Landkreis Regensburg

Karriere im Kittchen: Wie ein "normaler" Arbeitstag hinter den Gittern der JVA aussieht


Die altehrwürdigen Tore der JVA Straubing. (Foto: Regina Hölzel)

Die altehrwürdigen Tore der JVA Straubing. (Foto: Regina Hölzel)

Am Samstag, 25. Juli, ab 10 Uhr findet ein Berufsinformationstag in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing statt. Vor allem Akademiker werden in Straubing händeringend für den Ausbau der medizinischen Abteilung gesucht. "Wir hoffen, dass wir Personen ansprechen können, die einen sicheren Arbeitsplatz und die Herausforderung des nicht Alltäglichen suchen", sagt Hans Amannsberger, Leiter der JVA Straubing. Führungen durch das altehrwürdige Gebäude wird es zwar nicht geben, dafür stehen die Mitarbeiter der JVA über ihre Berufe Rede und Antwort. Sie informieren über Ausbildungsinhalte, persönliche Voraussetzungen und über die Verdienstmöglichkeiten - aber auch über den Berufsalltag in einem Gefängnis. Der ist, wie Amannsberger in einem Gespräch mit idowa verrät, facettenreich und bei weitem nicht immer ungefährlich.

Lebenslänglich ist ein Begriff, der in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing häufig fällt. 197 der 820 Gefangenen, die in Straubing untergebracht sind, sitzen die Höchststrafe ab - 56 mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Auch die Gefängniswärter haben, im Beamtendeutsch vortrefflich ausdefiniert, "ihren Beruf auf Lebenszeit gewählt". Eine Menge Zeit, die man zusammen verbringen kann. Viel über Zeit erzählen könnte wohl der älteste Straubinger Insasse. Er ist 82 Jahre alt und hat bereits einmal lebenslänglich abgesessen -weil die anschließende Bewährung widerrufen wurde, bleibt er weiterhin eingesperrt. Einem 21-jährigen Mithäftling steht das möglicherweise noch bevor. "Bei uns vergeht die Zeit langsamer, als an anderen Orten", sagt Amannsberger. Der Großteil seiner Häftlinge ist zwischen 40 und 60 Jahre alt. In der Haftanstalt sollen sie auf ein neues Leben ohne Straftaten und in Freiheit vorbereitet werden. Dass außer den Justizvollzugsbeamten daran noch viele andere Berufsgruppen beteiligt sind, wissen nur die wenigsten. Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Lehrer oder Handwerksmeister - die Karrieremöglichkeiten im Vollzug sind vielfältig.

Die JVA Straubing ist, das muss Bewerbern klar sein, ist kein gewöhnlicher Arbeitgeber: Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und kann als Haftanstalt auf eine über 110 Jahre alte Tradition zurückblicken. Über die Jahre wurde das Gebäude modernen Standards angepasst. Der nostalgische Charme dicker Gitterstäbe und klimpernder Schlüssel in den Händen der Uniformierten, die mit quietschenden Sohlen lange Flure auf und ab gehen, ist der Haftanstalt erhalten geblieben.

"Frauen können bei uns jeden Beruf ausüben"

Mit 837 Haftplätzen gehört Straubing zu den größten Haftanstalten Bayerns und ist, wie man hört, gut besucht: "Wir sind praktisch voll ausgelastet, haben nur noch 17 Bettchen frei", sagt Amannsberger. Mit dem Bau der neuen sozial-psychiatrischen Abteilung Ende dieses Jahres fallen einige Haftplätze weg, dafür wird die JVA an Fachpersonal zulegen. Derzeit arbeiten 418 Beamte und 53 Beschäftigte in der Haftanstalt. Abgesehen von der Verwaltung, bei der der Frauenanteil bei 44 Prozent liegt, kann die Arbeit hinter Gefängnismauern weiterhin als Männerdomäne bezeichnet werden. Im allgemeinen Vollzugsdienst ist in Straubing nur jeder zehnte Arbeitnehmer weiblich. "Trotz alle dem gibt es bei uns keinen Beruf, der nicht auch von einer Frau ausgeübt werden kann", betont Amannsberger. Für die Arbeit mit Schwerverbrechern sei verständlicherweise nicht jeder geeignet, erstaunlich sei dagegen, dass sehr viele Juristinnen den Strafvollzug zum Karriereziel erklären. "Die stellen wir sehr gerne ein, auch sie weil oftmals durch ihren Fleiß die besseren Noten haben", sagt Amannsberger und muss schmunzeln.

Eine JVA ist keine Erholungsanstalt

Bekannt ist die JVA Straubing als Haftanstalt für Kapitalverbrecher, die eine Gefängnisstrafe von sechs Jahren aufwärts absitzen müssen. Dementsprechend hoch ist die Sicherheitsstufe des Gefängnisses. Insgesamt sechs Türme der JVA sind bemannt. Sie bewachen das Gelände und die mit Stacheldraht bespannten Mauern. Im Ernstfall, unter anderem bei Ausbruchsversuchen, sind sie sogar bemächtigt, mit Schusswaffengewalt die Flucht zu unterbinden. Auch Amannsberger hat diese Situation einmal miterleben müssen. Trotz der intensiven und menschlichen Zusammenarbeit zwischen den Haftanstalts-Bediensteten und den Gefangenen gibt es Bereiche ohne Spielraum für Kompromisse.

Sich Menschen ohne Vorurteile und Ressentiments nähern zu können, sind Fähigkeiten, die Bewerber interessant für den Justizvollzug machen. "Wir suchen Persönlichkeiten, die empathisch und durchsetzungsfähig sind, aber keine Rambo-Typen", sagt Amannsberger. "Die Gefangenen sollen während ihrer Haftzeit von den JVA-Mitarbeitern auf ein Leben ohne Straftaten vorbereitet werden." Ein Job, den nicht jeder machen kann: Die Arbeit im Hochsicherheitsgefängnis, das ist auch die Arbeit mit Menschen, die durch abscheuliche Taten zu zweifelhafter Berühmtheit gekommen sind. Täter wie der Mörder von Modeschöpfer Rudolph Moshammer oder Theo Berger, der sich als "Al Capone vom Donaumoos" einen Ruf in der Unterwelt erarbeitete, lernten die Straubinger Gefängniszellen bereits von innen kennen. Etliche mediale Schreckgespenster mit schauderhaften Namen wie "Mittagsmörder", "Westparkmörder", "Strohballenmörder" oder "Todesengel von Sonthofen" sind ebenfalls dort untergekommen. "Natürlich verfolgen wir immer das aktuelle Geschehen, so können wir uns darauf einstellen, wer demnächst zu uns kommt", sagt Amannsberger. Ein aussichtsreicher Kandidat sei derzeit ein IS-Kämpfer, den ein Münchner Gericht unlängst zu elf Jahren Haft verurteilte. Dies sei auch Thema unter den Gefangenen, die immer neugierig seien, wenn "solch ein 'Presse-Dämon' zu uns kommt", sagt Amannsberger.

"Natürlich ist die Arbeit nicht ungefährlich"

"Zwischenfälle sind selten, aber sie gibt es", der JVA-Chef macht keinen Hehl daraus, dass die Arbeit in einem Gefängnis gefährlich sein kann. Deshalb sei es wichtig, Vorfälle aufzuklären und Sicherheitslücken zu schließen. Nach dem brutalen Kidnapping einer Gefängnis-Psychologin im Jahr 2009 habe man zusammen mit der Polizei an einem neuen Sicherheitskonzept gearbeitet. Jeder Bedienstete ist seitdem mit einem Notfallsender ausgestattet, der nicht nur Alarm schlägt, sondern auch geortet werden kann.

In der täglichen Arbeit ist der Gefängnisalltag darauf ausgelegt, Straftäter wieder in die Gesellschaft entlassen zu können. Die Beamte, Lehrer, Handwerksmeister, Sozialpädagogen, Psychologen und Ärzte arbeiten gemeinsam daran, aus Gescheiterten wieder gesellschaftsfähige Personen zu machen. Bei vielen sei das möglich, sagt Amannsberger. Etliche der Insassen seien nach den langjährigen Haftstrafen und Therapien nicht mehr gefährlich. Das, und das müssen die Berufstätigen in der JVA Straubing aber auch feststellen, "gilt nicht für alle".

JVA-Leiter Hans Jürgen Amannsberger weiß: Die Arbeit in einem Gefängnis ist nicht ungefährlich.

JVA-Leiter Hans Jürgen Amannsberger weiß: Die Arbeit in einem Gefängnis ist nicht ungefährlich.