Bayreuth Bayreuth: Gesichter einer Stadt

Markgräfin Wilhelmine plante das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Foto: Nikolaus Sieber

Mindestens einmal pro Jahr, und das jedes Jahr - welche Besonderheit macht diese Stadt so zum Sehnsuchtsort? Es sind die Wagner-Festspiele, die Bayreuth namentlich in alle Welt tragen.

Allerdings ist dies nur eine Facette der Stadt. Die weit ältere dagegen ist an vielen Ecken im Stadtgebiet auszumachen, nämlich die prunkvolle Schlösser-Baukunst der Markgräfin Wilhelmine. Wilhelmine von Preußen, eine Schwester Friedrichs des Großen, hat Bayreuth damals vom kleinen Provinznest zu einer der prunkvollsten deutschen Städte des 18. Jahrhunderts gemacht. Von der preußischen Prinzessin durch die Hochzeit mit Markgraf Friedrich war sie nach drei Jahren zur Markgräfin avanciert. Um nach dem Umzug vom bis dahin gewohnten französischen Stil am Berliner Hof in die damalige kleine Residenzstadt den als empfundenen gesellschaftlichen Abstieg zu widerlegen, begann sie die kleine Markgrafschaft durch prachtvolle Bauten zu formen. Sie gestaltet die Eremitage neu, plant das Markgräfliche Opernhaus und lässt das Neue Schloss bauen.

Perlen des Barocks

"Vorhang auf!" heißt es seit 2018 wieder im Markgräfliche Opernhaus. Sechs Jahre lang dauerte die detailgetreue Sanierung, jetzt versprüht es von Neuem barocken Charme. Es gilt als einzigartiges Zeugnis barocker Theaterkultur und ist seit 2012 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Das aus Holz gefertigte Logentheater mit bemalter Leinwand war zu Wilhelmines Zeit in Größe und Prachtfülle nur vergleichbar mit Häusern in Wien, Dresden, Paris oder Venedig. Überliefert dazu ist auch ein Zitat Voltaires: "Ehedem mussten Dichter und Künstler nach Neapel, Florenz oder Ferrara wallfahrten, heute ist ihr Ziel Bayreuth."

Das Neue Schloss wiederum erlangt seine Einzigartigkeit in der außerordentlichen Gestaltung seiner Innenräume und kennzeichnet den "Bayreuther Rokoko". Der angrenzende Hofgarten ist eine weitläufige Parkanlage mit Wasserläufen, künstlichen Inseln und Statuen der Barockzeit. Er bildet die "grüne Lunge" der Stadt und eine Oase der Ruhe, die die Studenten der Universität gerne nutzen.

Am Ostrand der Stadt befinden sich das Alte Schloss und die Eremitage, eine Gartenkunstanlage mit Wasserspielen, künstlichen Theaterruinen, Grotten. Die halbkreisförmige Orangerie führt zentral einen Sonnentempel als Sinnbild absolutistischer Macht. Wilhelmine ließ das kleine Schloss um zwei Seitenflügel erweitern und die Innere Grotte anfügen. In dem mit Glasschlacken und Muscheln verkleideten Raum, zelebrieren mehr als 200 im Boden verborgenen Spritzdüsen die inneren Wasserspiele. Hier kommt man nur im Rahmen einer Führung rein - und nur selten ganz trocken wieder heraus.

Dichter und Komponisten

Spätestens hier im Park fallen auch die Wegweiser zum Jean-Paul-Weg auf. Der Etappenwanderweg mit literarischen Stationen führt vom Frankenwald über das Fichtelgebirge durch Bayreuth nach Sanspareil und verbindet Orte und Landschaften, die dem fantasievollen und damals sehr beliebten Schriftsteller mit großem Wortschatz so viel bedeuteten. Seine letzten 21 Jahre lebte Jean Paul in der Stadt. Im Jean-Paul-Museum kann jeder detailliert seinem Leben und Werk nachspüren. Amüsant und geistreich sind einige des Dichters Aphorismen, wie: "Nur in kleinen Stübchen wird man größer."

Ein paar Hausnummern weiter erzählt das Franz-Liszt-Museum über das Werk und Leben des Komponisten und Klaviervirtuosen. Eine große Nummer dagegen liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Wahnfriedstraße: Richard Wagners Wohnhaus "Wahnfried" und das Richard-Wagner-Museum. Nach dem An- und Umbau 2015 ist hier eine ausführliche Dokumentation zum Leben, Werk und Schaffen des Komponisten und Dramatikers entstanden. Durch seine zweite Ehe mit Cosima wurde er Franz Liszts Schwiegersohn. Das Familiengrab von Richard und Cosima liegt im Hofgarten vor der Villa Wahnfried.

Und von da aus zieht der ausgeschilderte "Walk of Wagner" durch die Stadt, an Schlosskirche, neuem Rathaus und Bahnhof vorbei, hoch zum Grünen Hügel. Zum Festspielhaus seiner eigenen Werke. Gut hundert Jahre nach Wilhelmines Tod war Richard Wagner auf der Suche nach einer Spielstätte für seine Werke. Er fand das Markgräfliche Opernhaus dafür nicht geeignet, entdeckte dadurch aber die Stadt und errichtete in Bayreuth sein eigenes Festspielhaus: außen schlicht, in roter Backsteinfassade, innen der Akustik gewidmet.

Gartenkunst und Bier

Folgt man dem Jean Paul-Weg weiter in Richtung Westen, so wird nach etwa fünf Kilometern Schloss und Park Fantaisie erreicht. Das Schloss, erbaut noch von Wilhelmines einziger Tochter Elisabeth Friederike Sophie, beherbergt heute das Gartenkunstmuseum, das sich der Gartengeschichte Süddeutschlands, insbesondere Bayerns und Frankens, widmet. Der großangelegte Park ringsum umfasst Gestaltungselemente aus den Stilphasen Rokoko, Empfindsamkeit und Historismus. Gartenpavillon, Neptunbrunnen, Kaskade und Treppenanlagen sind erhalten geblieben.

Neben Wagner, Wilhelmine und Weltkulturerbe gibt's noch ein schmackhaftes "W" zu entdecken: Maisel's Weisse. Jean Paul frohlockte: "Wenn ich nach Bayreuth komme. Himmel! Welch ein Bier!"

Bayreuth hat als Bierstadt eine lange Tradition, liegt sie doch in Oberfrankens Region mit der weltweit höchsten Brauereidichte. Maisel's Bier-Erlebnis-Welt verführt den Besucher im denkmalgeschützten historischen Stammhaus. Mit auf 4.500 Quadratmetern erlebbarer Bierbrauerkunst steht es als umfangreichstes Biermuseum der Welt im Guinness Buch der Rekorde.

In der Nachbarschaft befindet sich die Bayreuther Bierbrauerei AG. 400 Jahre alte Stufen führen hinab ins Labyrinth unter der Stadt, in die Felsenkeller. Bestaunen lassen sich heute die Katakomben mit Brauhistorie und Stadtgeschichte, inklusive Kostprobe eines Aktien- Zwick'l-Kellerbiers.

Jean Paul lobte: "Du liebes Bayreuth, auf einem so schön gearbeiteten, so grün angestrichen Präsentierteller von Gegend einem dargeboten - man sollte sich einbohren in dich, um nimmer herauszukönnen."

 
 

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