Biathletin im Auf und Ab

Erneute Pause: Das Dahlmeier-Rätsel


Setzt schon wieder aus - weil der Körper nicht mitspielt: Biathletin Laura Dahlmeier.

Setzt schon wieder aus - weil der Körper nicht mitspielt: Biathletin Laura Dahlmeier.

Von Guido Verstegen / Online

Nach ihrem Comeback verzichtet die Top-Biathletin auf den Start beim Heim-Weltcup in Oberhof. Die Gesundheit der Doppel-Olympiasiegerin wirft weiter Fragen auf.

München - Einsame Trainingskilometer statt Hexenkessel am Grenzadler: Während sich die deutschen Biathleten beim stimmungsgewaltigen Weltcup in Oberhof Schwung fürs WM-Jahr holen wollen, wird Ausnahmekönnerin Laura Dahlmeier fehlen - wieder einmal.

Abgeschieden von der Öffentlichkeit feilt die gesundheitlich so oft geplagte Biathlon-Königin stattdessen an ihrer Form. "Weniger ist manchmal mehr", schrieb die Doppel-Olympiasiegerin auf Facebook - und muss sich nach ihrem furiosen Weltcup-Comeback wieder gedulden. "Zusammen mit meinen Trainern habe ich mich dazu entschieden, dass es für mich sinnvoller ist, den Heim-Weltcup in Oberhof auszulassen und noch einen Trainingsblock einzuschieben", erklärte die siebenmalige Weltmeisterin, die erst kurz vor Weihnachten nach langer Pause in den Weltcup zurückgekehrt war.

Doch der Körper will in dieser Saison einfach nicht mitspielen, eine Erkältung über die Feiertage bremste Dahlmeier wieder aus. "Man hört es ihr schon noch an", sagte Stefan Schwarzbach, Sprecher des Deutschen Skiverbandes, am Dienstag und fügte hinzu: "Oberste Prämisse ist, dass man nichts riskiert."


Laura Dahlmeier: Zunächst überraschend schnell wieder fit

Die Gesundheit Dahlmeiers ist ein fragiles Gebilde, man ist vorsichtig geworden beim DSV. Erst Anfang November war die Partenkirchnerin in ein leichtes Training eingestiegen, nachdem sie in Folge mehrerer gesundheitlicher Rückschläge und eines geschwächten Immunsystems eine Zwangspause eingelegt hatte.

Doch Dahlmeier wäre nicht Dahlmeier, wenn sie nicht bärenstark zurückkehren würde. Etwas überraschend feierte sie schon kurz vor Weihnachten ihr Comeback und sprintete in Nove Mesto in ihrem ersten Weltcup-Rennen seit März gleich auf Rang zwei, im Jagdrennen ließ sie Platz fünf folgen.

"Wir waren in Nove Mesto positiv überrascht, auf was für einem hohen Leistungsniveau sich Laura nach ihrer gesundheitsbedingten Wettkampfpause präsentiert hat", sagte Florian Steirer, Disziplin-Trainer der deutschen Frauen: "Das zeigt einmal mehr, was sie für eine absolute Ausnahmeathletin ist. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass wir nach einer so schwierigen Phase jede Woche Höchstleistungen und Wunder erwarten dürfen."

Schwazrbach: Dahlmeier "ist ein Rennpferd"

Also heißt das Motto weiter Geduld - auch wenn dies Dahlmeier in ihrem immensen Tatendrang widerstrebt. "Sie ist ein Rennpferd und möchte auf die Strecke", sagte Schwarzbach: "Aber sie hat gelernt, auf ihren Körper zu hören, und kann das mittlerweile einschätzen."

Dahlmeier will nichts überstürzen, schließlich ist und bleibt das oberste Ziel in dieser Saison die WM im März. Gleich fünf Titel hat die 25-Jährige im schwedischen Östersund zu verteidigen, darüber hinaus will sie unbedingt die Goldmedaille im Sprint, die in ihrer üppigen Medaillensammlung noch fehlt.

"Das Gute an der ganzen Situation - wenn es denn etwas Gutes gibt - ist, dass die WM in diesem Jahr sehr spät ist", sagte Schwarzbach. Vier Weltcups blieben Dahlmeier vor dem Saisonhöhepunkt, schon in der kommenden Woche bei den Wettkämpfen in Ruhpolding sei ein Start bei gutem Training möglich, sagte Schwarzbach und blickte optimistisch voraus: "Es bleibt noch Zeit." Nur der Körper muss endlich mal wieder richtig mitspielen.