Kino
Warum „Marty Supreme“ ein Herzinfarkt in Filmform ist
Darum geht’s: Marty Mauser rennt – und zwar so oft, dass man meinen könnte, er sei professioneller Sprinter. Sein Herz gehört aber voll und ganz dem Tischtennis, einem Sport, der 1952 in den USA noch nicht so ganz angekommen ist. Marty muss sich also Geld ergaunern, um sich seine Flugtickets zu den wichtigen Turnieren in London und Tokio leisten zu können. Mal bestiehlt er seinen Onkel, in dessen Schuhgeschäft er arbeitet. Häufig denkt er sich aber auch mit seinem Kumpel Wally irgendwelche Tricks aus, biedert sich bei dem Milliardär Milton Rockwell an oder führt einen stinkreichen, aber gewaltbereiten Hundebesitzer an der Nase herum.
Ein riskantes Leben: Seine Familie lehnt Martys Träume ab, seine Schuldner wollen ihm sein hart verdientes Geld wieder abknöpfen und auch seine Freunde werden immer tiefer in das gierige Loch von Martys Tischtennis-Ambitionen gerissen. Als auch noch seine Freundin schwanger wird und er bei einem Turnier auf den scheinbar unbesiegbaren Spieler Endo trifft, muss Marty versuchen, sein Leben in den Griff zu kriegen. Sein einziger Plan: irgendwie in Japan Weltmeister werden.
Das Besondere: „Marty Supreme“ wird mit neun Nominierungen als ein großer Favorit bei den diesjährigen Oscars gehandelt. Das liegt nicht nur an dem großartigen, chaotischen Skript mit bissigen Dialogen und immer weiter eskalierenden Szenen.
Auch die Schauspieler überzeugen absolut: Timothée Chalamet als Marty Mauser, Odessa A’zion als seine Freundin und Musiker Tyler, The Creator als Wally sind dabei besondere Highlights. Sie schaffen es, nicht in der halsbrecherischen Geschwindigkeit der Geschichte unterzugehen, sondern punkten in jeder Szene, indem sie ihre Figuren schrullig und doch halbwegs ernst spielen. Gwyneth Paltrow als die reiche Schauspielerin Kay Stone liefert auch eine interessante Performance. Nur manchen Cast-Mitgliedern, die nicht als Schauspieler bekannt sind, zum Beispiel Geschäftsmann Kevin O’Leary als reicher Schleimbatzen Milton Rockwell, gelingt es nicht, sich dem doch sehr eigenen Ton des Films anzupassen.
Besonders ist auch, wer hinter der Kamera steht: Josh Safdie hat das Skript geschrieben und Regie geführt. Der Filmemacher ist bekannt für Werke wie „Uncut Gems“, in denen überambitionierte Protagonisten durch ihr Leben stolpern, bis alles eskaliert. Marty Mauser fällt in seinem Film ähnlich nur die Treppe seines Lebens runter und scheint sich nur selten am Geländer zu fangen.
Fazit: „Marty Supreme“ ist komplett überladen mit großartigen Schauspielern und kreativen Szenen, die in dem kontrollierten Chaos des Films übereinanderstolpern. Deshalb ist das Highlight des Streifens auch der zweite Akt, in dem Marty Mauser sich mit den unterschiedlichen Nebenfiguren durch New York kämpft, um genug Geld für seinen Flug zur Weltmeisterschaft in Japan zusammenzukratzen. Als Zuschauer denkt man fünfmal: „Noch schlimmer kann es für Marty nicht werden“, bis der nächste Fehler des Tennisspielers das Chaos noch mehr zuspitzt. Manche Stellen fühlen sich wie ein Herzinfarkt in Filmform an.
Was leider dabei manchmal untergeht: das Tischtennis. Der Sport ist zwar ein großer Teil des Films, dabei aber nie so spannend gefilmt wie das tischlose Tennis im grandiosen Sportdrama „Challengers“ vor einigen Jahren. Dazu kommt, dass der Zuschauer die zweieinhalb Stunden Länge wirklich spürt: Bei einem so überladenen Film hätte das Kürzen von ein paar Anekdoten nicht geschadet, wenn er dadurch nicht einen großen Teil seiner Identität verlieren würde. Deshalb: „Marty Supreme“ ist nicht für jeden. Trotzdem hat der Film es verdient, mit Oscars ausgezeichnet zu werden.
„Marty Supreme“, Sportfilm-Drama, A24, Länge: 150 Minuten, seit 26. Februar 2026 im Kino, freigegeben ab zwölf Jahren.










