Tägliches Flugtraining, Geschenkeeinpacken auf Zeit und himmlische Gesangsschule - auf ein Christkind in Ausbildung warten viele Aufgaben. Ein nicht ganz ernst gemeinter Berufssteckbrief.

Mit nackten Füßen und einem weißen Hemdchen bekleidet wartet das blondgelockte Mädchen auf einem kleinen Podest in der Engelsschneiderei. Ringsherum stehen Ständer mit Kleidern in verschiedenen Formen und Längen und Regale mit Heiligenscheinen in den Größen S, M und L. Daneben hängen mehrere Flügelpaare, der möglichen Tragfähigkeit nach geordnet. In wenigen Himmelsminuten ist es soweit: Das Mädchen probiert das erste Mal seine Arbeitskleidung an. Diese zu bekommen, ist die größte Ehre für einen Engel der Weihnachtsabteilung. Darauf arbeiten alle himmlischen Helfer im Weihnachtsdorf hin: einmal Christkind sein. Denn jedes Jahr wird ein neues Christkind aus der Schar der Weihnachtsengel ausgewählt. Seine Amtszeit beträgt ein Jahr, von 26. Dezember bis 25. Dezember des Folgejahres. Der Weihnachtsabend selbst ist der Höhepunkt der Amtszeit.

Gewand mit goldenen Sternen

Endlich darf das Christkind in sein Gewand schlüpfen. Es ist perlmuttweiß, übersäht mit kleinen, gestickten, Sternen. Um die Taille schlingt sich ein goldenes Band. Eingefasst ist der Stoff mit feiner goldener Seide. "Es ist wohlig warm. Es fühlt sich an, als wäre das Kleid nur für mich geschneidert", schwärmt das Christkind. Der Schneidermeister schmunzelt und steckt das Kleid hier und da noch ab. "Die Schneiderlehrlinge haben ja auch ganze Arbeit geleistet. Deine Maße haben sie perfekt gemessen", erklärt er. Die Lehrlinge suchen in der Zeit emsig nach dem passenden Heiligenschein. Größe S passt wie angegossen. Am Ende fehlen noch die Flügel: "Dieses Jahr kann die Traglast wieder etwas geringer sein", erklärt das Christkind. "Die vielen Tablets und Handys wiegen nicht mehr so viel wie die Bücherpakete noch vor einigen Jahren."