in Erklärungsnöte geraten. Fischer warnt: Dies habe zum einen strafrechtliche Konsequenzen. Zum anderen setze das die Glaubwürdigkeit echter Opfer herab, die im sozialen Umfeld zwangsläufig in Frage gestellt werde.

Wenn allerdings tatsächlich dritte Rauschgift oder ähnliches weitergeben und es kommt zu gesundheitlichen Problemen - so wie im aktuellen Fall - sollten Betroffene im Notfall unverzüglich den Rettungsdienst verständigen und Kontakt zur Polizei herstellen. Es muss möglichst schnell ein Nachweis über die teils sehr flüchtigen Stoffe geführt werden.

Den jungen Mann aus dem Landkreis erwarten nun Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Außerdem erwarten ihn zivilrechtliche Ansprüche der Geschädigten.

 
 

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