Zentralasien Mit dem Orient Silk Road Express von Alma Ata nach Aschgabat

Eindrucksvoll: der Registan Platz in Samarkand. Foto: Axel Scheibe
Eindrucksvoll: der Registan Platz in Samarkand. Foto: Axel Scheibe

Viele Monate waren sie unterwegs. Sandstürmen trotzend, der glühend heißen Sonne ausgesetzt, durch unwegsame und menschenfeindliche Landschaften. Er war wahrlich kein Vergnügen, der Weg über die legendäre Seidenstraße von China nach Europa. Aber es war ein lohnendes Geschäft. Denn die Produkte aus dem fernen Osten, besonders die Seide, waren begehrt. Wobei die Bezeichnung "Seidenstraße", die allgemein benutzt wird, freilich an der Wirklichkeit vorbei geht. Nicht eine Straße war es, sondern ein weit verzweigtes Geflecht von mehr oder minder oft benutzten Wegen und Pfaden.

Aber noch heute verbinden sich geheimnisumwitterte Namen wie Samarkand, Buchara oder auch Aschgabat mit dem Traum von prächtigen Moscheen, quirligen Basaren und fremdartig gekleideten Menschen. Sogar so manch fliegender Teppich mag da vor dem inneren Auge vorbeiflattern. Kein Wunder also, dass die Faszination Mittelasiens bis heute Globetrotter in ihren Bann zieht.

Nun kann zwar Lernidee nicht auf fliegende Teppiche zurückgreifen, doch der Sonderzug Orient Silk Road Express erfüllt Träume fast genauso faszinierend. In Alma Ata, der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans, beginnt er seine fast 4.000 Kilometer lange Reise entlang der alten Handelswege. Luxuriös auf den Spuren früherer Händler und Eroberer wandelnd, können sich Touristen ihren ganz speziellen Reisewunsch erfüllen.

Dabei ist Almaty nur ein Vorgeschmack auf das, was da kommen soll. Aber schon hier gibt es eine historische Zentralmoschee und damit einen ersten Einblick in die Welt unter dem Halbmond. Im Gegensatz zu Kasachstans neuer, ultramoderner Hauptstadt Astana hat sich Almaty mittelasiatisches Flair erhalten. Bevor sich der Sonderzug aber in die Mythen umrankte Welt an der usbekischen Seidenstraße stürzt, heißt es Kilometer "fressen". Entlang trockener Wüsten, schroffer Berge und staubiger Dörfer wird auf dem Weg nach Taschkent mit kurzem Zwischenstopp in Turkestan, dem Pilgerzentrum der Nomaden mit dem 1394 erbauten Mausoleum von Koja Ahmed Yasawi, fast ein Drittel der gut 4.000 Gesamtkilometer der Zugreise unter die Räder genommen.

Viele Prachtbauten sind aus Ruinen wiederauferstanden

So trist und graubraun die Landschaft zeitweise am Zugfenster vorbeizieht, so überraschend die Pracht der leuchtend blauen Kuppeln und der Farbreichtum übergroßer Mosaike, die Mausoleen und Moscheen schmücken. Vieles von dem, was man in Taschkent, Buchara oder auch Samarkand zu sehen bekommt, ist mit riesigem finanziellem Aufwand aus Ruinen wiederauferstanden. Wer vor 40 Jahren auf der gleichen Route unterwegs war, wird sich erinnern. Der Sowjetmacht waren die Zeugnisse mittelalterlicher Geschichte nicht so wichtig. Schon gar nicht die im Zeichen des Halbmondes, des Islams. Im heutigen Usbekistan sieht das anders aus. Einerseits gehören all die Prachtbauten zur nationalen Identität der Usbeken und außerdem ziehen sie Jahr für Jahr mehr Touristen ins Land. Damit kommt Geld in die Kasse. Geld, das in vielen Fällen den alten Kulturgütern zugute kommt.

In Taschkent erwartet die Touristen aus aller Welt eine erste Begegnung mit Timur/Tamerlan oder wie er komplett und richtig hieß: Temur ibn Taranghai Borlos. Unweit von Taschkent, in Schahrisabs wurde er 1336 geboren und später zu einem der grausamsten Herrscher, die die Region erleben musste. Ganz im Geist von Dschingis Khan überzog er ganze Länder mit Tod und Vernichtung. Anders entlang der Seidenstraße, speziell in Städten wie Buchara und Samarkand findet sich in architektonischer Schönheit der positive Aspekt des Erbes seiner Herrschaft.

Kein Wunder, dass der Zug seinen Passagieren in beiden Städten etwas mehr Zeit gönnt. Die drei Nächte in den Komforthotels bringen ganz nebenbei auch die Gelegenheit, in Bad, Dusche und WC den eher spartanischen sanitären Möglichkeiten des Sonderzuges zu entfliehen. Sprich: den Staub vergangener Tage abzuwaschen. Doch für reichlich Staub sorgen auch die Tage in den beiden Wüstenmetropolen. Die Luft ist heiß und trocken. Doch einmal im Leben auf dem Registan Platz in Samarkand zu stehen, entschädigt für alles. Es gibt sicher kaum einen, der sich dem Zauber des eindrucksvollsten Bauensembles Zentralasiens entziehen kann. So wie die drei mächtigen Medressen (Schulen, die islamische Wissenschaften unterrichten, Anm. d. Red.) den Platz umschließen, wird man selbst vom Zauber vergangener Jahrhunderte umschlossen.

Ein Zauber, dem man sich in der alten Gräberstadt Schah-e-sende noch weniger entziehen kann. Besonders dann, wenn der Reiseleiter so clever war und diesen Besuch in die Zeit des Sonnenuntergangs geschoben hat. Bibi Khanum-Moschee, die Sternwarte des Ulugh Beg und das palastartige Mausoleum Gur Emir sorgen am nächsten Tag für mehr mittelalterliches Flair. Für Abwechslung sorgt der eine oder andere Abstecher auf Basare. Beim Brotbacken über die Schulter sehen und duftende Fladenbrote direkt vom Bäcker kaufen. Damit zu konkurrieren, fällt selbst der tollen Bordküche schwer.

Buchara ist die Perle unter den Oasenstädten

Auf dem Weg nach Buchara unterbricht ein Stopp in Chiwa die Fahrt des Orient Silk Road Express. Gern wird es als Stein gewordenes Märchen aus 1001 Nacht bezeichnet. Doch wer mag den anderen Städten diese Charakterisierung absprechen? Die Reise führt von einer märchenhaften Welt in die nächste. Auch Buchara wird diesem Anspruch gerecht. Mitten in der Wüste Kysylkum gelegen, ist sie die Edle, die Perle unter den Oasenstädten. Rund 1.000 Baudenkmäler aus den Glanzzeiten der Großen Seidenstraße lassen die Altstadt als einzigartiges Freilichtmuseum erstrahlen. Das knapp 50 m hohe Minarett der Moschee Kalan überragt die Stadt und zu seinen Füßen sind es unter anderem die mächtige Festung Ark, der frühere Sitz der Herrscher, eine Art Stadt in der Stadt, das Mausoleum der Samaniden, die Medresse Mir-a-Arab und die Medresse Ulughbek, die die Faszination vergangener Jahrhunderte am Leben erhalten. Fliegende Reiher zieren die Mosaikfassade des Hauptportales der Medresse Nadir Diwan-Begi. Eine große Ausnahme, da der Islam die Darstellung von Lebewesen eigentlich verbietet.

Mit Marmorpalästen zeigt Aschgabat seinen Reichtum

In einem schattigen Park im Herzen der Altstadt hat Hodscha Nasreddin, der mittelasiatische Eulenspiegel, seinen Platz gefunden. Verschmitzt lächelnd auf seinem Esel sitzend, scheint er gerade einen neuen Schelmenstreich zu planen. Der kleine, alte Mann soll, so erzählen es viele Sagen und Geschichten, in ganz Mittelasien unterwegs gewesen sein. So auch vielleicht in Merw, einstmals eine der schönsten Städte der Welt. Geblieben ist nur wenig von der alten Pracht. Die Grenze nach Turkmenistan ist da schon überschritten. Im Zug geht das relativ schnell. "Nur" knapp drei Stunden Grenzhalt und schon kann das rollende Hotel auf seine letzte Etappe gehen.

In Aschgabat endet die spannende Reise. Ein letztes Mal gibt es reichlich Grund zum Staunen. Doch hier sind es nicht mittelalterliche Paläste mit bunten Mosaiken. Aschgabat präsentiert den neu erworbenen Reichtum mit prachtvollen Marmorpalästen in strahlendem Weiß. An die 500 Gebäude blenden mit ihren Fassaden in der grellen Mittagssonne um die Wette. So manch ein Architekt konnte hier seine Ideen ausleben. War Aschgabat noch vor 40 Jahren kaum mehr als ein Wüstendorf, geriert es sich heute als Metropole des Protz. Beeindruckend ist das trotzdem. Besonders der nächtliche Blick vom Hochzeitspalast hinunter auf das Lichtermeer. Doch gerade die nächtliche Fahrt durch die hypermodernen Wohngebiete lässt Zweifel aufkommen. Hinter zu wenig Fenstern regt sich Leben. Hat man zu sehr in die Zukunft gebaut? Überlebensgroße Bilder und Statuen des großen Führers "Turkmenbaschi" und seines Nachfolgers Berdimuhamedow lassen kaum Zweifel aufkommen, wer hier das Sagen hat. Kein Wunder, dass die Touristenführer eher zaghaft reagieren, wenn Fragen zum aktuellen Leben im Land aufkommen.

Reise-Tipps:

Die vorgestellte Reise wird jährlich an zwei Terminen auch in umgekehrter Richtung, also von Aschgabat nach Almaty durchgeführt. Organisiert wird diese Reise von Lernidee Erlebnisreisen Berlin. Bestellung, Beratung und Buchung sowie ausführliches Informationsmaterial unter www.lernidee.de.

 

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