Tipps gegen Mobbing Mobbing: Wie man gegen den Psychoterror vorgehen kann

Was Mobbingopfer tun können

"Das Problem der Mobbingopfer ist ja zunächst, dass sie so allein sind. Wenn man alleine ist, dann ist es sehr schwierig. Noch dazu, weil sich nicht so einfach jemand mit einem solidarisiert", sagt Hahnzog. Vieles läge an der Gruppendynamik sowie deren moralische Normen. Auch die Arbeitsorganisation, Fehlerkultur oder die Gestaltung der Führung und Kommunikation spielen bei Mobbing eine Rolle. Manchmal seien Kollegen sogar froh, dass nicht sie zum Opfer wurden.

Der Psychologe empfiehlt daher, sich nicht nur Unterstützer im privaten, sondern auch im beruflichen Umfeld zu suchen. "Man sollte sich gezielt überlegen, wem vertraut man, wen mag man? Und dann passiert schon etwas. Wenn man bereits zu zweit ist, ist man nicht mehr so in der Minderheit." Beim Mobbing gebe es oft einen Haupttäter. In dem Moment, in dem sich zwei Kollegen zusammentun, ändere sich die Machtstruktur. Dann stehe es plötzlich zwei gegen einen und das stärke schon einmal.

Schmitt empfiehlt, schnell zu handeln. "Man sollte das Verhalten nicht einschleifen lassen, sondern lieber Hilfe für sich organisieren. Dafür gibt es auch Anlaufstellen wie die Mobbing-Beratungsstelle." In den Landkreisen und Städten gebe es aber auch ehrenamtliche oder von der Kirche organisierte Beratungsstellen. Vor allem, wenn es ins Arbeitsrecht reingehe, sei auch die Gewerkschaft für Mitglieder eine gute Anlaufstelle. 

Daneben können sich Betroffene auch innerhalb des Unternehmens Unterstützung beispielsweise beim Betriebs- oder Personalrat suchen, denn auch für den Betrieb sei so ein Fall von Interesse. "Die lang anhaltenden Folgen sind nicht nur für das Opfer immens, sondern auch für das Unternehmen, denn die Folgekosten sind enorm hoch."

Prävention in Unternehmen

Für Unternehmen gibt es zudem eine rechtliche Grundlage zu beachten, die sich "psychische Gefährdungsbeurteilung" nennt. Jedes Unternehmen ist durch das Arbeitsschutzgesetz dazu verpflichtet, eine Beurteilung bei der Gefährdung in der Arbeitssituation vorzunehmen. Seit 2014 gilt das auch für psychische Gefährdungen. 

Nicht nur im sozialen Miteinander kann Hahnzog zufolge Mobbing entstehen, sondern auch aufgrund der Arbeitssituation. Als Gründe dafür nennt er hohe Termindichte, eine hohe Arbeitslast und schlecht geklärte Rollen oder Aufträge. "Wenn dann keiner Zeit hat, die Konflikte richtig zu lösen und es auch keiner so wirklich kann, dann kann eine Mobbingsituation entstehen", sagt Hahnzog.

Bei Mobbing spiele gerade das Verhalten der Führungskraft eine große Rolle. Schmitt und Hahnzog empfehlen daher, Mitarbeiter, allen voran Führungskräfte, für das Thema zu sensibilisieren und in Gesprächsführung und Konfliktmanagement zu schulen. "Eine gute Führungskraft ist keine gute Führungskraft, weil sie es fachlich drauf hat, sondern weil sie führen kann", betont Hahnzog. Dafür brauche sie Führungshandwerkzeug wie Gespräche führen, Gruppendynamiken erkennen und ein konstruktiver Umgang mit Konflikten. Erst dadurch und mit einer immer neuen Beurteilung der Arbeitssituation im jeweiligen Unternehmen könne Mobbing effektiver vorgebeugt werden.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading