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Artikel vom 06. November 2012 12:45, 233 mal gelesen

Landshuter Zeitung

Geschichte der Jos. Thomann´schen Buchdruckerei

Ausgehend von der französischen Februarrevolution des Jahres 1848 brach auch in Deutschland der Bann und zwang die deutschen Regierungen, die Hauptforderungen nach Volksvertretung und Pressefreiheit zu bewilligen. Zeitungen und Zeitschriften schossen wie Pilze aus dem Boden, und die Frankfurter Paulskirchenversammlung proklamierte feierlich in Artikel 4 ihrer Reichsverfassung vom 28. April 1849 die materielle wie auch die formelle Pressefreiheit. Die Gunst der Stunde nutzte auch der Landshuter Buchhändler Johann Baptist von Zabuesnig, der im Jahre 1846 die Witwe seines früheren Prinzipals, Johann Nepomuk Attenkofer, Inhaber der Thomann´schenBuchdruckerei in Landshut, geheiratet hatte. Nachdem bereits im Jahre 1848 der "Niederbayerische Kurier" als Kind des Revolutionsjahres 1848 gegründet worden war, drängten Freunde der konstitutionellen Monarchie in Bayern den damals 28-jährigen Buchhändler und Buchverleger Zabuesnig zur Herausgabe einer bayerisch-konservativen Zeitung.

So erschien am 1. April 1849 die erste Ausgabe der Landshuter Zeitung unter der stolzen Parole "Für Wahrheit, Recht und gesetzliche Freiheit". Der Landshuter Zeitung ist es über Jahrzehnte hinweg gelungen, unter diesem hohen Anspruch durch ihre Kompetenz und ihre Glaubwürdigkeit in Berichterstattung und Kommentierung immer mehr Leser zu gewinnen und für diese ihre Leser zu einem Sprachrohr der öffentlichen Meinung zu werden. Die stetige Aufwärtsentwicklung der Landshuter Zeitung wurde allerdings auch begleitet von jeweils zeitgeschichtlich bedingten Problemen und entsprechenden Hindernissen. Der Erste Weltkrieg, die Instabilität der Weimarer Republik und das darauffolgende nationalsozialistische Herrschaftsregime blieben begreiflicherweise nicht ohne Auswirkungen auf die Entwicklungen der Landshuter Zeitung. Die revolutionären Zeiten 1918/19 und 1932/33 machten die Landshuter Zeitung zur Zielscheibe von Gegnern des freiheitlichen Anspruchs, unter dem die Landshuter Zeitung angetreten war. Die Pressefreiheit wurde unter den genannten zeitgeschichtlichen Aspekten stark eingeschränkt, bis zur Außerkraftsetzung durch Wiedereinführung der Zensur.

Die nationalsozialistische Machtergreifung im Januar 1933 beendete allerdings selbst die eingeschränkte Pressefreiheit im Sinne ihres totalitären Herrschaftssystems schnell und gründlich. Der Reichstagsbrand vom 18. Februar 1933, von den Nazis bewusst und gewollt inszeniert, bot die Voraussetzung für die "Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat". Kurz darauf, am 4. Oktober 1933, wurde das sogenannte Schriftleitergesetz erlassen, das die publizistische Entmachtung der Verleger einläutete und die Voraussetzung dafür bot, Journalisten in den Zeitungshäusern an die Leine des Reichspropagandaministeriums zu nehmen und sie so durch die "Lex Goebbels" in nationalsozialistischem Sinne zu domestizieren.

Dieser Entwicklung konnte sich auch die Landshuter Zeitung nicht erwehren. Nachdem die beiden Verleger und Enkel des Zeitungsgründers, Heinrich von Zabuesnig und Hans von Zabuesnig, bereits im Januar 1940 bzw. im August 1942 verstorben waren, war es für die NS-Machthaber ein leichtes, auch nach dem Betrieb der Landshuter Zeitung zu greifen und ihn in das Korsett der vorgeschriebenen Staatsmeinung zu pressen. 1943 musste die Landshuter Zeitung ihr Erscheinen zugunsten der Ostmark, einer lupenreinen NS-Zeitung, völlig einstellen. Wer nun geglaubt hatte, dass mit dem Ende des Krieges und dem Sieg der Alliierten die ehemaligen Verleger wieder in den Besitz ihres Eigentums und ihrer Verlagsrechte kommen würden, sah sich gründlich getäuscht. Infolge einer langen geplanten alliierten Pressepolitik auf deutschen Boden konnten nicht die von den Nazis entmachteten und häufig enteigneten Altverleger ihre Zeitungen wieder erscheinen lassen, vielmehr wurden durch die Presseoffiziere der Alliierten unbelastete Männer ausgesucht, die dann als Lizenzträger, also als Herausgeber von Zeitungen mit alliierter Genehmigung, in festgelegten Gebieten Zeitungen herausgeben durften.

Auch in Landshut war es der Erbengemeinschaft von Zabuesnig, deren führender Kopf Käthe von Zabuesnig war, obwohl politisch völlig unbelastet beziehungsweise nachweislich Gegner des Naziregimes gewesen, nicht gelungen, die Landshuter Zeitung wieder ins Leben zu rufen. Bis zum Inkrafttreten des Grundgesetzes im Mai 1949 bzw. der allgemeinen Generallizenz im September 1949 gab es infolgedessen auch in Landshut als Lizenzzeitung nur die Isar-Post, und erst mit der erwähnten Generallizenz im September 1949 war es auch der Erbengemeinschaft Zabuesnig möglich, die Landshuter Zeitung wieder erscheinen zu lassen. Obwohl bereits am 24. Mai 1949 das vom parlamentarischen Rat ausgearbeitete Grundgesetz in Kraft getreten war, das die Pressefreiheit (neben der Meinungsäußerungs- und Meinungsverbreitungsfreiheit und der Informationsfreiheit) ausdrücklich gewährleistet, bedurfte es aufgrund der alliierten Vorbehaltsrechte noch einer allgemeinen Generallizenz durch die Alliierten. Diese Chance wurde von der Erbengemeinschaft Zabuesnig genutzt, so dass zunächst zehn Jahre lang, bis 1959, zwei Tageszeitungen in Landshut erschienen. Um im Wettbewerb bestehen zu können, hatten die Verlegerinnen der Landshuter Zeitung sich entschlossen, ab 1. Januar 1951 Verlag und Druckerei an den Verlag Attenkofer in Straubing, an Dr. Georg Huber, Verleger und Herausgeber des Straubinger Tagblatts, zu verpachten. Ab dem 1. Januar 1959 konnte die Landshuter Zeitung, nachdem die Isar-Post ihr Erscheinen am 31. Dezember 1958 eingestellt hatte, ihre alte herausragende Stellung als einzige Tageszeitung in Landshut und in der westlichen Hälfte Niederbayerns wieder einnehmen.

Ein Meilenstein in der Zeit des Verlegers Dr. Georg Huber war der Ankauf der Landshuter Zeitung im Jahr 1974. Dr. Georg Hubers Tochter Christa ehelichte 1962 Dr. Hermann Balle. Dieser leitet seit 1976 als Verleger und Herausgeber die Geschicke der Landshuter Zeitung und des Straubinger Tagblatts. Ihm zur Seite steht seit 2005 als Verleger sein Sohn Prof. Dr. Martin Balle. Der Ankauf der Landshuter Zeitung mit seinen Gebäuden in der Ländgasse und in der Altstadt brachte Veränderungen mit sich. Im November 1974 zieht die Technik des Verlages der Landshuter Zeitung aus der Ländgasse an den Stadtrand zur heutigen Porschestraße; im gleichen Zuge wird in der Länd ein modernes Redaktionsgebäude erstellt. Das Gebäude in der Altstadt 89 wurde 1989/90 von Grund auf renoviert und ebenso mit großzügigen Redaktionsräumen ausgestattet. Im Verlag Landshuter Zeitung/Straubinger Tagblatt erscheinen neben den beiden Hauptausgaben in Landshut und Straubing 13 Bezirksausgaben in der westlichen Hälfte Niederbayerns und Teilen der Oberpfalz und Oberbayerns. Weiterhin werden sieben wöchentliche Anzeigenblätter der Anzeigenblattgruppe aktuell verbreitet. Die Veränderungen in der Medienwelt, das Entstehen lokaler und regionaler Hörfunk- und Fernsehsender und Online-Aktivitäten haben auch die Tageszeitungen zu immer größeren Anstrengungen angespornt, um den Bedürfnissen ihrer Leser weiterhin gerecht zu werden. Die Berichterstattung aus der näheren und ferneren Heimat, also der Lokalteil und der Regionalteil der Landshuter Zeitung, haben hierbei neben den aktuellen und umfassenden Informationen aus der Politik, dem Weltgeschehen und dem Sport natürlich besondere Bedeutung. Der Schwerpunkt wird auch weiterhin der Lokalteil der Landshuter Zeitung sein, der von den Redaktionen mit großem Engagement und mit viel Liebe auch zum Detail täglich erarbeitet und gestaltet wird.

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