Bayern Die "Weißwurst-Pizza": Wem’s schmeckt

So sieht sie aus, die berüchtigte "Oktoberfest-Pizza" von Netto. Foto: Netto

Das Internet ist mal wieder in heller Aufregung, denn eine kuriose Meldung macht seit Anfang der Woche in den sozialen Netzwerken die Runde: Der Discounter „Netto“ verkauft im Rahmen seiner Wiesn-Spezialangebote eine „Oktoberfest-Pizza“ – mit einem Belag, an dem sich die Geschmäcker scheiden.

Eigentlich ist es eine ganz normale Discounter-Tiefkühlpizza, die da vor einem liegt. Bis man sich die Zutaten genauer anschaut. Sauerkraut? Weißwurst?! Das ist für so manchen – ob Bayer oder Pizza-Fan oder beides – zumindest fragwürdig.

In den sozialen Medien gibt es ganz unterschiedliche Reaktionen auf die Pizza das Anstoßes – die Palette reicht von blanker Ablehnung bis zu Neugierde. "Sowas gehört verboten. Hauptsache man schreibt Wies‘n drauf", schreibt ein Nutzer. "Da wird mir ja schon vom lesen schlecht" schmipft eine weitere Nutzerin. Ein empörter Kommentator möchte wissen: "Gibt's da koa Reinheitsgebot?!" und ein Mann wendet sich direkt an das Unternehmen und fragt: "Grauts Eich vor gar nix? Weisse auf ana Pizza?" Manche User scheinen aber auch gar nicht so abgeneigt: "Ich finde, es hört sich gar nicht so schlecht an", liest man da. Oder auch den Hinweis, man müsse doch "erst mal probieren, um darüber urteilen zu können."

"Erstaunlich okay"

Netto erklärt auf Anfrage von idowa, dass man zu "saisonalen Anlässen" immer wieder Spezialangebote im Sortiment habe – so auch zum "beliebten Münchner Volksfest". Die Pizza ist bundesweit in allen Filialen für 1,79 Euro erhältlich. Der Discounter, der übrigens 1928 in Regensburg gegründet wurde, beschreibt die bisherige Kundenresonanz als "positiv".

Zahlreiche Medien berichteten in den letzten Tagen über die "Weißwurst-Pizza". Der YouTube-Kanal "JunkFoodGuru" lud ein Test-Video hoch. Das Fazit: "Gar nicht so schlimm. Erstaunlich okay."

Übrigens: Solche Neukreationen kommen immer wieder auf den Markt. Schon 2015 gab es beispielsweise beim "Weißwurstkönig", der mobilen Imbissbude einer Familie aus dem Landkreis Straubing-Bogen, "Weißwurst-Döner", "Weißwurst-Schaschlik" und "Weißwurst-Nuggets" zu kaufen. Im Mai 2018 kommentierte die "Süddeutsche Zeitung" den "Fall" einer Bäckerei, die im Landkreis Ebersberg einen "Weißwurst-Hotdog" verkaufte. Das Urteil damals recht eindeutig: "Da wünscht man sich umgehend einen großen Speikübel." Ausgefallene Weißwurst-Kreationen waren also schon vor der Netto-Pizza Gang und Gäbe – aber eben immer auch ein bisschen Wagnis.

"Hauptsache, es schmeckt"

Doch was sagt eigentlich ein waschechter italienischer Pizza-Profi aus Straubing zur viralen „Weißwurst-Affäre“? idowa hat bei Domenico Terriaca nachgefragt. Der 40-Jährige arbeitet bei „Massimo Pasta“ in der Rosengasse. Was ist die Weißwurst-Pizza nun: skandalös oder spannend?

Der gut gebräunte Mann mit dem verschmitzten Lächeln setzt sich lässig auf einen Barhocker in der kleinen Pizza-Bude und beginnt bereitwillig zu erzählen. „Die italienische Pizza ist normalerweise immer nur mit Tomatensoße und Mozzarella gewesen, nichts anderes, das ist die echte Pizza. Ganz früher war sie sogar nur mit Tomatensoße, Pomodoro hieß das,“ erklärt er. In den vergangenen Jahren habe sich die Pizza aber stark verändert: „Jetzt legt jeder drauf, was er will – Hauptsache, es schmeckt und verkauft sich gut.“

Der sympathische Pizzabäcker kann die Aufregung, die es jetzt um die Netto-Pizza gibt, nicht ganz nachvollziehen. Denn eigentlich sei das nichts Neues: „Ich habe schon vor 30 Jahren Pizzerien gesehen, die Sauerkraut auf die Pizzen getan haben.“ Selbst in Italien würde schon seit längerer Zeit Pizza mit Sauerkraut und bayerischer Wurst verkauft – dort sei sie ein Bestseller. „Deshalb kann ich mich auch nicht beschweren“, sagt Terriaca abschließend, „Ich würde auf eine bayerische Pizza auch Sauerkraut und Würstl tun. Ich mache es nur nicht.“

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