30. Spieltag Bayern weiter auf Titelkurs - Lewandowski gefrustet

Robert Lewandowski (l) erzielt das Tor zum 4:1 für die Bayern in Leverkusen per Kopf. Foto: Matthias Hangst/Getty Images Europe/Pool/dpa/dpa

Der FC Bayern siegt und siegt und siegt. Schon am kommenden, dem viertletzten Spieltag, könnte er im Idealfall den achten Titel in Folge perfekt machen. Allerdings fehlen den Münchnern dann der beste Torjäger und der beste Vorbereiter der gesamten Liga.

Leverkusen - Robert Lewandowski hatte Gesprächsbedarf. Seine Kollegen waren schon längst in der Kabine, da redete der Torjäger des FC Bayern München immer noch auf Schiedsrichter Manuel Gräfe ein.

Zwar können die Bayern nach dem souveränen 4:2 (3:1) bei Bayer Leverkusen im Idealfall schon in der nächsten Woche gegen Borussia Mönchengladbach den achten Meistertitel in Folge perfekt machen. Doch Lewandowski und sein kongenialer Assist-König Thomas Müller werden dann wegen der fünften Gelben Karte fehlen.

Für Trainer Hansi Flick sind die Sperren "schon ärgerlich". Der Erfolgstrainer, der mit den Münchnern am Samstag den elften Pflichtspiel-Sieg in Folge feierte, konnte dem Fehlen des 30-maligen Torschützen und des 20-maligen Vorbereiters dieser Saison aber sogar positive Dinge abgewinnen. "Wir werden gegen Mönchengladbach zwei andere Spieler sehen, das ist auch mal gut", sagte Flick: "Und die beiden können gegen Eintracht Frankfurt 90 Minuten Vollgas geben."

Gegen die Hessen können die Münchner am Mittwoch ins Endspiel des DFB-Pokals einziehen. Und im Moment scheint es wirklich nichts und niemanden zu geben, der sie aufhalten könnte. Am Samstag gerieten sie gegen einen Gegner, der sie zuletzt zweimal bezwang und eine ebenfalls imposante Rückrunde spielt, früh durch Lucas Alario in Rückstand (9.). Und dennoch nie wirklich ins Wanken.

"Das sind aktuell möglicherweise die besten Bayern der letzten zehn oder 15 Jahre", sagte Sky-Experte Dietmar Hamann, selbst fünf Jahre Profi bei den Münchnern. Die sichere Champions-League-Teilnahme machten die Bayern am Samstag quasi nebenbei fix.

Kingsley Coman (27. Minute), Leon Goretzka (42.), Serge Gnabry (45.) und Lewandowski (66.) - natürlich nach Flanke von Müller - drehten am Samstag das Spiel. Vielleicht sei es "ganz gut" gewesen, mal in Rückstand geraten zu sein, sagte Flick: "Weil die Mannschaft sich dann nach anfänglichen Problemen aufgerappelt hat."

Zum Symbol des Umschwungs wurde dabei der schon in den vergangenen Wochen sehr starke Goretzka, der den Ausgleich mit einer starken Balleroberung und einem Traumpass einleitete und das Führungstor selbst erzielte. Der 25-Jährige bildet mit Joshua Kimmich ein kongeniales Duo im defensiven Mittelfeld und nimmt mehr und mehr eine Chef-Rolle bei den Bayern ein. "Er hat aktuell, gerade was die Physis betrifft, eine wahnsinnige Präsenz", lobte Flick, nachdem Goretzka in der Corona-Pause augenscheinlich Muskeln aufgebaut hatte.

Einen, den die Münchner gerne wollen, konnte Flick am Samstag wie im Hinspiel nicht in Augenschein nehmen. Kai Havertz machte der Schlag aufs Knie in Freiburg in der Vorwoche doch mehr zu schaffen. Der Verein nannte "muskuläre Probleme" als Grund, Bosz quasi eine Kombination aus beiden. Ob der 20-Jährige am Dienstag im Pokal-Halbfinale beim Drittliga-Aufsteiger 1. FC Saarbrücken spielen kann, ist offen. Falls ja, könnte er mithelfen, sich eine dritte Chance für einen Einsatz gegen die Bayern zu erspielen. Am 4. Juli im Pokal-Endspiel.

Für die positivsten Schlagzeilen aus Leverkusener Sicht sorgte am Samstag ein anderes Ausnahme-Talent. Florian Wirtz, der Manuel Neuer mit einem frechen Schlenzer zum 2:4 (89.) überwand und durch seinen ersten Treffer im Alter von 17 Jahren und 34 Tagen zum jüngsten Bundesliga-Torschützen der Bundesliga-Geschichte aufstieg.

Sein Trainer Peter Bosz pries Wirtz zwar als "Riesen-Talent", wollte ihn aber sonst nicht in den Himmel heben. Im Gegenteil. "Dieser Junge hat heute seine beste Lektion bekommen, seit er Fußball spielt", mahnte der Niederländer stattdessen: "Bei den ersten drei, vier Ballkontakten hat er den Ball immer verloren. Aber er ist ein guter und intelligenter Spieler. Er nimmt das an und wird daraus lernen, dass man in der Bundesliga wenig Zeit hat."

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse: