"Wir wollen endlich wieder arbeiten dürfen" Friseursalon aus Niederbayern klagt gegen Schließung

Kathrin Zellner (li.) und ihre Mutter Christa Meier in ihrem gemeinsamen Friseursalon in Röhrnbach. Nur allzu gerne würden die beiden dort wie gewohnt ihrer Arbeit nachgehen. Doch das wurde ihnen seit 16. Dezember verboten. Foto: Zellner

In Deutschland gibt es etwa 80.600 Friseursalons mit rund 240.000 Beschäftigten. Sie alle müssen im Zuge der Pandemie-Bekämpfung und der damit verbundenen Maßnahmen seit dem 16. Dezember ihre Arbeit ruhen lassen. Etliche Salons sind wohl in ihrer Existenz bedroht, die Situation scheint auch manchen Verzweifelten zur Schwarzarbeit zu verleiten. Ein kleiner Friseursalon in Röhrnbach im Landkreis Freyung-Grafenau hat nun am vergangenen Freitag Klage am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen die angeordnete Schließung eingereicht.

Im Dezember 1997 eröffnete die heute 50-jährige Christa Meier ihren Friseursalon im beschaulichen Röhrnbach. Ein kleiner, aber schmucker Salon, der sich im eigenen Haus befindet. 2001 gesellte sich Christa Meiers Tochter, Kathrin Zellner (36), hinzu. Seither föhnen, legen und schneiden Mutter und Tochter dort gemeinsam die Haare ihrer Kunden. Dabei hatte Kathrin Zellner ursprünglich gar nicht vor, Friseurin zu werden. „Damals war so mein Gedanke, dass ich das, was die Mama macht, nie machen möchte. Deshalb hatte ich dann einige andere Bewerbungen geschrieben, merkte aber schnell, dass ich da nirgends einen richtigen Zugang dazu fand“, erinnert sich die 36-Jährige. Daher machte ihr die Mutter spontan den Vorschlag, es doch mit einer Ausbildung als Friseurin zu versuchen. Es sollte sich als der richtige Schritt erweisen. Zellner: „Mir hat das vom ersten Tag an richtig Spaß gemacht. Vielleicht auch deshalb, weil ich nie dazu gezwungen wurde, das zu machen.“

"Leisten gerne Beitrag, um das Infektionsgeschehen einzudämmen"

Mittlerweile ist die 36-Jährige ebenso wie ihre Mutter Friseurmeisterin. Jahrelang lief der kleine Familienbetrieb mit vier Bedienplätzen hervorragend. Doch dann kam die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen. Die ersten Monate ließ sich das noch relativ gut bewerkstelligen. Im ersten Lockdown wurde die Zeit genutzt, die Abläufe zu optimieren und geforderte Hygienestandards umzusetzen. „Wir wollten einfach, dass sich unsere Kunden sicher fühlen, denn wir sind ja gerne dazu bereit, unseren Beitrag zu leisten, um das Infektionsgeschehen einzudämmen“, sagt Kathrin Zellner gegenüber idowa. Aber ab einem gewissen Punkt sei ihrer Ansicht nach die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben gewesen. Denn der Beruf des Friseurs sei das einzige Vollhandwerk, das mittlerweile nicht mehr ausgeübt werden dürfe.

Für Kathrin Zellner absolut unverständlich: „Wir haben zum Teil auch vor dem zweiten Lockdown schon mit FFP2-Masken gearbeitet. Wir haben zuvor schon nur nach Termin gearbeitet. Und wir haben nach Vorschrift alle Kundendaten archiviert, um eine mögliche Kontaktverfolgung zu vereinfachen.“ In ganz Deutschland habe es gerade einmal 14 Corona-Infektionen unter den Friseuren gegeben, davon lediglich einen Fall in Bayern. Dies sei ihr von der Berufsgenossenschaft auf Anfrage mitgeteilt worden. Und trotzdem mussten die Friseursalons am 16. Dezember ihre Türen schließen. Knapp sieben Wochen sind seither vergangen. Was bleibt, ist die große Ungewissheit. „Niemand weiß, wie es weitergehen soll und wie lange das noch gehen soll. Wenn wir Mitte Februar nicht wieder öffnen dürfen, dann gehe ich davon aus, dass einige Friseursalons das nicht überleben werden“, prognostiziert die 36-jährige Friseurmeisterin.

Christa Meier und ihre Tochter haben aktuell zumindest noch den kleinen Vorteil, dass sie für ihren Salon keine Pacht zahlen müssen und dass sie keine weiteren Angestellten haben. Zudem habe man zuvor viel gearbeitet. „In einem guten Monat habe ich zusätzlich noch einmal 400 bis 600 Euro Trinkgeld eingenommen. Dieses Geld fällt jetzt natürlich auch weg“, berichtet die Frisuermeisterin aus Röhrnbach. Zwar habe sie noch Ersparnisse, doch auch dieser Puffer sei irgendwann aufgebraucht. Auf finanzielle Unterstützung durch den Staat können Mutter und Tochter wohl nicht hoffen. Zellner: „Für die Dezemberhilfe sind wir nicht bezugsberechtigt, weil unser Umsatz nicht um 30 Prozent zurückgegangen ist. Wir haben davor eben noch gearbeitet wie die Blöden, um unsere Kunden zufriedenzustellen.“ Seit Januar fällt man zwar unter die „Überbrückungshilfe III“, doch auch das hat laut Kathrin Zellner vorerst noch einen Haken: „Stand jetzt kann man diese Überbrückungshilfe noch nicht einmal beantragen.“ Nach derzeitigem Stand soll dies ab Mitte Februar möglich werden.

"Berufsverbot öffnet Schwarzarbeit Tür und Tor"

Christa Meier und ihre Tochter haben angesichts der aktuellen Situation am vergangenen Freitag am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München Klage gegen die angeordnete Schließung eingereicht. Präziser, eine Normenkontrollklage. Zellner: „Dieser Schritt ist ja nicht nur für unseren Salon wichtig, sondern für alle Friseure in ganz Bayern. Wir sitzen da alle im gleichen Boot.“

Das aktuelle Berufsverbot haben noch andere unerwünschte Folgen, wie die 36-Jährige berichtet: „Dadurch werden der Schwarzarbeit Tür und Tor geöffnet. Ich bezweifle, dass sich dabei jeder an die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen hält.“ Auch sie selbst habe in der jüngsten Vergangenheit immer wieder mal Anfragen bekommen, ob sie denn nicht im privaten Bereich trotzdem Haare schneiden könne. Das hat Kathrin Zellner jedoch stets abgelehnt. Sie könne sich vorstellen, dass Kollegen aus Not und Verzweiflung zu solchen Mitteln greifen. "Aber für mich ist das keine Lösung. Deshalb versuchen wir, auf dem juristischen Weg eine Wiedereröffnung zu erzwingen“, erklärt die 36-Jährige.

Die Chancen vor Gericht schätzt sie auf „50 zu 50“. Die niederbayerischen Friseurinnen sind mit ihrem Vorgehen nicht allein. Mittlerweile klagen auch Berufskollegen in anderen Bundesländern – jeweils ein Salon in mittlerweile zehn Ländern im Rahmen einer Aktion. Um eine Sammelklage handelt es sich in diesem Fall nicht, weil das Monate in Anspruch genommen hätte. Für die Finanzierung kooperiert man in diesen Fällen aber mit einem Partner, dem hessischen Distributeur „Wild Beauty GmbH“, der mit seinen Produkten zahlreiche Friseursalons versorgt. „Alleine könnten wir die ganzen Gerichts- und Anwaltskosten gar nicht stemmen“, erklärt Kathrin Zellner. Sie hat den innigen Wunsch, mit der Klage etwas bewegen und auf die Missstände aufmerksam machen zu können: „Wir wollen einfach nur wieder arbeiten, denn andere dürfen es ja auch.“

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