NawaRo Straubing

Benedikt Frank: Das ist eine Riesenchance


NawaRo Strauings Trainer Benedikt Frank blickt der neuen Saison entgegen.

NawaRo Strauings Trainer Benedikt Frank blickt der neuen Saison entgegen.

Von Fabian Roßmann und Julius Zirngibl

NawaRo Straubings Trainer Benedikt Frank spricht im Interview vor dem Trainingsstart über die Chancen und Risiken des extrem jungen Kaders

Am Wochenende startet Volleyball-Bundesligist NawaRo Straubing in die Vorbereitung auf die neue Saison. Im Interview spricht Trainer Benedikt Frank über seinen Sommer, die unsichere Situation aufgrund von Corona und den neuen Kader.

Herr Frank, wie hat Ihr Sommer in diesem Jahr ausgeschaut?
Benedikt Frank: Zunächst haben wir versucht, die letzte Saison mit Einzelgesprächen abzuschließen. Dann kamen die Fragen: Geht es weiter? Wie geht es weiter? Wir haben zunächst etwas abwartend agiert, wollten die Entwicklungen abwarten. Dann haben die anderen Teams aber plötzlich angefangen Spielerinnen zu verpflichten. Dann ging es auch bei uns ziemlich schnell. Zudem war ich für den österreichischen Verband wieder aktiv.

Wie hat das ausgesehen? Richtiges Training war ja kaum möglich…
Frank: Wir haben zweimal täglich Zoom-Meetings abgehalten und dabei Athletiktraining und Taktik-Besprechungen gemacht. Dazu galt es auch in Straubing den Kader zu planen, nachdem uns einige Spielerinnen verlassen haben.

Konnten Sie auch mal abschalten?
Frank: Es gab wenige Tage, in denen Volleyball kein Thema war. Aber während des Lockdowns war ich vier Wochen am Stück daheim. Die Zeit habe ich genutzt, um meinen Camping-Van auszubauen, habe das Bett runtergesetzt, 120-jähriges Bauernhaus-Holz und LEDs eingebaut.

Also ein richtiger Handwerker?
Frank: (lacht) Ja, ich bin ohnehin einer, der das gerne macht. Auch wenn in den Wohnungen der Spielerinnen etwas ist, packe ich an. Letztes Jahr musste ich zum Beispiel mal in einer Küche der Spielerinnen den Klempner spielen.

Wie war der Austausch mit den Spielerinnen, gab es auch da Unsicherheiten?
Frank: Es war ja zunächst die Frage, ob ich weitermache. Da fiel dann die Entscheidung, dass das für beide Seiten die beste Lösung ist, auch von den Bezügen, die ich mir vorgestellt hatte, bin ich abgerückt. Klar könnte man woanders mehr verdienen, aber das hier in Straubing ist ein Stück weit unser gemeinsames Baby, was wir die letzten Jahre aufgebaut haben. In dieser Zeit hatte ich auch mit den Spielerinnen viel Kontakt, weil auch sie wissen wollten, wie es weitergeht. Aufgrund der damals allgemein recht unsicheren Lage musste ich schon auch Spielerinnen oder Berater beruhigen.

Wichtige Spielerinnen galt es zu ersetzen. Wie hat sich der Spielermarkt in diesem Jahr dargestellt?
Frank: Trotz der Coronasituation kann man sagen, dass der Markt gleich teuer war. Wir hatten ein bisschen Glück mit Anne Hölzig, die genau in unser Profil gepasst hat. Ihr wollten wir die Möglichkeit wie letztes Jahr Julia Schaefer geben, bei uns in eine Führungsrolle zu schlüpfen. Dann kamen noch Magda Gryka und Sophie Dreblow dazu, damit war schon viel ausgeschöpft. Dann haben wir vor allem im sehr jungen Sektor geschaut. Wir mussten auch die eine oder andere unpopuläre Entscheidung treffen, weil wir eine bessere Option für unsere Lage und auch für die sportliche Perspektive hatten. Wir haben uns immer mehr für die sportliche Perspektive entschieden, die dann auch besser im Einklang mit unserer Wirtschaftlichkeit ist.

Der aktuelle Kader ist noch jünger als er es in den Vorjahren ohnehin schon war. Ist dieser Weg für NawaRo alternativlos?
Frank: Da wir wussten, dass das Projekt von VCO Berlin, quasi der Jugend-Nationalmannschaft, nicht in der ersten Bundesliga stattfindet, war unsere Idee, dass wir in dem Bereich der Talententwicklung noch mehr helfen können. Wir haben bewiesen, dass wir solch jungen Spielerinnen eine gute Ausbildung und auch Spieleinsätze bieten können. Da ging es dann in erster Linie auch gar nicht um das Alter, sondern um die Talentlage.

Das heißt, unter dem Strich sehen Sie das Team in seiner Talentlage verbessert?
Frank: Deutlich. Im Vergleich zu vor zwei Jahren auf jeden Fall. Zum letzten Jahr ist es schwierig zu vergleichen, weil wir da ein bisschen mehr Erfahrung im Team hatten. Spielerisch sind wir auf den wichtigen Positionen vernünftig aufgestellt, auf zwei, drei Positionen auch erfahren genug. Aber alle haben noch Verbesserungspotenzial.

Sophie Dreblow mit 22 Jahren und Anne Hölzig mit 23 Jahren gehören im neuen Team schon zu den erfahrensten Spielerinnen…
Frank: Verrückt, oder? Aber sie bekommen hier jetzt die Chance zu lernen, Verantwortung zu übernehmen. Ich mache mir auch keine Sorgen darum, wie wir spielen werden - wir werden schönen Volleyball spielen. Es geht aber in der 1. Liga auch darum, ein paar knappe Sätze für sich zu entscheiden. Das haben wir in der vergangenen Saison geschafft. Wir werden nächste Saison viele knappe Sätze haben. Da macht es dann auch die Erfahrung aus, ob wir das zu Ende spielen oder nicht.

Es steht also ein Entwicklungsjahr bei NawaRo an?
Frank: So kann man es sehen. Wir werden uns sicher nicht voreilig irgendein Saisonziel setzen. Aber dennoch gehen wir nicht in die Spiele und sagen, wir wollen nur spielen und entwickeln. Wir wollen schon gewinnen und uns entwickeln. Egal gegen wen, wir wollen es irgendwie hinkriegen, die Mannschaften zu ärgern und im Idealfall zu schlagen. Wenn wir auf unserem Level sind, dann müssen die anderen erst einmal besser sein. So müssen wir die Saison angehen.

Was sind die Chancen, was sind die Risiken dieses Weges?
Frank: Eine Riesenchance ist es sicher, dass es nächste Saison keinen Absteiger gibt und wir dadurch einen Grundstock und eine Basis für die Zukunft aufbauen können. Wir können die jungen Talente entwickeln und müssen sie dann soweit bringen, dass sie in einem Jahr auch hierbleiben wollen. Wir haben dafür in meinen Augen unfassbare Talente geholt. Ziel muss es sein, dass wir nächstes Jahr eine Stufe besser sind als jetzt. Ein Risiko ist natürlich, dass man in einem Ausbildungsjahr nicht so viel investiert, sehr viel Wert auf Ausbildung legt und damit vielleicht sportlich nicht ganz so erfolgreich ist. Da muss man einfach allen klar machen, dass es kein Konsolidierungsjahr ist, sondern eine tolle Chance, uns perspektivisch zu verbessern.

Am Wochenende startet die Vorbereitung. Wie sind hier die Pläne?
Frank: Am Wochenende machen wir athletische Tests, wir wollen sehen, wo die Mädels aktuell stehen. Am Montag geht es dann mit Kraft- und Einzeltraining los, am Abend steht das erste Balltraining an. Dann wird es am Tag zwei, drei Einheiten geben und die Wochenenden sind vorerst noch frei, bis wir Ende August wahrscheinlich gegen das eine oder andere regionale Herrenteam ein bisschen zocken. Im September beginnt dann die richtige Testphase. Unsere Junioren-Nationalspielerinnen werden die ersten vier Wochen wegen der EM noch nicht dabei sein, ansonsten werden wir alle Spielerinnen dabei haben.