Landkreis Regensburg

Nawareum: T-Shirts aus Holz sind gar nicht hart


Die Geoökologin Julia Lehmann zeigte Viskosefasern in unterschiedlichen Herstellungsstadien.

Die Geoökologin Julia Lehmann zeigte Viskosefasern in unterschiedlichen Herstellungsstadien.

Von Anna Weber

Ob im Haushalt, Büro oder in der Schule - umweltfreundliche und nachhaltige statt konventionelle Produkte stehen hoch im Kurs. Unter anderem um die Umstellung des Einkaufsverhaltens ging es bei einer Veranstaltung im Schaufenster des Nawareums.

Wie konsumiere ich? Wie gehe ich mit Ressourcen um? Wie entsorge ich, was ich nicht mehr brauche? "Jeder sollte sich diese Fragen stellen", sagt Benjamin Nummert, der Leiter des Sachverständigenrats Bioökonomie Bayern am Dienstag in den Räumen des Nawareums. "Das sind die Herausforderungen unserer Zeit."

Vor allem um den Konsum ging es bei der Abenddiskussion in Straubing. Unter dem Motto "Mitredn! Ob Kosmetik oder Spielzeug - Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen" stellte Julia Lehmannn, Projektmanagerin bei CARMEN, verschiedene Gegenstände vor. Ob Kleiderbügel aus Grasfasern oder Locher aus Biokunststoff - den Zuschauern wurde vor Augen geführt, dass das herkömmliche Plastik durchaus ersetzbar ist. Sogar Skistiefel aus Biokunststoff gibt es mittlerweile bei manchen Herstellern. Allerdings sind diese speziellen Schuhe ein Nischenprodukt. Die Geoökologin zeigte außerdem Heftumschläge aus Papier ("Ein Drama, wenn das in Plastik gekauft wird!") und T-Shirts aus Holz.

Weiches Holz

Beim Holz-T-Shirt wies sie darauf hin, dass die Neuerung ein alter Hut ist - wenngleich ein guter, der sich hervorragend tragen lässt. "Eigentlich ist das nichts neues, da steckt Viskose drin und die hat es immer schon gegeben", sagt Lehmann. Wenn unter diesem "Holz-Slogan" geworben werde, dann sei das natürlich auch Verkaufsstrategie. Nachdem Julia Lehmann die Herstellungsweise von Viskose erklärte, gab sie verschiedene Kleidungsstücke aus diesem Material durch die Zuschauerreihen - weich ist der Stoff und Feuchtigkeit nimmt er gut auf. Dass dieses Stück Stoff einmal ein Baum gewesen ist, mag man kaum glauben. Rund ein Kilo Holz liefert Fasern für etwa vier T-Shirts. Allerdings brauche es für die Gewinnung der weichen Fasern viel chemische Stoffe.

Trotzdem - die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen war für die Experten am Dienstag, unter ihnen Dr. Bernhard Widmann, Leiter des Technologie und Förderzentrums, das A und O für die Zukunft. Die Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle solle reduziert werden. "Wir verbrauchen diese Ressourcen - und zwar soviel wie in 500.000 Jahren Erdgeschichte entstanden sind in einem Jahr", sagte Widmann und machte klar: "Wir leben über unsere Verhältnisse."

Bio-Wegwerfbecher?

Passend zur Veranstaltung gab es Getränke aus Glasflaschen sowie Holzstrohhalme und Einwegbecher aus Maisstärke. Dabei wurde diskuttiert, ob es dem Sinne der Nachhaltigkeit entspreche, Wegwerfbecher zu verwenden - auch wenn diese aus biobasierten Rohstoffen bestehen. Eine Zuhörerin trieb den Verzicht gar auf die Spitze: "Das beste Produkt ist das, das nicht konsumiert wird." Zum Schluss der Veranstaltung wurde die Sitzordnung aufgelöst - in kleinen Gesprächsgruppen tauschten sich die Zuhörer mit den Experten aus und erörterten, was jeder einzelne in seinem täglichen Leben tun kann, um unsere Natur für die kommenden Generationen zu bewahren.

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Bei der Ausstellung konnten sich die Besucher über biobasierte Produkte im Alltag informieren.

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Ob es nun die Brille mit dem Holzrahmen ist oder die Bausteine aus biobasierten Rohstoffen - sicher ist, dass beides voll im Trend liegt.

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Wer auf umweltfreundliche Art Sport machen möchte, für den ist der Skistiefel aus Biokunststoff eine Alternative.

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Die Zuhörer zeigten sich über die Schulmaterialien aus Papier und Pappe interessiert.