Als er bewusstlos auf der Straße liegt, ist ein Tiefpunkt im Leben von Karl-Heinz Sell erreicht. Seit Jahrzehnten kämpft der Oberpfälzer gegen den Alkoholismus. Wie er die Kontrolle über sein Leben verloren hat - und nun im Schloss Tannegg bei Landau Hoffnung schöpft.

Karl-Heinz Sell vernimmt ein Klopfen. Er steigt aus seinem Bett und blickt durch den Türspion. Eine Frau, deren Gesicht von einer Kapuze bedeckt ist, steht mit einer Pizzaschachtel jenseits der Wohnungstür. Der Oberpfälzer öffnet - niemand da. Da klopft es am Fenster. Wieder ist es die Frau mit der Kapuze, die Einlass begehrt. Karl-Heinz Sell öffnet das Fenster nicht - womöglich eine lebensrettende Entscheidung.

"Hätte ich damals das Fenster aufgemacht, wäre ich wohl aus dem zweiten Stock gefallen - tot", glaubt der 66-Jährige. Er schildert: "Mir ist himmelangst geworden. Ich konnte die ganze Nacht nicht mehr schlafen, habe Leute gehört und gesehen, die nicht da waren." Die Wechselwirkung von Alkohol und Antidepressiva hatte dem Amberger schwer zugesetzt, angsteinflößende Halluzinationen ausgelöst. "Mittlerweile habe ich keine Albträume mehr", sagt er.

Nur kurzzeitig schafft es Karl-Heinz Sell, dem Alkohol zu entsagen. Bis er der Sucht vor wenigen Monaten schließlich gänzlich verfällt. "Es ist immer schlimmer geworden. Ich habe mir nicht mehr helfen können. Alles war verwahrlost, ich habe den Überblick verloren. Mir ging es bloß noch um Alkohol", gesteht er sich rückblickend ein. Sogar die Treppenstufen zu seiner Wohnung wurden ihm bisweilen zum unüberwindbaren Hindernis. "Heinz, du musst was tun", appellierte sein Betreuer. Mehrere Therapien waren fehlgeschlagen.