Vilsbiburg schlägt Straubing

Wechselbad der Gefühle im Niederbayern-Derby


Die Roten Raben jubeln über den Derbysieg in Straubing.

Die Roten Raben jubeln über den Derbysieg in Straubing.

Nach zwei Sätzen sahen die Roten Raben Vilsbiburg wie der sichere Sieger des Niederbayern-Derbys aus. Doch dann kämpfte sich NawaRo Straubing zurück und glich nach Sätzen aus. Am Ende gewann dennoch der Favorit.

André Wehnert ist Geschäftsführer der Roten Raben Vilsbiburg. Das Derby seines Teams bei Aufsteiger NawaRo Straubing hat er aus einer ganz besonderen Position heraus verfolgt. Er stand das gesamte Spiel über im Gästefanblock und feuerte die Raben mit an. Er mache das öfter, erklärte er anschließend gegenüber idowa. "Gerade bei wichtigen Spielen will ich da stehen, wo das Herzblut ist. Und das ist nunmal bei den Fans."

Was er am Mittwochabend gesehen hat, dürfte ihm lange Zeit ziemlich gut gefallen haben. Denn über weite Strecken sah es so aus, als würden die Roten Raben, die als Favorit nach Straubing gekommen waren, nichts anbrennen lassen. Den ersten Satz entschied Vilsbiburg mit 25:20 für sich. Im zweiten wehrte man einen Straubinger Satzball ab und gewann mit 27:25. Und auch im dritten Satz führten die Gäste lange Zeit, bis zum 20:17 sah es sehr gut aus. Über eine stabile Annahme und ein schnelles Spiel durch die Mitte konnten die Raben bis dahin die Partie auf ihre Seite ziehen.

NawaRo wird nach 0:2 mutiger

Doch dann drehte NawaRo auf. Mit einer Aufschlagserie holte Wivian Gadelha ihr Team zurück ins Spiel und brachte Straubing den ersten Satzgewinn des Abends ein (25:20). Auch Satz vier war ausgeglichen, ging am Ende knapp mit 25:23 erneut an NawaRo, das sich somit einen Punkt gesichert hat.

"Wir hatten anfangs zu viel Respekt und nicht gut begonnen", analysierte Straubings Trainer Guillermo Gallardo. Es fehlte der Mut, den es gegen einen Gegner wie Vilsbiburg braucht. "Aber ich bin stolz darauf, wie meine Mannschaft zurückgekommen ist", sagte er. Laura Weihenmaier, mit 21 Punkten Straubings gefährlichste Angreiferin, erklärte: "Bis zum 0:2 hat es nicht so geklappt, wir waren zu nervös." Doch die Zehn-Minuten-Pause habe dem Team gut getan. "Wir haben danach gefightet und besser aufgeschlagen. Vielleicht waren wir auch ein bisschen mutiger. Wir hatten nichts mehr zu verlieren und konnten alles oder nichts spielen", so Laura Weihenmaier.

Faktor Fans

Was Straubing sicherlich auch geholfen hat, war die Stimmung in der mit 1.006 Zuschauern ausverkauften turmair Volleyballarena. Das musste auch der Gegner anerkennen. "Zusammen mit Aachen ist Straubing führend in Sachen Unterstützung", sagte Kronseder, "für die Auswärtsmannschaft ist es schwer, hier zu spielen. Straubing wird dadurch natürlich beflügelt." Doch auch die Roten Raben konnten sich nicht über fehlende Unterstützung beklagen. Rund 100 bis 150 Fans waren aus Vilsbiburg mitgekommen und machten ordentlich Stimmung. "Das zeigt, dass die Unterstützung da ist und es hat uns sehr geholfen, um die letzten fünf Prozent noch einmal draufzupacken", so Kronseder.

Lesen Sie hier: NawaRo und Rote Raben bieten packendes Match

Für Mona Elwassimy, die Kapitänin der Raben, war es "stimmungsmäßig eines der schönsten Spiele der Saison." Die Rabenfans "begleiten uns immer, egal wohin. Das ist einfach der Hammer und eine absolute Seltenheit." Und Manager Wehnert sagte: "Es freut uns natürlich sehr, dass so eine große Fantraube mit nach Straubing gekommen ist."

Wehnert: "Hätten es deutlicher machen müssen"

Im letzten Satz konnten die Roten Raben für sich und ihre Fans doch noch den Sieg holen. 15:10 hieß es am Ende eines packenden Spiels. "Da haben wir wieder das gezeigt, was uns in den ersten zweieinhalb Sätzen stark gemacht hat", meinte Kronseder. "Es freut mich natürlich, dass wir gewonnen haben", sagte Wehnert nach dem Spiel, "aber es ärgert mich auch, weil wir es deutlicher hätten machen müssen."

"Ein Punkt ist besser als gar nichts", sagte Gallardo. Zumal sich Nawaro mit dem Punktgewinn in der Tabelle auf Rang neun vorgeschoben hat. Vor dem letzten Hauptrundenspiel am Samstag beim Tabellen-Vorletzten in Suhl haben es Karmen Kocar und Co. nun selbst in der Hand, können die Pre-Playoffs aus eigener Kraft schaffen.

Ein echtes Endspiel wartet am Samstag auch auf die Roten Raben. Diese empfangen in der heimischen Ballsporthalle Potsdam zum direkten Duell um Platz sechs und die direkte Qualifikation für die Playoffs. "Es ist gut, dass es ein Heimspiel ist, dadurch können wir einen Tag länger regenerieren und haben keine lange Auswärtsfahrt vor uns", blickte Kronseder voraus, "wir wissen, dass es schwer wird, aber wir wollen natürlich gewinnen und auf Platz sechs." Und Mona Elwassimy fügte an: "Ich bin sehr optimistisch. Alle Kranken und Verletzten sind wieder dabei. Ich bin mir sicher, dass wir das rocken werden." Und sollten es mit dem Sieg klappen, dann ist sicher auch der Ärger von Manager Wehnert schnell wieder verflogen.

Den NawaRo-Mädels gelang ein Comeback. Verdient holten sie sich am Ende zumindest einen Punkt.

Den NawaRo-Mädels gelang ein Comeback. Verdient holten sie sich am Ende zumindest einen Punkt.