Psychotherapeuten trauen sich oft nicht, Traumapatienten wie etwa Missbrauchsopfer zu behandeln, sagt Jugendpsychiater Professor Jörg Fegert im Interview. Als Präsident der Deutschen Traumastiftung möchte er das ändern.

Als 2010 Fälle systematischen sexuellen Missbrauchs an Schülern wie etwa am Canisius-Kolleg in Berlin ans Licht kamen, initiierte die Bundesregierung die Aufklärungskampagne "Sprechen hilft". Eine Anlaufstelle sollte Opfer sexuellen Missbrauchs ermutigen, über ihr Schicksal zu sprechen. Über 900 Briefe und E-Mails gingen an die damalige Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs Christine Bergmann. Zehn Jahre später wollte man wissen, ob es den Betroffenen wirklich geholfen hat, ihr Schweigen zu brechen. Professor Dr. Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, war maßgeblich an dem Auswertungsprojekt beteiligt.