Bald 14 Tage ist es her, dass zwei Sexualstraftäter in Regensburg auf einem Freigang verdufteten. Und nach wie vor gibt es keine heiße Spur von ihnen. Glaubt man dem Regensburger Gerichtsmediziner Michael Osterheider, hätte es erst gar nicht so weit kommen dürfen.

Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk erhebt er schwere Vorwürfe gegen das Bezirksklinikum der Stadt. Das betrifft besonders den Umgang mit jenem Patienten, der bereits aus anderen Einrichtungen ausgebrochen war. Dass so jemand mit nur einer Begleitperson auf Freigang geschickt wird, ist für den Experten nicht nachvollziehbar. In solchen Fällen bräuchte es mehrere Aufpasser, betont er gegenüber dem Sender.

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Für hanebüchen hält Osterheide auch die Öffentlichkeitsarbeit der Klinik. Erst mehrere Tage nach der Flucht ließen die Verantwortlichen durchblicken, dass es sich um Sexualstraftäter handelt. Und wieder ein paar Tage später gab man die lange Ausbruchsgeschichte des einen Patienten bekannt.

Klinik lockert den Maßregelvollzug

In anderen Kliniken sei es üblich, dass nicht die Klinikleitung die Polizei und Öffentlichkeit warnt, wie in Regensburg der Fall, sondern die jeweiligen Therapeuten. Sie kennen die Patienten aus dem täglichen Umgang und können besser einschätzen, inwieweit diese gefährlich sind, erläutert Osterheider.

Das Bezirksklinikum hat sich laut BR bisher nicht zu den Vorwürfen Osterheiders geäußert. Eine Sprecherin soll nur auf die bisherige Haltung des Klinkums verwiesen haben. Die Klinik plädiert grundsätzlich für eine Lockerung des Maßregelvollzugs. Die beiden flüchtigen Patienten hätten erst nach mehreren Überprüfungen und Gutachten Freigang erhalten.

Update (28. Mai)
Mittlerweile sind beide Männer gefasst worden. Die Öffentlichkeitsfahndung ist damit beendet.