Auslandsblog Eintrag 10: How to say "Goodbye" (12. September 2019)

Es gab da mal eine Weisheit, die wir alle Winnie Pooh zu verdanken haben. Daran musste ich denken, als ich meine Gastfamilie zum letzten Mal umarmt habe. Das war das letzte Mal, als mir meine Gastmutter einen ihrer beruhigenden Küsse auf die Stirn gedrückt hat. Das letzte Mal, als mir mein Gastvater sanft auf mein rechtes Schulterblatt geklopft hat, und das letzte Mal, als ich meiner Gastschwester in ihre eisblauen, weichen Augen geblickt habe. Und während wir uns alle angelächelt haben, standen uns die süßen Tränen eines Abschieds in den Augen, der uns allen einen kleinen Stich ins Herz versetzt hat. Er hat uns aber auch an all die schönen Momente, die wir miteinander verbringen durften, und all die bitteren Schwierigkeiten, die sich uns manchmal in den Weg gestellt haben, erinnert. Aber wir haben sie gemeinsam gemeistert und sind dadurch als Familie gewachsen. Das gibt einem ein Gefühl der Zufriedenheit.

Vergeben zeugt von Reife

Ich selber habe das vielleicht etwas zu spät realisiert, aber es zählt vor allem die persönliche Entwicklung die am Ende vor einem liegt. So möchte ich an dieser Stelle einen kleinen Ratschlag an andere Austauschschüler, aber vor allem auch an jede einzelne Person weitergeben, die diesen Text liest: Vergeben ist in keinem Fall eine Schwäche. Es ist eine der größten und schwersten Taten, die nur von Reife kommen kann. Sie bedeutet Liebe in einer ganz anderen Art, und zu vergeben ist der perfekte Beweis dafür, dass man liebt. Denn vergeben ist keine Schwäche. Vergeben ist eine Stärke, eine der unfassbarsten Stärken der Menschheit.

Wie ein Märchen

Denke ich jetzt an mein Austauschjahr zurück, war es alles andere als perfekt, auch wenn es sich anfangs wie ein Märchen angehört hat. Eine kleine reiche Familie im Süden von Florida, dem Sonnenscheinstaat der USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hat beschlossen ein einfaches Mädchen aus einer Kleinstadt in Bayern aufzunehmen und für ein Jahr bei sich leben zu lassen. Und wie unglaublich glücklich dieses Mädchen war, als sie realisiert hat, dass diese Familie sie als Teil ihrer eigenen angesehen hat.

Aber ein makelloses Auslandsjahr gibt es nicht. Es wird immer unglaublich viele Tiefpunkte, Schwierigkeiten und Hürden geben, die jedoch alle mit Stärke, Liebe und Unterstützung überwindet werden können. Und auch wenn man von anderen verletzt wurde, ist es unglaublich wichtig zu vergeben. Allen, aber auch sich selbst. Dieses Auslandsjahr hat mich eben dies realisieren lassen. Die Fähigkeit, vergeben zu können, ist unglaublich wichtig, möchte man ein glückliches Leben führen.

Es kommt auf die Leute an

Ein Freund von mir hat mal gesagt, dass es absolut nicht darauf ankommt, wo man für sein Auslandsjahr platziert wird, es kommt auf die Leute an und wie man sein Auslandsjahr mit diesen gestaltet. Und so kamen mir Winnie Poohs Worte in den Sinng, als ich zu meiner Gastfamilie und all meinen Freunden und Lehrern „Goodbye“, „Adios“, „Ciao“, und „Au Revoir“ gesagt habe. Der sagte nämlich: „Wie glücklich ich bin, etwas zu haben, dass den Abschied so schwer macht.“ Und genau das macht auch mich glücklich.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading