Auf der Autobahn 92 Höhe Landshut dreht Rabbiner Mendel Muraiti die Musik nochmal auf. "Nothing else matters" von Metallica dröhnt aus der Musikanlage und bringt den Rückspiegel zum Vibrieren. "Ich muss mich beeilen", sagt er und hat nur die Straße im Blick. Die Gebetsbücher für den Shabbat-Gottesdienst müssen noch aus dem alten Holzschränkchen rausgekramt und die Tora-Rolle an die richtige Gebetsstelle gedreht werden, erzählt er. Das Schild Richtung Straubing zieht vorbei. Muraiti tritt aufs Gas.

In der Nacht zuvor ist Mendel Muraiti gegen 2 Uhr eingeschlafen. Das würde häufiger passieren, mache aber nichts. "Nachts stört keiner", sagt der Rabbiner. Da könne er in Youtube-Videos versinken. Historische und astrophysische Themen findet er besonders interessant. Sie machen nachdenklich. "Wenn wir alle nur Staub für den Allmächtigen sind, nimmt er uns dann überhaupt wahr? Warum beten wir für ihn?", fragt der Rabbi, ohne eine Antwort zu erwarten.