Landkreis Landshut

Mädchen (15) sexuell genötigt? Jugendliche "On/Off-Beziehung" endet vor Gericht


Symbolbild: dpa

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Von kö

Als "verzwickte Kiste" bezeichnete ein Polizist einen Vorfall kurz vor Weihnachten 2012 am Moosburger Bahnhof, mit dem sich derzeit die Jugendkammer des Landgerichts auseinandersetzen muss. Die Staatsanwaltschaft legt dem 21-jährigen Emil B. sexuelle Nötigung gegenüber seiner Ex-Freundin zur Last. Der Arbeiter soll die damals 15-Jährige auf die Bahnhofstoilette gezerrt und sie dort sexuell bedrängt haben, nachdem sie ein Gespräch mit ihm abgelehnt hatte. Doch der junge Mann bestreitet die Vorwürfe. Und die Aufklärung des Sachverhalts wird zudem von der Tatsache erschwert, dass die Polizei im Lauf ihrer Ermittlungen mit verschiedenen Versionen rund um den Vorfall bedient worden ist.

Laut Anklage waren Emil B. und Susanne A. im Jahr 2012 liiert. Es handelte sich um "eine jugendtypische On/Off-Beziehung", so die Staatsanwaltschaft, "die von Wechsel zwischen Zusammensein und Getrenntsein geprägt war". Als Susanne A. am 23. Dezember gegen 17 Uhr mit dem Zug aus Freising in Moosburg ankam, waren sie und Emil B. aber kein Paar. Da ihre Eltern, die sie abholen wollten, noch nicht da waren, setzte sie sich auf eine Bank vor dem Bahnhof. Plötzlich stand B. vor ihr und sagte, dass er mit ihr reden wolle. Die 15-Jährige lehnte dies aber ab. Trotz Gegenwehr zerrte der damals 19-Jährige seine Ex-Freundin von der Bank hoch, in das Bahnhofsgebäude hinein in Richtung Toiletten. Schließlich stieß er sie in eine Toilettenkabine, wo er sie sexuell bedrängte. Als B. versuchte, sie zu küssen, gelang es dem Mädchen, nach ihm zu treten. Da er deswegen von ihr ablassen musste, gelang ihr die Flucht.

Wie es scheint, hat die Jugendkammer in diesem Prozess mit der Wahrheitsfindung ein hartes Stück Arbeit vor sich. Emil B. zeigte sich vor der Jugendkammer wenig geständig. Seine Ex-Freundin sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Als ein Mädchen, das "öfter mal geschwindelt hat", wurde die heute 17-Jährige von ihrem Vater geschildert. Es habe damals genügend Probleme gegeben; unter anderem sei sie ein paar Mal ausgerissen. Wie der Lagerist sagte, habe er daher zunächst "so seine Zweifel" gehabt, als die Tochter rund vier Monate später von den sexuellen Übergriffen auf der Bahnhofstoilette berichtet habe. Aber nachdem sie dabei geblieben ist, sei man zur Polizei gegangen.

Der Polizist, der die 15-Jährige nach der Anzeigenerstattung vernommen hat, sagte dagegen, er habe das Gefühl gehabt, das Mädchen sei auf Druck der Eltern zur Polizei gekommen. Auf ihre Glaubwürdigkeit angesprochen, meinte der Zeuge, dass er das gar nicht einschätzen könne. Fakt sei, dass es in der Beziehung wohl ständig Reibereien gegeben habe. In einem Punkt sei er sich aber sicher: "Ihr war nicht bewusst, welche Tragweite ihre Aussage haben wird."

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.