Lesenswert (0) Empfehlen Google +

Artikel vom 14. September 2011 14:14, 259 mal gelesen

Aus zwei mach eins

Mittendrin im Geschehen: Wie funktioniert eigentlich 3D im Kino?

Autor: Claudia Hagn
Es gibt zwei verschiedene Brillen im Real-D-Verfahren: Eine kleine für Kinder und eine für Erwachsene. In beide sind spezielle Filterfolien eingebaut. (Foto: Christine Vinçon)

Es gibt zwei verschiedene Brillen im Real-D-Verfahren: Eine kleine für Kinder und eine für Erwachsene. In beide sind spezielle Filterfolien eingebaut. (Foto: Christine Vinçon)

Viele Filme gibt es momentan in 3D: Was im großen Stil mit Avatar begann, ging weiter mit Harry Potter, Fluch der Karibik, den drei Musketieren und bald auch wieder Wickie. Alles ist in 3D, (fast) zum Anfassen und mit Tiefenwirkung. Doch was zum Greifen nah ist im Kinosaal, das ist es nicht. Und einfach so abfilmen, damit die Schwerter, Quallen und Kelche zum Anfassen scheinen - das geht auch nicht. Für 3D braucht jedes Kino eigene Projektoren und die Zuschauer spezielle Brillen. Doch wie genau funktioniert 3D? Freistunde hat im Kinopolis in Landshut nachgefragt.

Dort sind von elf Sälen fünf mit den speziellen 3 D-Projektoren ausgerüstet. Digital werden die Filme geliefert, auf großen Festplatten von 50 Gigabyte (normaler Film) bis zu 250 Gigabyte (3D-Film). Dann werden sie von einem Zentralserver abgespielt, in die verschiedenen Säle verteilt - das ist mit jedem Film so. Die 3D-Kinofilme wurden jedoch schon mit speziellen Kameras gefilmt: Sie haben zwei Linsen im gleichen Abstand wie die menschlichen Augen. Der 3D-Film will nämlich genau das: Das räumliche Sehen nachahmen, wie die Menschen es täglich im echten Leben erfahren.


Das ist ganz einfach zu testen - Wer sich das rechte Auge zuhält, sieht ein anderes Bild, als wenn er sich das linke Auge zuhält. Erst im Gehirn werden die beiden Bilder zu einem einzelnen zusammengesetzt - und das erscheint dann räumlich, dreidimensional, also 3D. Der Mensch erkennt, was weiter hinten ist und was weiter vorne; im normalen Kinofilm sieht man jedoch nur eine Fläche, alles ist auf der gleichen Höhe. In 3D ist das anders.

Wenn ein Streifen in 3D gefilmt wurde, braucht das Kino bei den Digitalprojektoren noch einen zusätzlichen Aufsatz. Der sitzt vor dem Objektiv des normalen Digitalprojektors und wirft das Licht auf eine spezielle Silberleinwand, sagt Ayhan Sözen, technischer Leiter im Kinopolis. Bis zu 6000 Watt haben die Lampen in den Projektoren, also hundert Mal mehr als eine normale 60-Watt-Glühbirne.

Film besteht aus ganz vielen einzelnen Bildern, bei 3D bis zu 72 pro Sekunde. Und diese Bilder bestehen wiederum aus vielen kleinen Lichtwellen. Die Lichtwellen drehen sich ganz schnell, während sie durch den Filter vor dem Projektor rasen, sagt Ayhan Sözen. Dann treffen sie auf die Silberleinwand und kommen wieder Richtung Zuschauer zurück.

Und hier sitzt der 3D-Trick: Weil die 3D-Brillengläser auf jeder Seite andere spezielle Filter-Folien eingebaut haben, wandeln sie das drehende Licht um. Vereinfacht gesagt: Das rechte Auge sieht nur das Bild, das beim Drehen des Films mit der rechten Linse und einer bestimmten Wellenschwingung aufgenommen wurde, beim linken Auge ist es genauso. Das Gehirn setzt beide Bilder wieder zusammen, wie im echten Leben auch: Ein räumliches Sehen entsteht. Man meint, wirklich in die Leinwand greifen zu können.

Die normalen Digitalprojektoren brauchen für 3D einen Real-D-Aufsatz. Durch ihn schießen die Lichtwellen auf die Silberleinwand. (Foto: Christine Vinçon)

Die normalen Digitalprojektoren brauchen für 3D einen Real-D-Aufsatz. Durch ihn schießen die Lichtwellen auf die Silberleinwand. (Foto: Christine Vinçon)

Das Filmen und auch die nachträgliche Bearbeitung von 3D ist viel aufwändiger für die Filmemacher. Trotzdem setzen sie auf die Technik, vor allem bei Filmen mit vielen Effekten. Das ist nicht immer gut, sagt Sözen. "Die Filme sind von unterschiedlicher Qualität."

Keinen Spaß macht 3D, wenn einem im Kino schlecht wird. Einige kennen das Problem - sobald sie die 3D-Brille aufsetzen, wird ihnen schwindlig, sie bekommen Kopfschmerzen und ihnen wird flau im Magen. Das weiß auch Ayhan Sözen: "Ungefähr fünf Prozent der Menschen vertragen 3D nicht oder können es nicht sehen." Dagegen gibt es aber keinen Trick: Diese Menschen müssen auf 3D verzichten.

Als Avatar im Kinopolis lief, mussten die Mitarbeiter 30000 Brillen im Monat an der Kasse verteilen. "Das war aber mit Abstand das meiste, was wir an Besuchern bei einem 3D-Film hatten", sagt Björn Gerloff, Pressesprecher des Kinopolis. Die Brillen soll man zurückgeben, wenn man aus dem Kino kommt. Sie werden nicht weggeschmissen, sondern gereinigt und wieder neu verpackt.

Kommentare zum Artikel


Artikel kommentieren


Das könnte Sie auch interessieren

Bambergs Basketballer gewinnen im Eurocup gegen Bonn

Bamberg (dpa) - Die Brose Baskets Bamberg haben im Eurocup das deutsche Vorrundenduell mit den Telekom...

mehr dazu
Anzeige
Anzeige

Verbreitungsgebiet Verbreitungsgebiet Cham Deggendorf Regen Dingolfing Straubing-Bogen Regensburg Landshut Erding-Freising-Kelheim
Anzeige
Anzeige