Verkehrssicherheit Abbiegeassistent: Diese Technik soll Unfälle vermeiden

Ein Radfahrer steht mit seinem Fahrrad in der Versuchsabteilung von Mercedes Benz neben einem Laster mit einem Abbiegeassistenten. Um das Risiko tödlicher Unfälle beim Abbiegen zu reduzieren, macht sich der Bundestag für den Einbau elektronischer Abbiege-Assistenten in Lastwagen stark. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Immer wieder sterben Menschen, weil sie sich im sogenannten „toten Winkel“ befinden. Sie werden beim Abbiegen von Autos und Lastern übersehen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will mit der „Aktion Abbiegeassistent“ entgegensteuern – auch Deggendorf ist dabei. Wir haben Antworten auf zentrale Fragen rund um die Technik.

Wie funktioniert der Abbiegeassistent?

Moderne Abbiegeassistenten ermöglichen es den Fahrern, durch den Einsatz von Kameras und Sensoren in die sogenannten "toten Winkel", also kaum einsehbare Bereiche neben dem Lastwagen, zu blicken. Eine europaweite, verpflichtende Einführung von Abbiegeassistenten ist ab 2022 für neue Fahrzeugtypen und ab 2024 für neue Fahrzeuge vorgesehen.

Warum braucht es den Assistenten?

Schwere Lastwagen sind zwar neben den beiden Hauptaußenspiegeln mit Weitwinkel-, Front und Nahbereichs-/Anfahrspiegeln mit insgesamt sechs Rückspiegeln ausgestattet, doch ein vorbeifahrender Radfahrer ist zum Teil in jedem der Spiegel nur weniger als eine Sekunde sichtbar. Das heißt, er kann den Sichtbereich des Spiegels durchfahren, während dieser gerade nicht vom Lastwagenfahrer eingesehen wird. Ein weiteres Problem sind eben die „toten Winkel“.

Insbesondere Fußgänger und Fahrradfahrer sind von Abbiegeunfällen betroffen. So stieg laut Statistischem Bundesamt die Gesamtzahl der Fahrradunfälle mit Todesfolge in den ersten Monaten 2019 um circa 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: "Mein klares Ziel ist, dass kein Lkw mehr ohne Abbiegeassistent auf deutschen Straßen unterwegs ist. Deswegen habe ich vor mehr als einem Jahr die ,Aktion Abbiegeassistent' gestartet.“

Welche Technik steckt in den Systemen?

Moderne Abbiegeassistenten nutzen Sensor- und Kameratechnik. Kamerasysteme wie aus dem Bereich der Rückfahrsicherung bei Autos werden am Fahrerhaus installiert. Hilfreich ist der Blick aus der Vogelperspektive nach hinten. Dazu wird die Kamera zum Beispiel vorn an der rechten Fahrzeugflanke ab etwa 1,30 Metern Höhe montiert, das Bild wird auf einen Monitor in der Fahrerkabine übertragen und wird beim Blick in Richtung der Rückspiegel miterfasst. Unterstützen können auch Ultraschall- oder Radarsensoren, die über LED-Anzeigen und Warntöne vor Radfahrern und Fußgängern im toten Winkel warnen. Je nach verwendeter Technik können die Sensoren allerdings nicht zwischen statischen und sich bewegenden Objekten unterscheiden. Leistungsfähiger sind Kamerasysteme mit Bilderkennung. Eine Bildverarbeitung unterscheidet zwischen Fußgängern und Radfahrern im Gegensatz zu statischen Objekten wie parkenden Autos und löst zielgerichtet Alarm aus.

Wer macht mit?

Die „Aktion Abbiegeassistent“ hat laut Bundesverkehrsministerium über hundert Partner, darunter große Discounterketten, kommunale Unternehmen und Kommunen wie Regensburg und Deggendorf. Deggendorf ist die erste niederbayerische Stadt, die sich der „Aktion Abbiegeassistent“ angeschlossen hat und nun „offizieller Sicherheitspartner“ ist. Minister Scheuer hat am Montag den Bescheid an OB Dr. Christian Moser übergeben. Das neue Fahrzeug des städtischen Bauhofes ist bereits mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet. Ein Zweites soll folgen.

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