Buch-Tipp

In „Evermind - Sie kennt dich“ bestimmt eine KI über Menschen

Jeder bekommt dank ihr ein perfektes Leben, behauptet die KI. Und zunächst scheint alles perfekt. Doch Protagonistin Livia beginnt, nach und nach das System zu hinterfragen. Und deckt Erschreckendes auf.

„Evermind - Sie kennt dich“ von Melissa C. Hill, erschienen bei Oetinger.

„Evermind - Sie kennt dich“ von Melissa C. Hill, erschienen bei Oetinger.

Es ist das Thema zurzeit: KI. Die digitale Macht, die scheinbar zu allen Lebensbereichen Informationen liefert. Ist sie eine Gefahr? Oder ein Lebensretter? Zerstörer oder Hilfe? Wie weit ist es ihr eigenständig möglich, in das Leben einzugreifen? Mit diesen Gedanken beschäftigt sich auch Melissa C. Hill in ihrer neuen Dystopie. Die in Mittelfranken geborene und heute 35-jährige Autorin veröffentlicht mit „Evermind - Sie kennt dich“ bereits ihr viertes Jugendbuch.

Darum geht’s: Livia lebt in der City. Eine riesige Stadt im Untergrund, gegliedert in drei Stockwerke, wobei Minus-1 der Oberfläche am nächsten ist. Hier leben die niedrigsten Do-its. Das sind vollwertige Erwachsene mit einer Aufgabe für die City. Ihnen werden nur Aufgaben zugeteilt, die sonst keiner machen will. Auf Minus-2 leben diejenigen mit normalem Verhaltensniveau und normaler, anspruchsvollerer Arbeit, während Minus-3 diejenigen beheimatet, die äußerst wichtige Funktionen für das System erfüllen.

Vor 200 Jahren hat die künstliche Intelligenz „Multipurpose Artificial Mind“, kurz MAM, die Menschheit vor dem Untergang bewahrt. Sie steuert das Leben und die Aufgaben in der City. Für jeden berechnet sie bereits nach dem Aufstehen die Vitalwerte und welche Handgriffe in der jeweiligen Tätigkeit wichtig sind. Kurz: Sie kümmert sich für jeden um das perfekte Leben.

Livia lebt auf Minus-2. Sie steht kurz davor, zu erfahren, in welchem Arbeitsbereich sie eingesetzt wird: MAM berechnet für sie Department N, die Krankenpflege. Wie kann das sein? Livia hatte nie Interessen in diese Richtung gezeigt, eigentlich wird ihr beim Anblick von Blut immer schlecht. Also alles ein Fehler? Aber MAM macht keine Fehler, also muss die Entscheidung stimmen. Doch bei diesem einen Zweifel bleibt es nicht.

Livia erlebt weitere, fragwürdige Situationen, die MAM in ein anderes Licht rücken und Livia das System nach und nach hinterfragen lassen. Aber wie will man gegen eine allwissende, stets präsente KI ankämpfen? Und gibt es noch andere, die so denken wie Livia?

In aller Kürze: Ein Mädchen versucht, sich gegen das System und eine allwissende KI zu stellen.

Fazit: Die Welt der City ist sehr ausgeklügelt und gut dargestellt. Livia ist ein Charakter mit Schwächen, was sie dadurch jedoch zu einer starken Protagonistin macht. Das Einzige, das vielleicht ein bisschen stört an manchen Stellen, ist ihre Impulsivität. Denn sie weiß, dass es gefährlich ist, sich so zu verhalten und tut es trotzdem. Die Nebencharaktere sind vielschichtig und man schließt sie sofort ins Herz, zumindest die auf der guten Seite. Lediglich das Ende kommt ein bisschen zu schnell. Nichtsdestotrotz ist „Evermind - Sie kennt dich“ ein packendes, eindringliches Buch, das zum Nachdenken anregt.

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