Miras Seele ist tausendmal gebrochen. Nach außen tanzt und lacht sie, spielt die geschliffene Tochter, versucht, sich einzureihen in die makellosen Lebensläufe ihrer großen Geschwister. Doch die Fassade bröckelt und Mira (Name von der Redaktion geändert) bricht regelmäßig ein. Denn was hat sie schon erreicht? Abitur, zwei abgebrochene Studiengänge, vier gescheiterte Beziehungen und inzwischen auch eine Antwort auf ihr Dilemma. Diagnose: Borderline.

Auf der Suche nach einer zweiten Hälfte

Wenn ein typischer Ken, braun gebrannt, Sixpack, körperbetonendes schwarzes T-Shirt, Glücksbärchen-Lächeln auf den Lippen und Grübchen in den Wangen, heute an Miras Tür klopfen würde, dann würde sie die Tür kurz öffnen, doch im selben Moment wieder zuschlagen. Denn was Mira will und braucht, das kann kein Ken ihr geben. Mira will kein Glücksbärchen und auch keinen Sixpack, keine Grübchen im Gesicht, kein Lächeln. Mira braucht die zweite Hälfte, die ihre gebrochene Seele wieder ganz macht. Sie sucht jemanden zum Streiten und Weinen, zum Anfauchen und Kreischen, genauso wie zum Schluchzen und Kuscheln. Einen, der bleibt, obwohl sie will, dass er geht. Einen, der sie erträgt und sie gerade deshalb liebt.