Parteitag

Grüne beziehen Position zu Wehrdienst und Nahost

Die Grüne Jugend ist gegen eine verpflichtende Musterung, findet für diese Position aber keine Mehrheit unter den Delegierten.

Die Grüne Jugend ist gegen eine verpflichtende Musterung, findet für diese Position aber keine Mehrheit unter den Delegierten.

Von dpa

In der Debatte über einen neuen Wehrdienst wollen die Grünen Musterungen für junge Männer verpflichtend machen. Das beschlossen die Delegierten beim Bundesparteitag in Hannover. „Darüber hinaus setzen wir klar auf Freiwilligkeit“, betont die Partei - will also keinen verpflichtenden Wehrdienst.

Zugleich sollen Wehrdienst und Zivilschutz attraktiver werden und die Rahmenbedingungen für Freiwilligendienste besser. Eine „Koordinierungsstelle für gesamtstaatliches Krisenmanagement“ soll die zivil und militärisch nutzbaren Kompetenzen von Freiwilligen abfragen sowie Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten vermitteln.

Ebenso halten die Grünen eine Debatte über die Antwort auf die sich verändernde Bedrohungslage für nötig. „Dabei ist für uns klar, dass die Perspektiven junger Menschen im Vordergrund stehen und dass alle Generationen ihren Beitrag leisten müssen.“

Zuvor hatten etliche Delegierte das Vorgehen Russlands in der Ukraine in drastischen Worten beschrieben und vor der Bedrohung Europas durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewarnt.

Mehrere Rednerinnen und Redner machten sich für einen Ausbau freiwilliger Dienste stark und warnten vor Zwang. „In einer Demokratie gilt doch: Der Staat wirbt um Engagement, er erzwingt es nicht“, erklärte eine Delegierte. Viele erinnerten auch an Zumutungen für junge Menschen, sei es in der Corona-Krise, beim Lernen in maroden Schulen oder angesichts der Klimakrise.

Der Co-Chef der Grünen Jugend, Luis Bobga, warnte: „Eine verpflichtende Musterung ist nichts anderes als ein erster Schritt hin zu einer Wehrpflicht durch die Hintertür.“ Die Bundestagsabgeordnete Nyke Slawik hielt dagegen: Der Eingriff in die persönliche Freiheit sei hier überschaubar.

Politiker von Union und SPD hatten sich zuletzt auf einen neuen Wehrdienst mit flächendeckender Musterung und Zielmarken für die Aufstockung der Truppe verständigt. Bei zu niedrigen Freiwilligenzahlen soll der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden können, bei der dann auch ein Zufallsverfahren zur Auswahl genutzt werden kann.

Junge Männer beginnend mit dem Jahrgang 2008 sollen von Anfang 2026 an gemustert werden, zudem gibt es einen Fragebogen vom Bund - auch für Frauen. Die Pläne sollen in der kommenden Woche im Bundestag verabschiedet werden.

Die Wehrpflicht wurde 2011 ausgesetzt, ist aber weiter im Grundgesetz verankert. Sie kann mit einfacher Mehrheit im Bundestag wieder eingeführt werden und tritt auch in Kraft, wenn der Bundestag den Spannungs- oder Verteidigungsfall feststellt. Das Grundgesetz sieht eine Wehrpflicht nur für Männer vor.

Auch in der schwarz-roten Koalition gibt es zum Wehrdienst unterschiedliche Meinungen. (Symbolbild)
Auch in der schwarz-roten Koalition gibt es zum Wehrdienst unterschiedliche Meinungen. (Symbolbild)
Auch in der schwarz-roten Koalition gibt es zum Wehrdienst unterschiedliche Meinungen. (Symbolbild)
Es könne keine «selektive Empathie» geben, betont die Grünen-Vorsitzende, Franziska Brantner, auch mit Blick auf das Leid der Palästinenser im Gazastreifen.
Es könne keine «selektive Empathie» geben, betont die Grünen-Vorsitzende, Franziska Brantner, auch mit Blick auf das Leid der Palästinenser im Gazastreifen.
Es könne keine «selektive Empathie» geben, betont die Grünen-Vorsitzende, Franziska Brantner, auch mit Blick auf das Leid der Palästinenser im Gazastreifen.

Der Co-Chef der Grünen Jugend, Luis Bobga, warnte: „Eine verpflichtende Musterung ist nichts anderes als ein erster Schritt hin zu einer Wehrpflicht durch die Hintertür.“ Die Nachwuchsorganisation wollte eigentlich jedes Pflichtelement vermeiden, unterlag aber. Die Bundestagsabgeordnete Nyke Slawik hielt dagegen: Der Eingriff in die persönliche Freiheit sei hier überschaubar.

Politiker von Union und SPD hatten sich zuletzt auf einen neuen Wehrdienst mit flächendeckender Musterung und Zielmarken für die Aufstockung der Truppe verständigt. Bei zu niedrigen Freiwilligenzahlen soll der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden können, bei der dann auch ein Zufallsverfahren zur Auswahl genutzt werden kann. Die Pläne sollen in der kommenden Woche im Bundestag verabschiedet werden.

Die Wehrpflicht für Männer wurde 2011 ausgesetzt, ist aber weiter im Grundgesetz verankert. Sie kann mit einfacher Mehrheit im Bundestag wieder eingeführt werden und tritt auch in Kraft, wenn der Bundestag den Spannungs- oder Verteidigungsfall feststellt.

Mit Blick auf den Nahost-Konflikt seien drei Punkte für die Grünen nicht verhandelbar, betonte die Vorsitzende Franziska Brantner: Das Existenzrecht Israels, das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und „die Würde eines jeden Menschen“.

Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte als Gastredner, er sehe keine Alternative zu einer politischen Lösung mit zwei Staaten: Israel und Palästina. US-Präsident Donald Trump habe eine Waffenruhe erreicht, nun müsse er seine Überzeugungskraft nutzen, um eine dauerhafte Lösung herbeizuführen.

Die Grünen fordern, die Bundesregierung solle ein gemeinsames europäisches Vorgehen nicht länger blockieren und den Weg frei machen für eine Teilaussetzung des EU-Assoziationsabkommens mit Israel, „falls Israel seine völkerrechtlichen Verpflichtungen weiterhin nicht erfüllt“. Davon unberührt bleiben müssten die Forschung und die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft.

Das Abkommen regelt unter anderem Freihandelsvorteile und Zollerleichterungen für den Handel zwischen der EU und Israel. Darin ist festgehalten, dass die Beziehungen zwischen den Vertragsparteien auf der Achtung der Menschenrechte beruhen.

In einem Text, auf den sich die Parteimitglieder in Hannover verständigten, hießt es, der Einsatz für die Sicherheit Israels als Teil deutscher Staatsräson bedeute nicht, dass Unterstützung für die israelische Regierung über Verpflichtungen gegenüber dem Völkerrecht und dem Schutz der Menschenrechte gestellt werden dürfen.

Nach intensiven Diskussionen sprachen sich die Delegierten am Ende gegen eine sofortige Anerkennung Palästinas als Staat aus. Stattdessen einigte man sich darauf, diese Anerkennung durch Deutschland solle „im aktuellen Friedensprozess“ ein „prioritärer Schritt“ sei.

Die Grünen waren in Regierungsverantwortung, als die islamistische Hamas und andere radikale Palästinensergruppen am 7. Oktober 2023 Israel überfielen, mehr als 1.200 Menschen töteten und etwa 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppten. Außenministerin war damals Annalena Baerbock. Sie nimmt nicht am Parteitag teil.

Gut zwei Jahre später hält die Partei rückblickend fest: „Als Reaktion auf den 7. Oktober hat die israelische Regierung einen Krieg in Gaza geführt, dessen humanitäre Folgen und militärische Mittel unverhältnismäßig beziehungsweise völkerrechtswidrig sind.“ Dies sei durch nichts zu rechtfertigen - auch nicht durch den brutalen Terrorangriff der Hamas - und habe unermessliches Leid und Traumatisierung über die Menschen im Gazastreifen gebracht.

Zum Abschluss ihres dreitägigen Bundesparteitags befassen sich die Grünen heute (9.30 Uhr) mit Steuern, Digital- sowie Wirtschafts- und Energiepolitik. Auch um die Belange der Kommunen sowie Satzungsfragen soll es für die etwa 800 Delegierten gehen. Als Redner soll Cem Özdemir sprechen, der als Spitzenkandidat den einzigen Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann beerben will. In Baden-Württemberg wird im März ein neuer Landtag gewählt.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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