Buch-Tipp

In „Der Regenzaubermarkt“ will ein Mädchen ihr Leben umschreiben

Im ersten Buch des südkoreanischen Autors You Yeong-Gwang versucht ein Mädchen, mit Magie ihrer schweren Realität zu entfliehen.

„Der Regenzaubermarkt“ von You Yeong-Gwang, erschienen bei Ueberreuter.

„Der Regenzaubermarkt“ von You Yeong-Gwang, erschienen bei Ueberreuter.

Was haben die Titel „Die Tage in der Buchhandlung Morisaki“, „Ikigai“ oder „Matcha Tee am Montag“ gemeinsam? Es sind alles Romane asiatischer Autoren. Bücher aus Japan oder Korea sind gerade sehr beliebt, nun ist dieser Trend auch beim Jugendbuchbereich angekommen. „Der Regenzaubermarkt“ ist das erste Werk vom Südkoreaner You Yeong-Gwang, der einen harten Weg gehen musste, um Autor zu werden.

Darum geht’s: Serins Leben ist geprägt von Armut und Einsamkeit. Ihre Schwester ist verschwunden, ihr Vater tot und ihre Mutter interessiert sich kaum für sie. Aus diesem Grund schreibt sie einen Brief an den Regenzaubermarkt. Nur einmal im Jahr erscheint dieser, zu Beginn der Regenzeit. Und sie erhält eine Einladung, die nur denen gewährt wird, die wahrlich die Hilfe und Unterstützung des Markts benötigen.

Der Regenzaubermarkt ist ein magischer Ort, an dem man sein Unglück gegen ein neues Leben tauschen kann. In den verschiedenen Läden erwirbt man Murmeln, die, je nach Lebenswunsch, eine andere Variante der Zukunft zeigen. Mit der besonderen Katze Isha an ihrer Seite stürzt sich Serin mit großem Enthusiasmus in die Suche, doch sie muss sich mehr als einmal mit der Frage beschäftigen, ob es wahrlich ein perfektes Leben gibt, offenbart jeder Wunsch doch stets eine Kehrseite. Außerdem gilt es zu beachten, dass sie nur begrenzt Zeit hat, ein mögliches Leben zu wählen, sonst bleibt sie für immer im Regenzaubermarkt gefangen.

In aller Kürze: Serin hat ein schwieriges Leben. Deshalb sucht sie auf einem magischen Markt nach einem anderen, perfekten Leben.

Fazit: Serins Reise ist nahbar und emotional. Das Buch setzt zunächst in ihrem harten Alltag an, bevor es über den Hoffnungsschimmer zum Markt führt. Dieser ist der stärkste Aspekt der Geschichte. Die mystische Atmosphäre ist ruhig, poetisch, märchenhaft oder auch mal ein wenig düster, wenngleich die Mitte der Geschichte ein wenig langatmig erscheint.

Originelle Figuren wechseln sich in „Der Regenzaubermarkt“ ab. Alleine ist man auf dem Markt nie – er ist bevölkert von den Dokebi, Wesen aus der koreanischen Mythologie, die Kobolden oder Waldschraten ähneln. Meist tragen sie Tigerfelle, haben ein Horn auf der Stirn und benutzen magische Keulen. In der Sage spielen sie den Menschen Streiche, prüfen sie oder helfen ihnen. Die Dokebi passen super in die Geschichte, und die Tatsache, dass sie nicht rein der Fiktion des Autors entspringen, macht die Sache noch interessanter.

Hintergrund: Autor You Yeong-Gwang hatte übrigens auch kein leichtes Leben. In der Schule wurde er gemobbt, bei seinem Staatsexamen ist er gescheitert. Er verlor seine gesamten Ersparnisse bei der Suche nach jemandem, der seine Geschichte zu einem Buch macht.

Jedoch gab er trotz jedes gescheiterten Versuchs nie auf: Bücher waren stets sein Anker. Das Schreiben wurde für ihn der Grund, warum er lebte. Mit einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne in Südkorea hat er sich schließlich zurückgekämpft und es endlich geschafft, „Der Regenzaubermarkt“ zu veröffentlichen. Und siehe da: Das Buch wurde zum Bestseller, auch in Deutschland.

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