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Artikel vom 16. January 2013 07:20, 1045 mal gelesen

Jürgen Rumrich im Interview

„Eishockey in Landshut soll wieder Kult werden“

Wechsel nach Österreich für die Cannibals aktuell kein Thema – Sorgen über Zuschauerrückgang

Autor: Bernhard Beez
Jürgen Rumrich ist trotz der mageren Vorstellungen der Cannibals zuletzt in den Heimspielen zuversichtlich gestimmt: "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir jetzt sportlich wieder erfolgreich sein werden."

Jürgen Rumrich ist trotz der mageren Vorstellungen der Cannibals zuletzt in den Heimspielen zuversichtlich gestimmt: "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir jetzt sportlich wieder erfolgreich sein werden."

Rund zwei Drittel der Hauptrunde sind in der zweiten Eishockey-Bundesliga mittlerweile absolviert. Die Landshut Cannibals liegen als Titelverteidiger momentan auf Rang fünf und bleiben damit doch ein Stück weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Das gilt auch für den Zuschauerzuspruch, der im Vergleich zur Vorsaison relativ deutlich gesunken ist. LES-Geschäftsführer Jürgen Rumrich spricht im LZ-Interview darüber, wie er diesen Abwärtstrend stoppen will, wie die sportlichen Perspektiven aussehen und ob die zweite Bundesliga unter den aktuellen Bedingungen langfristig überhaupt überlebensfähig ist.

Herr Rumrich, in der letzten Saison pilgerten durchschnittlich 2600 Zuschauer an den Gutenbergweg. Diesen Schnitt wollte man in der laufenden Spielzeit nochmals steigern, auf 2900. Aktuell liegt man bei knapp 2000 Besuchern pro Spiel. War dieses Ziel nicht von vornherein ziemlich unrealistisch, angesichts der Tatsache, dass man selbst als Meister kein Aufstiegsrecht besitzt?

Rumrich: Es stimmt, dass wir uns ein recht ambitioniertes Ziel gesetzt haben. Aber man hat in vielen Gesprächen in der Sommerpause gespürt, dass durch die Meisterschaft eine neue Euphorie geweckt wurde. Und ich denke schon, dass wir hier guten Sport bieten - vielleicht abgesehen von den letzten Heimspielen, in denen wir leider nicht so erfolgreich waren. Unser Ziel ist und bleibt, dass um das Eishockey in Landshut wieder ein regelrechter Kult entsteht, wie es früher schon einmal war. Deshalb halte ich es nach wie vor für realistisch, mittel- und langfristig einen Zuschauerschnitt in besagter Größenordung zu erreichen.

Aber die Enttäuschung im Umfeld und unter den Anhängern der Landshut Cannibals war unbestritten riesengroß, dass man trotz des Titelgewinns nicht in der DEL antreten darf - weil die Regularien im deutschen Eishockey keinen Auf- und Abstieg vorsehen. War es da nicht ein Eigentor, vor der Saison auch noch die Eintrittspreise anzuheben?

Rumrich: Wir wollten die Meistermannschaft weitestgehend zusammenhalten. Auch im Stadionumfeld haben wir investiert, um den Komfort für die Zuschauer zu verbessern. Das kostet aber Geld, irgendwie muss das finanziert werden. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Eintrittspreise anzuheben.

Doch die Zuschauer bleiben zumindest teilweise weg, was ein tiefes Loch in die Kasse reißt. Wie kann man das Minus auffangen?

Rumrich: Der Fehlbetrag wird - und wurde zum Teil schon - von unserem Investor, Herrn Beck, ausgeglichen. Damit hat sich Rainer Beck mehr als deutlich zum Eishockey-Standort Landshut bekannt. Und natürlich hoffe ich, dass wir die Zuschauer in den kommenden Wochen vermehrt ins Stadion locken und in den Play-offs möglichst weit kommen. Dann können wir das Minus noch deutlich verringern.

Die zweite Liga tut sich insgesamt schwer, vor allem der bereits angesprochene fehlende Auf- und Abstieg sorgt für Unverständnis bei den Fans. Können Sie das nachvollziehen?

Rumrich: Natürlich, diese Situation ist für uns alle sehr unbefriedigend. Man kann unser System nicht mit dem Spielbetrieb in Nordamerika, wo es in keiner Sportart Auf- und Abstieg gibt, vergleichen. Aber hinter den Kulissen bewegt sich etwas, auch wenn ich das noch nicht an die Öffentlichkeit geben kann. Klar ist für mich aber: Das jährliche Sommertheater im deutschen Eishockey mit den vielen Grabenkämpfen ist unserer Sportart sicher nicht förderlich. Die negative Presse schadet enorm. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um unsere Sportart wieder nach vorn zu bringen.

Aber wenn man etwas verändern will, tut man sich als einzelner Verein schwer. Gesetzt den Fall, dass alles im deutschen Eishockey so bleibt, wie es ist: Können Sie sich vorstellen, dann doch - wie es schon mal angedacht war - in die hoch professionelle EBEL zu wechseln, die von Österreich aus gemanagte Liga mit Vereinen aus Österreich, Tschechien, Ungarn, Slowenien und Kroatien?

Rumrich: Das ist für uns momentan überhaupt kein Thema - und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es mal eines wird. Die zweite deutsche Liga ist jetzt unser Zuhause. Das ist sportlich gesehen eine Top-Liga, in der viele junge deutsche Talente zu exzellenten Spielern heranreifen können. Dazu ist die Leistungsdichte enorm, jeder kann im Prinzip jeden schlagen. Für die Zuschauer ist das in meinen Augen sehr attraktiv.

Zur Abwechslung sorgte das deutsche Eishockey kürzlich mal für sehr positive Schlagzeilen. 50 000 Zuschauer feierten im Nürnberger Fußballstadion beim "Winter Game" gegen die Eisbären Berlin eine riesige Party.

Rumrich: Das war wirklich eine ganz tolle Sache. Ich stand ja selbst dort auf dem Eis, bei einem Prominentenspiel im Rahmenprogramm. Die ganze Atmosphäre war grandios - es war einfach super.

Wäre so ein "Winter Game" auch in der zweiten Liga - vielleicht sogar in Landshut - denkbar?

Rumrich: Warum nicht? Vorstellbar wäre das sicher. Aber da bräuchte man jemanden, der finanziell in Vorleistung geht, zudem ist es ein immenser personeller Aufwand, der da zu bewältigen ist. Und in Landshut sehe ich auch kein geeignetes Stadion dafür, selbst das Speedwaystadion wäre wohl zu klein dafür. Zudem haben wir momentan sicher andere Baustellen...

Zum Beispiel an der Sponsoren-Front. Wie ist das der Stand der Dinge?

Rumrich: Die Resonanz ist insgesamt sehr positiv, im Vergleich zum Vorjahr konnten wir das Volumen - trotz des Nichtaufstiegs - um etwa zehn Prozent steigern. Unsere Sponsoren ziehen mit. Sie merken, dass sich hier etwas bewegt und wollen Teil des Ganzen sein.

Gerüchteweise wird der VIP-Raum im Stadion sogar zu klein, es soll überlegt werden, im nächsten Jahr die Gaststätte auf der gegenüberliegenden Seite zusätzlich zu nutzen...

Rumrich: Naja, unsere Kapazitäten sind schon noch ausreichend. Momentan ist nichts in der Richtung konkret geplant. Und ich kann die Fans beruhigen: Ein Stadionrestaurant wird es auch künftig geben. Eventuell kann ein Teil der Gaststätte in irgendeiner Form bei Spielen anderweitig genutzt werde. Aber wie gesagt: Da ist noch überhaupt nichts spruchreif.

Als einer von wenigen Zweitliga-Vereinen haben sich die Cannibals entschlossen, auf Verstärkungen während der Saison zu verzichten. Viele Fans sind enttäuscht, dass man in Landshut nicht auch den einen oder anderen Star aus der NHL präsentiert hat. Woran ist dies letztlich gescheitert?

Rumrich: Das hatte mehrere Gründe. Zu Saisonbeginn, als das aktuell wurde, war unser Kader bereits komplett. Da hatten wir keinen Bedarf. So etwas kann ja auch nach hinten losgehen, ein vermeintlicher "Star" kann Unruhe in eine funktionierende Mannschaft bringen. Und wir haben ein anspruchsvolles Publikum - sollte der Spieler nicht auf Anhieb einschlagen, wäre die Unzufriedenheit sofort groß gewesen.

Aber zumindest einen Marco Sturm hätte man schon gerne im Landshuter Trikot gesehen...

Rumrich: Mit Marco haben wir auch gesprochen, das wäre wohl eine Verpflichtung gewesen, die aufgrund seiner Vorgeschichte in Landshut Sinn gemacht hätte. Aber Marco Sturm hat sich gegen ein Engagement bei uns entschieden. Er war nicht zu hundertprozentig fit und wollte seine Knieverletzung in den USA in Ruhe auskurieren. Außerdem lebt seine Familie dort. Diese Gründe muss man so akzeptieren.

Somit gab es keine neuen Gesichter auf dem Eis. Aber dem Zuschauer blieb nicht verborgen, dass viele Spieler - angesichts des relativ kleinen Kaders und der hohen Belastung - zuletzt ziemlich platt wirkten.

Rumrich: Wir haben natürlich viele Spiele absolviert, der Continental Cup, der im Übrigen eine ganz tolle Sache für unseren Verein war, kam zu den Ligaspielen ja noch hinzu. Aber zuletzt hatten wir etwas weniger Spiele, da hat man im Training schon gemerkt, dass die Frische zurückkommt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir jetzt sportlich wieder erfolgreich sein werden.

Noch ein Wort zum Investor. Zuletzt ist Rainer Beck von seinem Amt als Vizepräsident beim Fußball-Drittligisten Spielvereinigung Unterhaching zurückgetreten. Steht er weiter zum Eishockey in Landshut oder befürchten Sie hier einen ähnlichen Schritt von Beck?


Rumrich: Herr Beck befindet sich aktuell geschäftlich in Übersee, aber wir stehen fast täglich über Skype miteinander in Kontakt. Er ist sehr wissbegierig und bringt sich viel ein. Ich sehe also überhaupt keine Anzeichen dafür, dass Herr Beck einen Rückzug in Erwägung ziehen könnte.

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