Ist weniger Fleisch mehr?

Regina ist dem Ernährungstrend der Flexitarier auf der Spur


Regina Berger wohnt in Irlbach im Landkreis Straubing-Bogen.

Regina Berger wohnt in Irlbach im Landkreis Straubing-Bogen.

Von Redaktion idowa

Heutzutage gibt es in Deutschland viele Vegetarier und Veganer. Laut dem Vegetarierbund Deutschland sind es im Moment etwa neun Prozent der Bevölkerung, die bewusst auf Fleisch und Wurst beziehungsweise ganz auf tierische Produkte verzichten. Neben Vegetariern und Veganern taucht in letzter Zeit auch immer öfter der Begriff "Flexitarier" auf. Doch was genau steckt dahinter?

Viele Menschen in Deutschland sind bereits Flexitarier, ohne den Begriff überhaupt zu kennen. Sie reduzieren bewusst ihren Fleischkonsum und wenn es doch einmal Fleisch sein soll, dann aus artgerechter Tierhaltung. Gründe, warum man sich dazu entscheidet, Flexitarier - also Teilzeit-Vegetarier - zu werden, gibt es aus ethischer, ökologischer und gesundheitlicher Sicht viele.

Viele Tiere leiden zum Beispiel in ihren viel zu kleinen, meist fensterlosen Ställen und werden dort in Rekordzeit mit oft genmanipuliertem Futter schlachtreif gemästet. Zudem kommt es neben der nicht artgerechten Massentierhaltung noch zu langen Tiertransporten auf dem Weg zur Schlachtung. Dort werden die Tiere häufig nicht ausreichend betäubt, wie die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen antwortete.

Ein weiteres Argument ist die Zerstörung der Umwelt auf die PETA Deutschland hinweist. Vergleichsweise braucht eine fleischhaltige Ernährungsweise täglich mehr als dreimal so viel Liter unserer Trinkwasserressourcen als vegetarische. Des Weiteren werden nach Angaben des "Fleischatlas 2014" immer weiter große Mengen an Flächen, beispielsweise im Regenwald, abgeholzt und für die Tierwirtschaft verwendet.

Der Grund, warum wohl die meisten Flexitarier ihren Fleischkonsum einschränken, ist ihre eigene Gesundheit. Der übermäßige Verzehr von rotem Fleisch kann Darmkrebserkrankungen und Diabetes II begünstigen, wie Forscher der Harvard School of Public Health in Boston herausgefunden haben. Aber auch Übergewicht wird nach Angaben des Ernährungswissenschaftlers Prof. Dr. Rer. Nat. Claus Leitzmann durch das fetthaltige Fleisch gefördert, was wiederum zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu essen - bei einer Portion von 200 Gramm könnte man also dreimal die Woche ein Gericht mit Fleisch kochen.

Dennoch gibt es Bedenken wegen Mangelerscheinungen durch den dem verringerten Fleischkonsum. Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als auch die unabhängige Gesundheitsberatung bestätigen jedoch, dass diese bei einer gesunden, abwechslungsreichen und ausgewogenen Nahrungszusammenstellung unbegründet sind.

Warum also nicht ab und zu auf billiges Fleisch verzichten und dafür ein hochwertiges Stück aus artgerechter Tierhaltung genießen?

Der einfachste Weg hierbei ist Bioprodukte zu kaufen, welche das EU-Bio-Siegel haben. Die Haltung dieser Tiere ist um einiges besser als die Massentierhaltung, zum Beispiel durch mehr Platz im Stall. Mehr Bio durch strengere Verordnungen bekommt man durch die Siegel der Bio-Verbände wie Bioland, Demeter und Naturland, welche die drei Größten in Deutschland sind. Am besten ist jedoch, wenn man sich selber aktiv auf die Suche nach Bio-Bauern in der Umgebung macht. Somit fördert man gleichzeitig auch noch die Wirtschaft in der eigenen Region. Im Gegensatz zur Supermarkttheke kann man sich dort selbst von der Haltung und Schlachtung der Tiere überzeugen. Aber auch dieses Fleisch sollte man nur in Maßen genießen, wodurch der Kaufpreis ausgeglichen wird.

Wem die Umstellung anfangs Schwierigkeiten bereitet, findet im Internet oder in Kochbüchern vielfältige Anregungen zum Nachmachen - oft kann man auch statt Fleisch einfach "Ersatz"-Produkte aus Soja, Seitan oder Tofu verwenden, die es in vielen Supermärkten und Bioläden gibt. Und auch eine große Anzahl an Restaurants bieten mittlerweile vegetarische Gerichte an oder lassen sich auf Nachfrage fleischlose Alternativen einfallen.

Auch wenn es am Anfang nicht leicht fällt, lohnt es sich, weniger tierische Produkte zu konsumieren.