Bewertungen im Internet Im Netz der Restaurantkritiken - Fluch oder Segen?

Online-Bewertungen sind ein Phänomen unserer Zeit. Anonym und nicht selten knallhart. Vor allem Gastronomen haben immer wieder daran zu knabbern. Denn Restaurantkritiken können den Ausschlag geben, wenn es um die Entscheidung für oder gegen ein Restaurant geht. Unter Umständen können Kritiken nicht nur geschäftsschädigend sein, sondern auch gesundheitliche Folgen haben, wie der Fall einer Wirtin aus Regensburg zeigt.

Google, Facebook oder das hierzulande etwas weniger weit verbreitete Portal Yelp – auf vielen Plattformen im Netz können Gäste Restaurants bewerten. Ursprünglich war das als Service für potenzielle Gäste und als Anregung für die jeweiligen Gastronomen gedacht. Mittlerweile wird dabei sehr hart ins Gericht gegangen. Und: Das System hat einen faden Beigeschmack, denn man muss kein Gastro-Experte sein oder über Know-How in der Branche verfügen, um die eigene, teils vernichtende Kritik anzubringen. Was zählt, ist allein das persönliche Empfinden. Und schon wird der Daumen wie im alten Rom nach unten oder oben gerichtet. Die „Kampf-Arena“ ist mittlerweile vielfach Facebook oder einer der anderen großen US-Anbieter. Das Schnitzel zu dünn, die Pizza zu wenig belegt, das Cevapcici zu klein, das Ambiente nicht ansprechend und die Bedienung sowieso unfreundlich. Der Kunde ist eben König und kann sich alles erlauben – so scheint zumindest die landläufige Meinung zu sein.

Wann man juristisch dagegen vorgehen kann

So kommt es, dass die ohnehin schon durch die Corona-Krise leidgeplagten Gastronomen jeden Tag aufs Neue auf dem virtuellen Prüfstand stehen. Das weiß auch Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Er sagt: „Das ist nicht unproblematisch. Zumindest Schmähkritiken, falsche Tatsachenbehauptungen oder Beleidigungen gehen zu weit.“ Dagegen könne man juristisch vorgehen. Auf einer Stufe darunter bliebe den jeweiligen Gastronomen auch die Möglichkeit, negative Bewertungen, die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigt sind, zu kommentieren. Ob das allerdings den gewünschten Erfolg hat, sei dahingestellt.

Die Ausmaße der Kritik im Internet kennt auch Franz Hopper. Seit fast 30 Jahren leitet er den Hotel- und Restaurantbetrieb im Landshuter Hof in Landshut. Demzufolge kann er sich auch noch die Zeit vor Facebook und Co erinnern. „Selbst waren wir davon bis jetzt zum Glück kaum betroffen, aber es hat sich schon was zum Negativen geändert“, berichtet Hopper. Kollegen würden ihm häufiger ihr Leid klagen, dass es viel Kritik von Laien hageln würde. Hopper: „Das konnte ich auch schon beobachten. Da fehlen einfach die fundierten Kenntnisse.“ Und das nicht nur bei negativen Kritiken. „Erst neulich musste ich wieder schmunzeln. Da hat jemand auf Facebook das vermeintlich beste und frischeste Cordon-Bleu in ganz Landshut angepriesen. Aber als gelernter Koch hat man auf den ersten Blick schon gesehen, dass dieses Cordon-Bleu aus der Fritteuse kam.“

Internet-Bewertungen als Chance

Franz Hopper sagt aber auch, dass dieses Internet-Phänomen insbesondere bei Neueröffnungen im Vergleich zu früher durchaus auch Vorteile bieten kann. Hopper: „Früher war das bei Neueröffnungen ein längerer Prozess, bis sich gute Qualität rumgesprochen hat. Wenn man aber heute von Anfang an gleich jede Menge gute Bewertungen im Internet erhält, dann ist das eine hervorragende Starthilfe.“ Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten, denn Geschmäcker sind verschieden. So ist man als Wirt schon vom ersten Tag an dem Wohlwollen des Gastes ausgeliefert – und dessen Kritiken. Das treibt mitunter die kuriosesten Blüten. So berichten Gastronomen immer wieder von Kritikern, die noch nie in ihrem Lokal gespeist haben. Und trotzdem gibt es eine schlechte Bewertung.

Was undifferenzierte Bewertungen unter Umständen anrichten können, das lesen Sie im Fall einer Regensburger Wirtin auf der nächsten Seite.

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