Zum Valentinstag Über das Finden der Liebe in Zeiten von Corona

Charlottes und Michaels erster gemeinsamer Urlaub führte sie Ende Oktober zurück in Charlottes alte Heimat Regensburg. Von dort aus ging es auch an die Weltenburger Enge im Kreis Kelheim - natürlich nur mit Maske. Foto: Charlotte S.

2020 - ein Jahr voller Beschränkungen, Sozialer Distanz und Abschottung: Für Singles, die den Partner fürs Leben suchen, ein schweres Jahr. Wie man trotzdem die Liebe findet und warum auch die Jogginghose dabei nicht stört - eine Lehrerin aus Ulm erzählt uns, wie sie ausgerechnet im Corona-Jahr ihr Glück gefunden hat.

Es ist der 27. Juli 2020. Ein warmer Sommertag. Sie ist eine Trauzeugin der Braut, er der Trauzeuge des Bräutigams. Die standesamtliche Trauung findet im Goldenen Saal in Augsburg statt. Es wird eine Feier mit Masken und nur im engsten Kreis - coronakonform eben. 

„Ich habe ihn zuerst aber gar nicht richtig registriert – obwohl er so groß ist und nicht so weit weg saß“, erinnert sich Charlotte und muss lachen, als sie am Telefon ihre Liebesgeschichte erzählt. Ins Gespräch kommen sie ausgerechnet wegen einer bunt schimmernden Handyhülle. "Michael hat mich vor dem Saal darauf angesprochen, als ich Fotos machte. Ich war verwundert, dass sich ein Mann für so eine Hülle interessiert", sagt die 33-Jährige aus Ulm. Seine eigene Hülle hingegen - zerbröselt und so ganz und gar nicht up-to-date. Ein Gegensatz, der sich anzieht. "Er war mir sympathisch, wirkte nett und ging mir nach der Trauung nicht mehr aus dem Kopf."

Wenn beim Quadfahren die Funken fliegen

Dann vergehen Wochen, bis sie sich wieder sehen. Er ist viel auf Dienstreisen, sie im Urlaub bei der Familie in Frankreich. "Aber ich wusste ja, wir werden uns wiedersehen, weil wir auch bei der kirchlichen Hochzeit die Trauzeugen sein werden und den gemeinsamen Junggesellenabschied organisieren sollen", meint sie verschmitzt. Sie nimmt Kontakt auf, schlägt vor, dass sie für das Brautpaar ein Fotobuch und einen Ausflug auf Quads planen könnten. Er antwortet: "Sag Bescheid, wenn du das Quadfahren ausprobieren willst. Ich bin dann dabei." 

Am Ende ist es Michael, der als erster eine Quadtour für sie beide findet. Er ruft sie eines Tages im September an, lädt sie ein. Beim Quadfahren funkt es, sie gehen essen, wegen Corona nur im Freien. Eine Woche später kommt er zu ihr in die Wohnung. Schranktüren montieren. "Dann ging es irrsinnig schnell", sagt Charlotte. "Er hat mich gefragt, willst du deinen Beziehungsstatus nicht von Single in Beziehung ändern und dann war es klar."

Erster gemeinsamer Urlaub vor dem Lockdown

Rückblickend hatten sie Glück - trotz der Einschränkungen, sagt die 33-Jährige. Glück, weil sie sich vor dem Lockdown in Ruhe kennenlernen konnten. Auch wenn die Freizeitmöglichkeiten schnell eingeschränkt waren. "Wir sind dann halt viel spazieren gegangen, waren viel draußen." Auch ein erster gemeinsamer Urlaub ist kurz vor dem Lockdown noch drin - in Regensburg, Charlottes alter Studienheimat. Dort sind sie eine Woche lang die einzigen Übernachtungsgäste eines kleinen Hotels.

Dann geht alles schnell: Auf den ersten gemeinsamen Urlaub folgt ein gemeinsames Weihnachten. Anfang Januar ziehen die beiden in Ulm zusammen - auf den Rat von Michaels Stiefmutter hin. Es funktioniert für die beiden gut - trotz Lockdown. Sie finden gemeinsame Rituale, vor allem, weil sie beide wegen Corona größtenteils von Zuhause aus arbeiten müssen. "Wir treffen uns zur Mittagspause in der Küche, essen zusammen und arbeiten dann weiter. Später holt er mich zum Feierabend aus dem Arbeitszimmer ab und dann gehen wir für eine Stunde raus. Sonst bekommen wir einen Lagerkoller", lacht die 33-Jährige.

Erste Magie bleibt auch in Jogginghose

Die Corona-Zeit und das schnelle Zusammenziehen sieht die Lehrerin auch als Chance für die Beziehung. "Du wirst dir vieler Dinge eher bewusst, siehst dich schneller in der Jogginghose, als wenn du dich nur am Wochenende triffst. Du lernst die Macken des anderen auch gleich kennen. Das heißt nicht, dass die erste Magie bei uns dadurch weg ist, aber wir sind viel entspannter damit." 

Trotzdem freuen sie sich beide darauf, wenn der Lockdown irgendwann beendet ist und wieder mehr Normalität einkehrt. "Damit wir auch mal wieder zusammen im Restaurant gehen können oder in einen Tierpark. Auch im Kulturbereich ist ja alles zu. Das fehlt schon."

Zum Valentinstag geht es für die beiden frisch Verliebten nach Rothenburg ob der Tauber. "Dort gehen wir dann ein wenig spazieren und genießen die malerische Umgebung." Und das Valentinstag-Dinner? "Das gibt es dann halt To-Go."

Weitere Artikel

 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading