SSV Jahn Regensburg Klar im Kopf: Bastian Lerchs Ende als Profi

Bastian Lerch hat in diesem Sommer seine Profi-Laufbahn beendet. Foto: Fabian Roßmann

Bastian Lerch hat mit nur 22 Jahren seine Laufbahn als Profifußballer beendet. Nun macht er eine Ausbildung und gibt sein Wissen als Torwarttrainer an die Jahn-Talente weiter.

Es ist ein Mittwochnachmittag Anfang September, als Bastian Lerch am Kaulbachweg in Regensburg Tennis spielt. Nur einen Steinwurf von ihm entfernt trainiert die Profi-Mannschaft des SSV Jahn Regensburg und bereitet sich auf die nächsten Aufgaben in der 2. Bundesliga vor. Vor einigen Monaten wäre Lerch mit auf dem Fußballplatz statt auf dem Tennisplatz gestanden. Doch nun hört er die Rufe der ehemaligen Kollegen nur noch aus der Ferne. Denn Lerch hat im Sommer eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen. Mit nur 22 Jahren hat der Torhüter seine Profilaufbahn beendet.

Nach zwei Jahren bei seinem Heimat- und Jugendverein Jahn Regensburg – in der Drittliga-Saison als Nummer zwei, in der Zweitliga-Saison als Nummer drei – war für Lerch absehbar, dass er bei den Jahn-Profis kurzfristig nicht zu Einsatzzeiten kommen würde. Einsatzzeiten, die er für seine Entwicklung aber gebraucht hätte. Also stand er vor der Wahl: es entweder bei einem anderen Verein versuchen, vielleicht per Leihe bei einem Drittligisten, oder Schluss machen. Weiter im Profikader des Jahn bleiben, nur des Status wegen, das wollte der Torhüter nicht. „Wer mich kennt, der weiß: wenn ich etwas mache, dann auch nur zu einhundert Prozent.“

Gegen einen Wechsel entschied sich Lerch aufgrund der Unwägbarkeiten des Profifußballs. „Der Trainer muss auf dich stehen, du darfst dich nicht verletzen, musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, zählt er auf. Er hätte sich den Schritt zugetraut – auch, später nochmals nach oben zu kommen. Aber aufgrund der vielen Eventualitäten hat er sich dagegen entschieden. „In der Dritten Liga oder der Regionalliga verdient man gutes Geld – aber nicht so viel, dass man sich irgendwelche Rücklagen bilden kann“, sagt Lerch. Deswegen entschied er sich für einen anderen Weg, durch den er sich eine sichere und langfristige Basis schaffen kann.

100-prozentige Entscheidung

Dass er nun Tennis spielt, während seine ehemaligen Mannschaftskameraden nur unweit davon trainieren, zeigt: Lerch ist mit sich und seiner Entscheidung völlig im Reinen. „Ich bin so weit, dass ich komplett damit abgeschlossen habe. Sonst hätte ich es auch nicht gemacht.“ Ihm sei es wichtig gewesen, eine Entscheidung zu treffen, hinter der er zu einhundert Prozent stehe.

Lerchs Entscheidung ist im Profifußball sicherlich eine ungewöhnliche. Jahn-Trainer Achim Beierlorzer bezeichnet sie als „extrem mutig“. Er hätte sich eine solche Entscheidung für sich selbst nicht vorstellen können. „Fußball ist der Sport, der mich begeistert. Ich habe so lange gespielt, wie es körperlich ging. Insofern war ich schon überrascht, dass er so frühzeitig einen anderen Weg einschlägt“, sagt Beierlorzer.

Der 50-Jährige kennt Lerch schon lange, er hat ihn schon im Nachwuchsbereich der SpVgg Greuther Fürth trainiert. Da hat er auch hautnah mitbekommen, wie viel Lerch für den Traum vom Fußballprofi investiert hat. „Ich habe die Jungs in Fürth öfter abends nach dem Training zum Zug gefahren und weiß, wie spät die nach Hause gekommen sind. Deshalb hat es mich schon überrascht, dass er nach dem, was er alles investiert hat, so klar im Kopf war, um zu sagen: das beende ich jetzt.“

Reifer als andere

Die Entscheidung zeigt, dass Bastian Lerch mit 22 Jahren schon reifer ist als andere in diesem Alter. „Ich habe ihm damals gesagt: ‚Ich ziehe den Hut vor Dir, Basti.‘ Diese Entscheidung und vor allem die Art, wie er sie getroffen und selbst reflektiert hat, das ist für sein Alter schon sehr selten“, sagt Jahn-Geschäftsführer Christian Keller.

Er glaubt, dass die Persönlichkeit Lerchs auch mit einer Verletzung zu tun hat, die sich der Torhüter in seiner Zeit bei Greuther Fürth zugezogen hatte. Damals erlitt er nach einem Zusammenprall mit seinem Gegenspieler ein offenes Schädel-Hirn-Trauma. „Das hat ihn geprägt“, sagt Keller. „Er ist viel reifer, als es manch anderer in seinem ganzen Leben wahrscheinlich sein wird.“ Der Keeper spielte nach der Verletzung nur noch mit einem speziellen Helm und wusste, dass es im Leben mehr gibt als Fußball. Lerch sei ein Spieler, „der komplett klar im Kopf ist. Er weiß genau, was er will, ist sehr intelligent und kann sich selbst gut einschätzen“, so Keller.

Lerch hätte sich die 2. Liga zugetraut

Apropos Einschätzung: Lerch hätte es sich durchaus zugetraut, auch in der 2. Bundesliga zwischen den Pfosten zu stehen. „Aber leider habe ich nie die Chance dazu erhalten“, sagt er. Beim Jahn hatte er zuletzt mit Philipp Pentke und André Weis zwei erfahrene Torhüter vor sich, weswegen es mit Spielzeit schwierig geworden wäre. „Basti hat sein Bestes gegeben, aber die anderen Beiden waren in ihrer Entwicklung einfach weiter“, sagt Keller über die Torhüterkonstellation der Vorsaison.

Wie Lerch mit der Situation umgegangen ist, das nötigt dem Geschäftsführer rückblickend großen Respekt ab. „Die Situation war für ihn sicher nicht immer einfach zu akzeptieren. Aber er hat sich in der Mannschaft immer positiv verhalten und Vollgas gegeben. Basti war in der Lage zu sagen: Ich bin zwar eigentlich nicht zufrieden, aber das Wohl der Mannschaft steht über meinem eigenen. Das hat er vorgelebt und war deshalb ein ganz wichtiger Spieler für uns.“ Denn nur, wenn sich die Spieler in der zweiten oder dritten Reihe so verhalten, dann funktioniere eine Mannschaft. „Und Basti hat einen riesigen Beitrag dazu geleistet, dass unsere Mannschaft in den vergangenen beiden Jahren so gut funktioniert hat.“ Auch Achim Beierlorzer schätzt nach eigener Aussage die Person Bastian Lerch: „Er ist ein toller Junge und ein toller Mensch.“

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