Garmisch-Partenkirchen Jung-Chocolatier schuf Gipfelkreuz aus 900 Tafeln Schokolade

Täuschend echt, aber süßer als das Original: das Schoko-Gipfelkreuz. Foto: Dieter Warnick

Zwei Fragen zu Beginn: Was ist das: Es ist 4,88 Meter hoch, 300 Kilogramm schwer und komplett vergoldet. Und das: Es ist zwei Meter hoch, 90 Kilogramm schwer und ebenfalls vergoldet.

Antwort auf Frage eins: das Gipfelkreuz der Zugspitze; Antwort auf Frage zwei: der Nachbau des berühmten Gipfelkreuzes - hergestellt aus 900 Tafeln reiner Zartbitterschokolade und goldfarbenem Lebensmittelstaub.

Zu sehen ist das süße Kunstwerk in der Chocolaterie "Amelie" der Familie Kässer in Garmisch-Partenkirchen. Im Mai 2016 wurde das Schoko-Kreuz offiziell geweiht, mit geistlichem Segen durch Dekan Andreas Lackermeier. Acht Wochen lang, summa summarum etwa 65 Stunden, legten fleißige Chocolatiers an das meisterliche Kunstwerk Hand an. Es ist unverkäuflich, kann aber im Laden in der Ludwigstraße jederzeit begutachtet werden. Kleine Reproduktionen des Gipfelkreuzes gehen allerdings schon über den Ladentisch.

Die Idee dazu hatte Linus Kässer, Juniorchef und Kreativkünstler. Und da der 29-Jährige ein Mann der Tat ist, wurde der Gedanke schnell in die Tat umgesetzt. Einfälle hat Linus Kässer jede Menge, vor allem auch, wenn es darum geht, die Kakaobohne, wenn sie zu Schokolade verarbeitet ist, zu verfeinern. Da gibt es dann zum Beispiel Rote Beete-Himbeer-Schokolade, Aprikose-Thymian-Schokolade oder "Zimt-Molke-Apfel". "Man muss sich immer weiterentwickeln," sagt Linus Kässer und berichtet weiter, "dass bei uns jeden Tag produziert wird, und wir jeden Monat eine neue Kreation herstellen, die dann in den Verkauf geht." Über Geschmack lässt sich schließlich nicht streiten.

Nicht über den Ladentisch ist allerdings eine Sorte gegangen, die selbst Linus Kässer als "verwegendste Schöpfung, die ich jemals gemacht habe" bezeichnet - eine Praline mit Thunfischgeschmack. "Das war die Bestellung einer Dame, die unbedingt auf dieser Kombination bestand. Ich fand das ekelhaft, aber die Käuferin war hellauf begeistert." Schmunzelt und schüttelt den Kopf. "Es muss ja nicht alles so exotisch sein."

Harte Schule: Um ein Chocolatier zu werden, braucht man Eigeninitiative

Linus Kässer ist Konditormeister und Patissier wie sein Vater Franz. Seine Mutter Irene ist gelernte Hotelfachfrau und der gute Geist im Betrieb. Chocolatier ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf. Doch durch eine anerkannte schulische Ausbildung und autodidaktisches Lernen ist es niemandem verwehrt, Chocolatier zu werden. "Die Lehrzeit", verrät Kässer, "war eine harte Schule. Es gab Wochen, da habe ich mich jeden Tag in den Schlaf geheult. Aber ich habe unglaublich viel gelernt."

Danach kamen Stationen in Österreich, Portugal, der Schweiz und in München, ehe Linus im elterlichen Betrieb seine Erfüllung fand - und nach wie vor findet.

Dort gibt es alles, was mit Schokolade zu tun hat - 1000 Leckereien sind im Angebot, quasi alles, was das süße Herz begehrt. Von der einfachen Tafel Vollmilch, Zartbitter und Alpenkräuterschokolade bis hin zu Schokoherzen, Nikoläusen, Osterhasen. Ferner gibt es über 50 verschiedene Sorten handgeschöpfte Bruchschokolade und ebenso viele verschiedene Pralinenfüllungen, "Knusperzeug", "Knispel-Nougat" oder täuschend echt aussehende Werkzeuge wie Hämmer und Zangen - und rostig anmutende Nägel. Außerdem Brotaufstriche, Trinkschokoladen oder dragierte Nüsse und Früchte. Einfach zum Dahinschmelzen.

Dem Einfallsreichtum von Florian Kässer, seinem Vater Franz und den anderen jungen und innovativen Mitarbeitern - insgesamt arbeiten noch vier Konditorinnen im Betrieb - sind keine Grenzen gesetzt. Ihren Gedanken entsprang auch die "Gapalade" und die "Gapaline" (eine Hommage an Garmisch-Partenkirchen) mit dem Logo der neuen Skisprungschanze. Hier trifft Chocolatier-Handwerk auf die Leichtigkeit des Seins.

Vom Verkaufsraum aus, der teilweise einer Kunstausstellung gleicht, kann man der "süßen Truppe" durch ein großes Glasfenster, das den Laden und die Schoko-Manufaktur räumlich trennt, beim Werkeln und Hantieren zusehen. Möglich ist das auch von der Straße aus. Zu sehen bekommt der Betrachter beispielsweise Nougat in Eimern, sprudelnde Schokoladenbrunnen oder vierspurige Pralinen-Autobahnen.

Um der Verarbeitung der Kakaobohne so richtig auf den Grund zu gehen, bietet die Familie Kässer Kurse und Seminare an. Buchbar ist fast alles: Pralinenkurse (für Einsteiger und Fortgeschrittene), Familientag, Kindergeburtstag oder einfach nur eine Reise in die Welt der Schokolade unternehmen - Jung und Alt werden sicherlich voll auf ihre Kosten kommen.

Wer jetzt Bedenken hat, dass der Genuss von Schokoprodukten auf die Hüften geht, der hat recht. Aber er sollte auch daran denken, dass Schokolade keine Probleme löst - das tut ein Apfel ja auch nicht.

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