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Artikel vom 01. März 2012 17:03, 299 mal gelesen

Joska - der Oscar aus Bodenmais

Vom zähflüssigen Glasklumpen zur filigranen Trophäe Freistunde schaute einem Glasmacher über die Schulter

Der "Joska": Mit ihm werden alljährlich Niederbayerns Sportler des Jahres ausgezeichnet. Auch die "Straubing Tigers" gehören zu den Preisträgern: Sie wurden 2007 als Mannschaft des Jahres geehrt.

Der "Joska": Mit ihm werden alljährlich Niederbayerns Sportler des Jahres ausgezeichnet. Auch die "Straubing Tigers" gehören zu den Preisträgern: Sie wurden 2007 als Mannschaft des Jahres geehrt.

Von Kerstin Weinzierl

Anastacia hat sie, Tokio-Hotel hat sie, Claudia Schiffer und Arnold Schwarzenegger haben sie, Michael Schumacher und Sebastian Vettel haben sie auch - Kristall- und Glastrophäen aus dem Hause Joska in Bodenmais. FIS Ski World-Cup, Women`s World Awards, Formel 1, ATP Tennis-Tour, Special Olympics, Sportler des Jahres, Leichtathletik EM, Nordische Ski-WM, aktuell die Nordische Biathlon-WM in Ruhpolding - nur eine Auswahl von Veranstaltungen, für die Joska Trophäen entwirft und produziert.

Bilder zum Thema (8 Einträge)

 


Sogar ein Oscar wird in der Glashütte in Bodenmais gefertigt. Im Gegensatz zu seinem amerikanischen Pendant aus Nickel, Kupfer und Silber, überzogen mit einer Goldhaut, ist der Oscar aus Bodenmais, der "Joska", natürlich aus Glas. Ein durchsichtiger, elegant geschwungener Glaskörper mit kobaltblauem Kern. Freistunde durfte den Glasmachern in der Glashütte in Bodenmais bei der Herstellung des Joska, mit dem alljährlich die Sportler des Jahres in Niederbayern geehrt werden, über die Schulter schauen. Begleitet wurden wir dabei von Betriebsleiter Alois Adam.


Jahrelange Erfahrung braucht ein Glasmacher, um aus einem Glasklumpen, einem Glaskölbel, ein solch filigranes Meisterwerk wie den Joska zu formen. Der Kölbel steht am Anfang eines jeden Glasproduktes. Die glühend-heiße zähflüssige Masse wird mit der Glasmacherpfeife aus dem Schmelzofen geholt. Vorsicht ist geboten, schließlich herrschen im Inneren des Ofens etwa 1200 Grad Celcius. Bei diesen Temperaturen beginnen die Rohstoffe des Glases, ein Gemenge aus Quarzsand, Soda, Pottasche und Salpeter, zu kristallisieren. Da früher Pottasche überwiegend aus Holzasche gewonnen wurde, entstanden viele Glashütten im Bayerischen Wald, wo der Rohstoff Holz zu Genüge vorhanden war. Geschmolzen wird über Nacht, etwa acht Stunden dauert dieser Prozess. Ein Blick in die Geschichte: Früher war der Schmelzer der wichtigste Mann in einer Glashütte, denn er musste die Rezepturen im Kopf haben.

Doch heute heißt der Mann der Stunde, oder besser der Mann der nächsten 20 Minuten, Kasimir Trygar. Er weiht uns die Geheimnisse seiner Arbeit als Glasmacher ein. Da der Joska aus einem massiven Glaskörper besteht, sich im Inneren also kein Hohlraum befindet, wird der Glaskölbel, der am Ende der Pfeife klebt, nicht geblasen. Vielmehr dreht und schwenkt Kasimir die Glasmacherpfeife, bearbeitet den Kölbel mit Holz-, Metall- und Papierwerkzeugen, erhitzt das Glas zwischendurch immer wieder bei etwa 1500 Grad, dreht, schwingt, zieht, poliert. Die Handgriffe sitzen, sind doch schon unzählige Trophäen durch seine Hände gewandert.


Für die Struktur im Inneren der Trophäe, die nach oben sprudelnden Blasen, arbeitet Kasimir Quarzsand in den Kölbel mit ein, der sich durch die Hitze aufbläht. Das Geheimnis des kobaltblauen Kerns liegt in einem etwa einen Quadratzentimeter großen blauen Glasplättchen, das in die Glaskugel gedrückt wird. Dann geht`s nochmal hinein in den Schmelzofen, um die Figur mit einer zweiten Glasschicht zu überziehen: blau innen, durchsichtiges Glas außen. Kasimir waltet wieder seines Amtes: drehen, schwingen, ziehen....




Für den roten Farbakzent am Sockel steht eine Schale mit rotem Glaspulver bereit. Das inzwischen zapfenförmige Gebilde wird in das Pulver getaucht und im Ofen nochmals erhitzt. Zeitungspapier und Zange kommen zum Einsatz, nach und nach formt Kasimir den Körper. Da dort, wo später der Kopf des Joska sitzen soll, jetzt die Glasmacherpfeife klebt, muss angeheftet werden: aus oben wird unten. Manuel, Kasimirs Kollege, holt eine zweite Glasmacherpfeife aus dem Schmelzofen und verbindet diese Pfeife mit dem späteren Bodenteil der Figur.

Die erste Pfeife wird abgeschlagen, ein kopfloser Joska klebt an der zweiten Pfeife. Doch auch dieser Joska muss später nicht ohne Kopf in der Vitrine stehen. Dank Kasimirs geschickter Hände entsteht nach nur 20 Minuten ein wohlgeformter Glaskörper. Das Werk eines Künstlers. Was kaum mehr als eine Viertelstunde dauert und für den Zuschauer recht einfach wirkt - ein bisschen drehen hier, ein bisschen ziehen dort -, ist wahre Handwerkskunst. Zehn Jahre Berufserfahrung muss ein Glasmacher mindestens mitbringen, um ein solches Kunstwerk zu schaffen.

Zum Abkühlen kommt die Trophäe zwei Tage lang in den Kühlofen. Behutsam wird von 500 Grad auf 20 Grad Celsius gekühlt, sonst bekommt die Figur Risse. Dieses Schicksal wird wohl unseren Joska, dessen Entstehung wir mitverfolgen durften, ereilen. Das Fotografieren vorm Kühlofen hat vermutlich etwas zu lange gedauert. Sorry, schneller ging`s nicht!
Nach zwei Tagen bekommt der Joska seinen Feinschliff. Der Kristallschleifer macht sich ans Werk. Er poliert den Boden der Figur, dort, wo die Glasmacherpfeife angeheftet war. Zum Schluss wird geklebt: Der Joska wird auf einen quadratischen Sockel gestellt, auf dem später "Niederbayerns Sportler des Jahres 2012" zu lesen sein wird. Nur nicht auf unserem: Unser rissiger Joska wird wohl eher auf dem Abstellgleis landen als in einer glänzenden Vitrine.

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