Zu Besuch auf Herberts Gnadenhof Ein neues Zuhause für Tiere in Not

Herbert Crnila am Gnadenhof. Foto: Andreas Reichelt

Rocco liegt auf einem Liegestuhl und blickt entspannt auf den Hof. Der zweijährige Mischlingshund aus Rumänien hat in Hebertsfelden ein Zuhause gefunden. Vor einem Jahr war er verletzt am Straßenrand aufgelesen worden. Seine Wunden heilten, doch seither ist er inkontinent und daher unvermittelbar. Ein älterer Herr nimmt neben ihm Platz und streichelt ihn. "Ja, Rocco, da gefällt es Dir" sagt er und wirkt dabei glücklich.

Herbert Crnila ist ein bescheidener Mann. Der ehemalige Gastronom macht nicht viel Aufhebens um die eigene Person. Sein Fokus liegt woanders.

Aufgewachsen in Graz hatte er schon früh engen Kontakt zu Tieren und das prägte ihn. Als er später ein Café in einer psychiatrischen Klinik in Wasserburg betrieb, begleiteten ihn stets seine vier Hunde. Immer wieder wurden Haustiere bei ihm zur Pflege abgegeben, wenn deren Halter in die Klinik eingeliefert werden mussten. "So kam ich zu dem Entschluss, mir etwas zu mieten, wo ich mehr Platz für Tiere habe", erzählt er.

Erste Objekte wurden schnell zu klein. Herbert Crnila schmunzelt. "Ich habe einen Sprachfehler – ich kann nicht nein sagen!" Über mehrere Stationen führte ihn sein Weg nun in den Landkreis Rottal-Inn. "Hier kann ich meinen Tieren endlich einen schönen, großen Platz bieten." Herbert Crnilla ist angekommen.

Ein Gnadenhof mit viel Liebe

Wir spazieren gemeinsam über das weitläufige Areal und genießen die Sonnenstrahlen auf der Haut. Von einem Gehege zum nächsten gehend begegnen wir Lamas, Pferden, Rindern, Eseln, Schweinen, und vielen weiteren Tieren. Mir kommt die vielgerühmte "Artenvielfalt" in den Sinn. Wenn auch in einem völlig neuen Kontext.

Zu jedem Individuum erzählt der sympathische Tierretter eine Geschichte. Eine besondere Freundschaft verbindet ihn mit dem schottischen Highland Ochsen "Hercules". Das Tier war bereits für den Schlachter hergerichtet und wurde in letzter Sekunde von Tierschützern freigekauft. Als wir zu seinem Stall kommen, liegt er im Schatten und ruht sich aus. "Hercules, komm her. Tu ma kraulen?", ruft Herbert Crnila. Hercules fühlt sich angesprochen. Er erhebt sich schwerfällig und trottet dann in aller Seelenruhe zum Gatter. Ich selbst trete etwas zurück, denn Hercules hat ausladende Hörner und wirkt auf den ersten Blick nicht so, als sei er sich dieses Umstandes bewusst. Doch dann sehe ich diesen Koloss seinen Kopf heben und das Kinn preisgeben. Herbert Crnila streichelt nun ausgiebig den Hals des Ochsen, der dies mit geschlossenen Augen zutiefst genießt.

Plötzlich wird mir klar, was den Betreiber des Gnadenhofs bewegt. Wenn er davon spricht, dass er Tiere liebt, ist das keine leere Worthülse. Es ist eine Lebenshaltung.

Ein Herz für Außenseiter

Wir gehen gemeinsam durch eines der Stallgebäude und erreichen eine große Weide mit mehreren Einzäunungen. Auf der einen Seite des Gatters sehe ich Pferde, Ponys und Esel. Auf der anderen stehen zwei Rinder. Ich möchte gerade eine Filmaufnahme drehen, als mich Herbert Crnila mit dem lauten Ruf meines Spitznamens erschreckt. "Andi!" Erst als er "Na, komm her, Andi!" hinterherschickt, wird mir klar, dass nicht ich gemeint war. Meinen Namensvetter lässt der Ruf aber völlig kalt. Er dreht sich nicht einmal um. Das zweite Rind auf der Weide kommt jedoch sofort angetrabt. "Das ist Zwergi. Sie und Andi sind kleinwüchsig und sollten deshalb geschlachtet werden", berichtet Herbert. Doch sie konnten gerettet werden und führen nun ein angenehmes Leben auf dem Gnadenhof.

Wir beenden unseren Rundgang, um ein Interview für das TV-Programm aufzuzeichnen. Keine drei Meter kommen wir vorwärts, ohne von einem Tier begrüßt zu werden. Selbst als die Kameras bereits laufen, kommt Hündin Benita vorbei und legt ihrem Herrchen einen Ball auf den Schoß. Sie will spielen. "Der Herbert muss jetzt erst einmal mit mir spielen", flüstere ich, doch stoße bei der ballverrückten Benita auf taube Ohren. Sie bettelt förmlich um Aufmerksamkeit. Herbert kennt den Grund. "Sie kam zu uns, weil sich die Besitzer scheiden ließen. Der Mann konnte in die neue Wohnung keinen Hund mitnehmen. Die Frau hatte kein Interesse an Hunden. Hätten wir sie nicht gerettet, wäre sie in der Tötung gelandet."

Nach diesem Satz hätte ich sie am liebsten selbst als Spielgefährtin für meine Labradorhündin mitgenommen.

Hohe Unterhaltskosten

Der Betrieb eines Gnadenhofs hat seinen Preis. Die Tiere benötigen Pflege, Futter und Einstreu. "Ich habe einige Sponsoren, die mich mit Spenden unterstützen. Auch Tierpatenschaften gibt es", erzählt Herbert Crnila. Selbst mit Veranstaltungen werden Mittel generiert. Ein gemeinsamer Brunch oder Flohmärkte etwa. "Wir freuen uns immer, wenn Kinder die Nähe zu Tieren suchen." Gerade die Kleinen sind auf Herberts Gnadenhof stets willkommen.

Auf die Frage, wie er sich jährlich auf den Winter vorbereite, antwortet er: "Ich habe Heu gekauft, Heu gekauft, Heu gekauft!" Neben den Kosten für die Arbeit von Tierärzten und Hufschmieden seien dies die am schwierigsten zu deckenden Kosten. "Wir sind einfach auf Spenden angewiesen. Das können auch Futterspenden oder Sachspenden sein." Auch wenn der Gnadenhof schon manches Mal auf der Kippe stand, macht sich Herbert Crnila zur Zeit keine Sorgen über die Zukunft. Zu sehr lebt er im Hier und Jetzt und genießt die Gemeinschaft am Hof.

Mittlerweile hat der herzkranke Zwergpinscher Maxi auf seinem Schoß Platz genommen. „Der kleine ist der Chef im Rudel“, erzählt sein Herrchen. „Glaubt er zumindest.“ ​ Als ich meine Kameras wieder abgebaut habe und wir unseren offiziellen Teil beenden, wird mir schnell klar, dass es nur ein Abschied auf Zeit sein wird. Wir verabreden uns für den darauffolgenden Samstag. Dann bringe ich meine Kinder mit.

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