100 Jahre Freistaat Bayern Drei Vereine um die Vorherrschaft in München

Doch auch München war zu dieser Zeit keineswegs ein weißer Fleck auf der Fußball-Landkarte. Eine klare Nummer eins gab es jedoch damals in der Stadt nicht. Neben dem FC Bayern und dem TSV 1860 kämpfte noch ein dritter Verein um die Vorherrschaft in der Stadt: Der FC Wacker München war in den 20er Jahren eine große Nummer in der Landeshauptstadt. Heute heißt für Wacker die Realität achte Liga vor zumeist etwa 50 Zuschauern. Wacker, im Stadtteil Sendling beheimatet, schaffte es im Jahr 1921 zum Südbayerischen Fußballmeister. Den größten Erfolg erzielte der Verein jedoch ein Jahr später, als Süddeutscher Fußballmeister drang die Mannschaft bis ins Halbfinale der Endrunde um die deutsche Meisterschaft vor - gleiches gelang im Jahr 1928.

Ins Finale ein, zog in den 20er Jahren kein Münchener Club: Der FC Bayern schaffte es bei seinen drei Endrundenteilnahmen einmal ins Halbfinale, ebenfalls im Jahr 1928, der TSV 1860 München im Jahr 1927. "Bei den drei Münchener Vereinen war es ähnlich wie in Nürnberg und Fürth, auch sie verpflichteten immer wieder Spieler und Trainer aus ganz Deutschland und darüber hinaus."

Beim FC Bayern saß nach dem ersten Weltkrieg bereits der legendäre jüdische Fußballfunktionär Kurt Landauer, der später vor den Nazis in die Schweiz fliehen musste, auf dem Präsidentenstuhl. Er vertraute auf der Trainerposition vermehrt auf Vertreter aus dem modernen Donaufußball, mit Izidor Kürschner, der auch Nürnberg trainierte, Leo Weisz und Kalman Konrad. Ungaren als Trainer waren auch bei Wacker beliebt, mit dem ehemaligen Nationalspieler Alfred Schaffer gelang der Sprung ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Warum die Münchener Vereine nicht ganz die fränkischen Erfolge erzielten, ist für Tschorn schwer auszumachen. Er könne sich aber vorstellen, dass die Konkurrenzsituation zwischen gleich drei Clubs zu groß war.

Spitzenfußball auf Zentren konzentriert

"Der Spitzenfußball in Bayern hat sich zu dieser Zeit nur in den beiden Zentren München und Nürnberg/Fürth entwickelt. Das waren einfach auch die größten Handelszentren", fasst der Fußballhistoriker zusammen. Der FC Augsburg, die heutige Nummer zwei in Bayern, war im jungen Freistaat noch keine Topadresse. Nur ein Jahr spielte der Vorgängerverein BC in den 20er Jahren in der höchstmöglichen Spielklasse.

So hießen für die Schwaben damals die Gegner VfR Günzburg oder FV Ulm und nicht 1. FC Nürnberg oder FC Bayern München. "Fußballfeiertage" wie am Samstag zwischen Dortmund und Bayern gab es am Fürther Ronhof zu feiern, wenn der 1. FC Nürnberg aufkreuzte.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading