Bayern Kritik und Verteidigung: Übertrittszeugnisse spalten Meinung

München (dpa/lby) - Einen Tag vor Verleihung der Übertrittszeugnisse im Freistaat hat das für die weitere Schullaufbahn von Viertklässlern richtungsweisende Verfahren für Kritik gesorgt. "Das sogenannte Grundschulabitur terrorisiert in Bayern seit Jahren Kinder, Eltern und Lehrpersonen. Es gehört endlich abgeschafft", forderte etwa die SPD-Landtagsfraktion. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband betonte am Donnerstag: "Von einer fairen und vergleichbaren Ermittlung der immer noch notwendigen Notendurchschnitte kann in diesen Zeiten beim besten Willen nicht mehr die Rede sein."

In Bayern wird ein bestimmter Durchschnitt der Noten in den drei Hauptfächern benötigt, um nach der Grundschule auf das Gymnasium oder die Realschule gehen zu dürfen. "Das "Damoklesschwert Übertritt" macht unbeschwertes Lernen fast unmöglich", urteilten die Landtags-Grünen. Nach vielen Wochen mit Distanz- und Wechselunterricht sowie völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in den einzelnen Schulen und Familien seien eine Vergleichbarkeit und eine faire Beurteilung gar nicht möglich.

Der bayerische Philologenverband, Vertreter der Gymnasiallehrkräfte, hält hingegen das Festhalten am Übertrittszeugnis auch im Corona-Ausnahmeschuljahr für "sinnvoll und pädagogisch". Die Lehrkräfte an den Grundschulen wüssten sehr genau, wer für welche weiterführende Schule infrage komme. "Und diese Beurteilung muss auf validen Noten basieren, diese sind der beste und sicherste Indikator für den späteren schulischen Erfolg", erläuterte der Vorsitzende Michael Schwägerl.

Der bayerische Realschullehrerverband blies ins gleiche Horn: "Es ist wichtig, das der Übertritt an eine weiterführende Schule weiter auf Leistungskriterien aufbaut. Daran darf nicht gerüttelt werden", sagte Vorsitzender Jürgen Böhm. Leistungskriterien könnten angepasst auch in Corona-Zeiten festgestellt werden.

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