Sophias MUT App statt Zettel: Mit „anybill“ Kassenzettel digital sammeln

Das Regensburger Gründer-Team hinter der App „anybill“: Patrick Göttler (links), Lea Frank und Tobias Gubo. Foto: anybill

Hast du schon mal einen wichtigen Kassenzettel verloren? War ein Beleg nicht mehr lesbar oder hattest du den falschen bei einer Rückgabe dabei? Lea Frank war von solchen Situationen oft genervt – bis die Regensburger Studentin die Idee für die App „anybill“ hatte.

Lea fällt auf: „Die Digitalisierung hat bisher vor den Kassenzetteln haltgemacht.“ Bisher. In der App der 25-Jährigen soll der Nutzer den Kassenzettel direkt an der Kasse auf das Smartphone erhalten.

So eine App biete mehrere Vorteile. Erstens habe der Nutzer alle Belege immer dabei, zweitens werde durch die App weniger umstrittenes Thermopapier verbraucht, auf das die Kassenzettel oft gedruckt werden. Drittens sehe der Nutzer alle seine Ausgaben übersichtlich in einem Diagramm und viertens biete die App Extra-Funktionen wie einen Garantie-Tracker oder eine Exportfunktion für die Steuererklärung.

Das ist das Ziel. Der aktuelle Stand sieht ungeplant anders aus. Das Coronavirus verzögert einerseits die Abläufe des Regensburger Start-ups, zeigt aber gleichzeitig, wie wichtig kontaktlose Alltagshilfen wie die App sind.

Momentan scannen die Kunden die meisten Kassenzettel noch über die Fotofunktion in der App ein und archivieren diese so. Das Team arbeitet aber gerade intensiv an der Anbindung von möglichst vielen und großen Partnern und Kassensoftwareanbietern, „damit ,anybill‘ bald überall zur Verfügung steht“, erklärt Gründerin Lea.

Alles begann bei einem Gründerwettbewerb

Dann wird es hauptsächlich so funktionieren, dass die Kasse des teilnehmenden Shops einen QR-Code scannt und dadurch erkennt, dass es sich um eine „anybill-ID“ handelt. Daraufhin werden die Beleg-Daten in die App übertragen. Sinnvoll für den Verbraucher ist das natürlich vor allem, wenn die Verbreitung flächendeckend ist.

Aber von vorne: Es ist Ende 2018 und Lea nimmt an einem Gründerwettbewerb der „StartUP Factory“ und dem Gründer- und Innovationszentrum „Techbase“ in Regensburg teil. Dort trifft sie auf Mitgründer Tobias Gubo. Sie hat zwar die App-Idee, braucht aber technische Unterstützung. „Der Workshop war darauf ausgerichtet, ähnlich denkende Personen zusammenzubringen.“ Weil das Projekt so gut ankam, durften die Gründer ein halbes Jahr mietfrei in der „Techbase“ arbeiten.

Ein zehnköpfiges Team hinter der App – und eine Partnerfirma

Unterstützt wird das Team auch vom Start-up-Center der OTH Regensburg. Im Sommer 2019 kommt Patrick Göttler dazu. Mittlerweile besteht das Team aus zehn Personen und einem Partnerunternehmen im Hintergrund.

Doch die drei Gründer sind Lea Frank, Tobias Gubo und Patrick Göttler. Lea hat ein abgeschlossenes Bachelor-Studium in BWL und studiert Wirtschaftsinformatik im Master. Sie ist die Visionsgeberin und für den Vertrieb und die Entwicklung zuständig. Tobias ist 22 und studiert Informatik. Er ist der „Techie“, entwickelt schon jahrelang Apps. Bei „anybill“ ist er für die „Frontend-Entwicklung“ zuständig. Das heißt, er kümmert sich um das, was der Nutzer zu sehen bekommt. Der dritte Gründer, der 27-jährige Patrick, hat ein abgeschlossenes duales Bachelor-Studium in Informatik, bringt Erfahrung als Softwareentwickler und Projektmanager im Einzelhandel mit und ist für die „Backend-Entwicklung“ verantwortlich, also für alles, was die Funktionen des Systems betrifft.

Seit dem 1. Januar 2020 gilt die Belegausgabepflicht in Deutschland. Für jeden Einkauf muss ein Beleg ausgestellt werden. Das soll Steuerbetrug verhindern, sorgt allerdings für einen höheren Papierverbrauch. „Das Gesetz ist aber technologieoffen formuliert“, sagt Lea. Das heißt, die Belegausgabe darf und kann elektronisch erfolgen. Die Einführung der Belegausgabepflicht war von den Jungunternehmern eingeplant und erwünscht. „Wir haben gehofft, dass sich durch die Medienrelevanz eine gute Bühne für ,anybill‘ bietet.“ Schon seit Herbst 2019 knüpfen die drei Kontakte mit möglichen Partnern. Richtig intensiv wurde es aber ab dem 2. Januar 2020. „Da hatten wir erst einmal das Gefühl, aus allen Wolken zu fallen.“ „Anybill“ trifft das Interesse der Öffentlichkeit. Bereits zweimal war die App Teil eines Beitrags bei Galileo und auch Ministerpräsident Markus Söder hat die Gründer schon kennengelernt. „Er hat gesagt, dass man alternative Lösungen, wie wir eine bieten, jetzt nur noch einsetzen müsse“, erzählt Lea.

Aus zehn digitalen Kassenzetteln wird ein echter Baum

Ein Grundstein, auf dem Lea und ihre Mitgründer ihr Unternehmen bauen wollen, ist Nachhaltigkeit. Für in der App gesammelte Kassenzettel spendet „anybill“ in Zusammenarbeit mit der „Trillion Tree Campaign“ Geld für weltweite Aufforstungsprojekte. Jeder einzelne Nutzer kann seinen aktuellen Stand jederzeit in der App verfolgen. Zehn Kassenzettel sind zum Beispiel ein Baum, 50 Kassenzettel entsprechen drei Bäumen. „Wir wollen so nicht nur passiv – durch weniger Papierverbrauch – sondern auch aktiv etwas für die Umwelt tun“, begründet Lea.

Für viele Nutzer ist auch das ein Grund, auf eine digitale Lösung umzusteigen. Auf der Webseite der App gibt es bald eine Übersicht über alles, „was wir intern machen“. Seien das eigene Reiserichtlinien – innerhalb Deutschlands nur mit dem Zug zu fahren und auf Flüge zu verzichten –, die Server durch erneuerbare Energien zu speisen oder in der Mittagspause eigene Boxen mitzubringen.

Und wer Angst hat, durch Apps wie diese zum „gläsernen Bürger“ zu werden, den will Lea beruhigen: „Alle Daten werden nach den höchsten Sicherheitsstandards gespeichert.“

Mehr Artikel aus unserer Nachhaltigkeitsserie "Sophias MUT" gibt es hier.

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