SSV Jahn Regensburg Oli Hein kämpft sich zurück auf den Platz

Teile des Trainings kann Oli Hein bereits wieder auf dem Platz mit der Mannschaft absolvieren. Foto: Fabian Roßmann

Oliver Hein hat sich im Frühjahr kurz nach seinem Comeback beim SSV Jahn Regensburg erneut schwer verletzt. Aktuell schuftet er hart für seine Rückkehr, seit kurzem steht er wieder auf dem Platz.

Es war eine emotionale Achterbahnfahrt für Oli Hein im vergangenen Frühjahr. Am 21. April gab der Verteidiger des Zweitligisten SSV Jahn Regensburg im Heimspiel gegen den FC St. Pauli sein vielumjubeltes Comeback. Über ein Jahr Leidenszeit war zu Ende. Mit einer Choreographie der Fans wurde Hein in der Continental Arena empfangen. "Egal ob Liga 2 oder 4, einer blieb immer hier. Danke Oli Hein – Willkommen zurück!" stand auf Plakaten auf der Hans-Jakob-Tribüne. Seine Einwechslung zwei Minuten vor dem Ende: ein Gänsehautmoment. So weit, so gut – wäre nicht nur drei Tage später die nächste Hiobsbotschaft gefolgt. In einer Zweikampfsituation im Training verletzte sich Hein erneut schwer. Die Diagnose lautete wie zuvor: Luxation der Kniescheibe. Die MRT-Untersuchung hätte er gar nicht gebraucht, sagt Hein. "Ich wusste sofort, was los war."

"In diesem Moment ist für mich natürlich schon eine Welt zusammengebrochen", blickt Hein ein paar Monate später zurück. Es war ein schwerer Rückschlag für den gebürtigen Straubinger, der seit über elf Jahren das Trikot des Jahn trägt und in dieser Zeit zu einem Gesicht des Vereins geworden ist. "Danach habe ich erst einmal ein paar Tage Abstand und Ruhe gebraucht, um die gesamte Tragweite der Verletzung aufzufassen", sagt er. Er hatte sich so viel vorgenommen, wollte zur neuen Saison wieder voll angreifen. "Doch dann hat mir die Verletzung leider einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Tribüne? "Für einen Fußballer gibt es nichts Schlimmeres"

Anders als nach der ersten Verletzung wurde das Knie Heins dieses Mal operiert. Für eine konservative Behandlung waren die Bänder zu lädiert. Wäre Hein kein Leistungssportler, wäre eine OP nicht notwendig gewesen. "Aber die Leidenschaft für den Sport ist doch so groß, dass man das wieder durchsteht", sagt Hein im Rückblick. Dafür hat er auch die Schmerzen in Kauf genommen. Drei Nächte mit insgesamt nur zwei Stunden Schlaf war er im Krankenhaus. "Das ist eine Verletzung, bei der viel rumgeschnipselt wird, wo viel am Knie gebohrt und geschraubt wird", erklärt Hein. Das habe er auch Tage und Wochen danach noch gemerkt. Viel mehr als das Knie schmerzte aber die Tatsache, dem Team nicht auf dem Platz helfen zu können. "Für einen Fußballer gibt es nichts Schlimmeres, als von der Tribüne zuschauen zu müssen, wie die Jungs die 2. Liga rocken", sagt Hein.

Doch der 28-Jährige hat die Situation schnell angenommen. "Ich bin ohnehin ein sehr fokussierter Mensch", sagt er. Geholfen hätte ihm in der Zeit der Zuspruch von allen Seiten: Familie, Freunde, Fans und Verantwortliche. "Es war nicht einfach", sagt Hein. Aber der Rückhalt und das Vertrauen aus dem Umfeld hätten ihm gezeigt, "dass es das einfach wert ist, die schwere Zeit durchzumachen, wieder anzugreifen und wieder zu versuchen, das Bestmögliche aus mir herauszuholen. Die Motivation bei mir war schnell wieder da, die Verletzung so gut wie möglich durchzustehen und zu beweisen, dass noch nicht Schluss ist." Zum Optimismus gebe es ohnehin keine Alternative.

"Sehr zufrieden" mit dem Heilungsprozess

Knapp fünf Monate Leidenszeit liegen bereits wieder hinter Hein, der in den vergangenen eineinhalb Jahren nur zwei Minuten für den Jahn auf dem Platz stand. Mit dem Heilungsprozess ist er "sehr zufrieden". Die Rehamaßnahmen würden gut greifen. Der Umgang mit der Verletzung ist für Hein leichter als noch beim ersten Mal. "Ich wusste nun schon, was mental und psychisch auf mich zukommt. Mir tat das gut, weil ich mich darauf einstellen konnte, es mir eine gewisse Sicherheit und Routine gab." Nach der OP standen für Hein Physiotherapie, Lymphdrainagen und Krankengymnastik auf dem Plan. Auch an der Beweglichkeit und Koordination wurde gearbeitet, ehe es um den Muskelaufbau ging. Vier Wochen war Hein zu einer intensiven Trainings- und Behandlungstherapie in Donaustauf, wo täglich neun bis zehn Stunden intensiv gearbeitet wurde. Lag der Unterschied des Umfangs zwischen linker und rechter Seite einmal bei fünf Zentimetern, so ist es inzwischen nur noch einer.

Eine Verletzung ist auch für den Kopf anspruchsvoll, weil nicht stetig Fortschritte zu erkennen sind. "Es geht meistens in Phasen. Mal macht man einen Sprung, dann bleibt man wieder ein paar Tage oder sogar Wochen auf einer Stufe", beschreibt Hein. Auch hier helfe die erste Verletzung zur Einordnung. "Wenn man das erste Mal verletzt ist, dann wird man ungeduldig, weil es nicht vorangeht. Daran kann man als Spieler auch zerbrechen. Aber oft ist es schon ein gutes Zeichen, wenn es nicht schlechter wird."

In der Zeit einer Verletzung kommen auch Gedanken auf: was passiert eigentlich nach dem Fußball? Oli Hein hat dafür schon länger einen ziemlich genauen Plan. "Ich habe mir darüber schon immer relativ viele Gedanken gemacht. Ich finde es einfach wichtig, dass man einen erweiterten Horizont hat und weiß, was außerhalb des Fußballs los ist." Hein hat eine Ausbildung zum Heilpraktiker abgeschlossen und will nach seiner Karriere eine Ausbildung zum Osteopathen absolvieren. Vielleicht könne er das später auch einmal mit dem Fußball oder dem Leistungssport verbinden. Dass er einen Plan für die Zeit nach der Karriere hat, gibt Hein Sicherheit. "Das beruhigt einen schon. Wenn man nicht zu einhundert Prozent vom Sport abhängig ist, dann geht man eine solche Geschichte ganz anders an", sagt er.

Die Jahn-Zeit hat Hein geprägt

In erster Linie sei er aktuell aber mit ganzer Leidenschaft Fußballer. Die Jahre beim Jahn haben ihn geprägt und werden ihm auch im weiteren Berufsleben behilflich sein. "In den elf Jahren habe ich Erfahrungen gesammelt, die machen andere in ihrem ganzen Leben nicht", sagt Hein und lacht. Er hat mit dem Jahn zwei Abstiege und drei Aufstiege mitgemacht. Chaotische und erfolgreiche Zeiten. "Ich bin froh, dass ich all das mitgemacht habe, auch wenn es nicht immer schön und rosig war. Das prägt einen in seiner Persönlichkeit und in seinem Charakter", sagt Hein. Was er gelernt habe in der Zeit? "Man braucht einen klaren Plan und klare Strukturen. Kontinuität ist wichtig und einer muss das Lenkrad in der Hand halten und die Richtung vorgeben. Dazu braucht es motivierte Mitarbeiter und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Auch in nicht so erfolgreichen Zeiten darf man nicht alles über Bord werfen."

Beim Jahn ist all das in den vergangenen Jahren geschehen und hat zum Erfolg geführt. Der Grundstein dafür, so Hein, wurde bereits im Regionalliga-Jahr gelegt. "Da haben wir das Fundament gebildet, sei es im Sponsoring oder bei den Mitarbeitern, aber auch bei der Motivation und Mentalität der Mannschaft." Das Fundament der Mannschaft sei auch Jahre später noch zu erkennen und sei im vergangenen Jahr das große Plus gewesen. Hein ist überzeugt: "Das Fundament, das in schwierigen Zeiten gebildet wird, ist um einiges standfester als ein Fundament, das in guten Zeichen gebildet wird. Und ein stabiles Fundament hilft natürlich, wenn der Wind einmal ein bisschen stärker von der Seite bläst."

Keller: Hein der "Prototyp des Jahn-Spielers"

Genau wegen solch reflektierter Ansichten sowie seiner Mentalität und Einstellung wissen sie beim Jahn, was sie an Oli Hein haben. Als "Prototyp des Jahn-Spielers" bezeichnet ihn Geschäftsführer Christian Keller: "Wenn ich mir einen Spieler basteln könnte, dann würde ich ihn mir so wünschen." Hein war schon im Verein, als Keller kam. "Wir haben viel zusammen erlebt, da ist nicht nur eine berufliche Beziehung, sondern auch eine persönliche Bindung entstanden", sagt Keller. Entsprechend habe ihn die erneute Verletzung Heins auch getroffen: "Da war ich sehr traurig. Man muss immer sagen, dass es nur Fußball ist und dass es Wichtigeres gibt. Aber im Fußball kann einem fast nichts Schlimmeres passieren."

Seit fast zwei Wochen kann Hein wieder Teile des Mannschaftstrainings mitmachen. "Es ist schön, wieder mit den Jungs in der Kabine und auf dem Platz zusammen zu sein", sagt er. Sein Ziel ist es, im November voll ins Mannschaftstraining einzusteigen und nach der Winterpause der Mannschaft wieder auf dem Platz zu helfen. Das Aufbautraining auf dem Platz leitet Jahn-Athletiktrainer Andreas Gehlen. "Oli ist für die Schwere seiner Verletzung schon richtig weit. Er kann laufen sowie Pass- und leichte Sprungübungen machen", sagt Gehlen. Für ihn ist auch die mentale Seite sehr wichtig: "Wir wollen, dass unsere Spieler mental stärker aus Verletzungen zurückkommen. Wenn der Kopf nicht mitmacht, dann ist es nicht gut." Schlecht sei hier sowohl eine Selbstüberschätzung als auch eine Angst vor weiteren Verletzungen. Hein müsse man grundsätzlich eher bremsen. "Wenn Oli am Ball ist, dann gibt es ihn eben nur mit 100 Prozent. So ist er und so brauchen wir ihn auch."

Oli Hein ist heiß auf sein Comeback und will mit der Mannschaft wieder Erfolge feiern. "Denn auch wenn wir vergangene Saison Historisches geschafft haben, sind wir noch lange nicht satt", kündigt Hein an. In diesen Worten ist der Ehrgeiz zu erkennen, der Hein immer ausgezeichnet hat. Deshalb ist auch Christian Keller überzeugt: "Oli ist eine tolle Persönlichkeit, darum wird er auch gestärkt zurückkommen. Das steht für mich außer Frage." Hein selbst ist jedenfalls motiviert. "Ich will", sagt er, "der Verletzung nicht so viel Macht geben, dass sie darüber bestimmt, wann ich meine Fußballschuhe an den Nagel hänge. Das würde ich schon ganz gerne selbst entscheiden."

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